Second-Hand-Kleidung die zum Kilopreis von 35 Euro über die Ladentheke geht. VintageKilo macht es möglich.

Einkaufen in Düsseldorf : Wenn ein Kilo Klamotten 35 Euro kostet

2017 gewann das Start-Up-Unternehmen den Wirtschaftspreis für sein Konzept, bei dem Second-Hand-Kleidung zum Kilopreis von 35 Euro über die Ladentheke geht. Vintagestücke, die ursprünglich in den Müll wandern sollten, werden hierfür aus Schiffscontainern gerettet, liebevoll aufbereitet und für ein neues Leben bereitgestellt. Der Markt in Düsseldorf war ein Erfolg.

Vor dem Eingang der Alten Kämmerei hat sich eine lange Schlange gebildet. Geduldig warten hippe Jungen und Mädels darauf, eingelassen zu werden und endlich in Second-Hand-Klamotten stöbern zu können. Dabei hat das VinoKilo-Event nicht gerade erst die Pforten geöffnet. Schon seit vier Stunden verkaufen die Macher der Veranstaltung aufbereitete Vintage-Kleidung. „Der Raum hier ist zwar recht groß, wir lassen aber nur einhundert bis hundertfünfzig Menschen gleichzeitig rein“, erklärt Event Manager Shadi Zaitoun. Das macht das Shoppen sehr angenehm. Vor den Kleiderständern gibt es keine dicken Menschentrauben. Jeder kann in aller Ruhe nach besonderen Schmuckstücken suchen. Nur vor den kleinen Spiegeln wird es manchmal eng. Aber zur Not wird das Outfit einfach mit dem Handy überprüft oder eine Freundin oder ein Freund stehen beratend zur Seite.

„Der sieht richtig gut aus. Den solltest Du nehmen“, rät auch Karen (16) ihrer Freundin Benita (17). Diese probiert gerade einen Strickpullover an. „Ich habe beim letzten Event schon einen Pullover gekauft. Den finde ich so schön, dass ich noch mal nach anderen schauen möchte“, erzählt Benita. Das ist einer der Gründe aus dem sie und ihre Freunde heute hier sind. „Kleidung von H&M oder Zara tragen viele. Und durch den einseitigen Stil, den die Geschäfte haben wird man immer in eine Richtung gedrängt. Da gibt es keine Individualität“, findet Karen. Die Beiden sind begeistert von der bunten Fülle an Kleidung bei VinoKilo. „Die Auswahl ist groß. Da ist für jeden Style etwas dabei. Und es sind Einzelteile, die nicht jeder hat“, sagt die 17-Jährige. Zudem sei das Kaufgefühl einfach anders und auch besser. Wahrscheinlich erwacht da der Jagdtrieb bei den Besuchern des Events. „Man muss früh da sein. Wer zuerst da ist bekommt die besten Sachen“, so Karen.

Ob das so stimmt ist fraglich, denn das Vino-Kilo-Team ist im Dauereinsatz. Ständig kommen die Mitarbeiter mit neuen voll bepackten Kleiderständern in den Verkaufsraum. Manch einer, der schon in der langen Schlange an der Kasse steht, wirft einen sehnsuchtsvollen Blick zu den vorbeiziehenden Kleidungsstücken und überlegt, ob da nicht noch was Schönes dabei sein könnte.

„Wir haben bei jedem Termin rund 1000 Besucher und 1,5 bis 2 Tonnen Kleidung, ein Mix aus vielen Jahrzehnten von den 60ern bis zu den 2000ern“, berichtet Zaitoun. Asiatische Kleider, bunte Skianzüge aus den 80ern, Lederjacken, farbenfrohe Hemden, da dürfte für viele etwas dabei sein. Auf Facebook macht VinoKilo gerne schon mal vorab Umfragen, was in welcher Stadt besonders gewünscht ist und stellt sich darauf ein. „Für heute waren es Pullover, Jeans- und Sportjacken und Crazy Shirts aus den 90ern“ so der Event Manager. Mit etwas Glück kann man auch Designerware zum Beispiel von Ralph Lauren finden. Die Qualität der Ware begeistert auch die Chinesin Lei Ye. „Hier gibt es bekannte Marken wie Lee. Das sind alles alte Sachen, die aber eine gute Qualität haben und in einem tadellosen Zustand sind, nicht so wie auf dem Flohmarkt.“

Die 34-Jährige besucht die Veranstaltung zum ersten Mal und ist begeistert. „Das ist wie die Entdeckung einer alten Zeit. Vergangene Moden kommen einfach immer wieder.“ Wer es geschickt anstellt, kann für wenig Geld richtig viel mit nach Hause nehmen. Die meisten Kleidungsstücke werden nämlich nicht einzeln bezahlt, sondern nach Kilopreis. Pro Kilo müssen die Retrobegeisterten 35 Euro auf die Theke legen. Daher zieht es Henrik Förster jetzt erst mal zur Waage. Eigentlich wollte er sich nur ein paar ausgefallene Hemden kaufen, die man heute im Laden nicht finden würde. „Und dann sieht man noch andere Sachen, die einen interessieren“, gibt er zu. In Kaufrausch verfällt er aber nicht. „Erst mal schauen, was die Jacke hier wiegt“, so der 23-Jährige. „Second-Hand ist eine gute Sache und man kommt günstig weg“, findet er.

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