Düsseldorf: Seelsorger mit olympischen Qualitäten

Düsseldorf: Seelsorger mit olympischen Qualitäten

Jürgen Hünten ist Pfarrer der katholischen Hochschul-Gemeinde. In den kommenden zweieinhalb Wochen betreut er bei den Winterspielen die deutsche Mannschaft.

Nein, für den Sieg der deutschen Athleten wird Jürgen Hünten nicht beten. Obwohl er als Priester über einen relativ kurzen Draht zu allem Himmlischen verfügt. "Gott ist ja kein Deutscher, sondern einer, der für alle Menschen gleichermaßen da ist. Deshalb werde ich vor allem für einen fairen Wettkampf beten", sagt der Mann, der gestern Nachmittag in den Flieger nach Südkorea stieg.

Dort wird der Pfarrer der katholischen Hochschul-Gemeinde in Düsseldorf gemeinsam mit seinem evangelischen Kollegen Thomas Weber aus Gevelsberg die deutsche Mannschaft mit ihren gut 150 Athleten bei den olympischen Winterspielen seelsorgerisch betreuen. Eine Aufgabe, für die der 51-Jährige gut gerüstet ist. Denn mit Leistungs- und Erwartungsdruck kennt sich der Hochschul-Seelsorger bestens aus. "Auch Studierende stehen bisweilen unter enormem Druck, wissen nicht, wie sie beispielsweise mit ihrer Prüfungsangst umgehen sollen", sagt er. Was Sportler in wichtigen Wettkämpfen bewegt, weiß der Pfarrer von den Weltmeisterschaften der Studierenden, den Universiaden. Zwei Mal hat er daran teilgenommen. Dass der Druck noch einmal deutlich höher ist, wenn es um Gold, Silber und Bronze geht, ist ihm natürlich klar.

Bis heute erinnert er sich an einen 14-jährigen Schwimmer, den er in seiner Zeit als Schulpfarrer am Kölner Irmgardis-Gymnasium seelsorgerisch begleitete: "Der Junge trainierte lange Zeit absolut diszipliniert, stand jeden Morgen schon um halb sechs auf, verkniff sich alles, was Gleichaltrige sonst gerne taten: Party, mal was trinken, chillen." Eines Tages kam der Heranwachsende in die Schulkapelle und offenbarte dem überraschten Pfarrer: "Ich mag nicht mehr, ich kann mich einfach nicht mehr steigern. Jetzt will ich endlich leben." Tatsächlich hing der Schüler den Leistungssport an den Nagel.

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Solche Krisen haben diejenigen, die Hünten in den kommenden zweieinhalb Wochen begleiten wird, so oder so ähnlich sicher auch erlebt. Nur hat es bei ihnen am Ende doch fürs Weitermachen gereicht. Wer Rat braucht, kann sich in Pyeongchang und den anderen Spielstätten jederzeit an Hünten und seinen evangelischen Kollegen wenden. Feste Sprechstunden werden dafür nicht eingerichtet. "Ich bewege mich freischwebend im Team, zeige Präsenz im Deutschen Haus, bin jederzeit ansprechbar", sagt der Pfarrer, der vor elf Jahren nach Düsseldorf kam. Hünten ahnt, dass sich seine Begegnungen nicht nur um Sport und Medaillen-Hoffnungen drehen werden. "Manche haben vielleicht das Bedürfnis, ihr Leben nach den Wettkämpfen neu zu ordnen oder fragen sich, wie es mit ihrer aktuellen Beziehung weitergehen soll."

Wohnen wird der 51-Jährige, der früher intensiv Tennis spielte, sich inzwischen aber mehr aufs Radfahren verlegt hat, übrigens nicht in Pyeongchang, sondern im rund 60 Kilometer entfernten Gangneung. Die Düsseldorfer Paulus-Schwestern vermittelten ihm dort ein Quartier. Und Jürgen Hünten ist froh darüber, "denn dort ist man wirklich in Südkorea, Pyeongchang ist doch eher eine Retortenstadt", sagt er. Dass der Pfarrer zum deutschen Team gehört, ist gut zu erkennen. Für die Zeit der Spiele trägt er die dunkelgraue Team-Jacke der Deutschen, auf der in großen Buchstaben "Germany"prangt, genauso wie auf der helleren Pudelmütze. Zur Sicherheit hat er auch einen Führer über Südkorea eingepackt, "auch wenn ich zum Reisen ganz sicher keine Zeit haben werde."

(jj)