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Wortspiele in Düsseldorf Der Duden ist die Bibel im Scrabble

Grafenberg · Bei den zehnten „Scrabble Masters“ im Tischtennis-Zentrum der Borussia traten in Grafenberg die besten Spieler Deutschlands gegeneinander an.

 Drei Tage lang fanden im Sporthotel der Borussia die 10. „Scrabble Masters Düsseldorf“ statt. Hier spielt Alex Dings (hinten) gegen Nikolaus Ruzicska.

Drei Tage lang fanden im Sporthotel der Borussia die 10. „Scrabble Masters Düsseldorf“ statt. Hier spielt Alex Dings (hinten) gegen Nikolaus Ruzicska.

Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Auch im Scrabble gibt es Bingo. Das ist immer dann erreicht, wenn es gelingt, alle sieben Buchstaben auf der Bank in einem Zug und in einem Wort auf dem Spielbrett unterzubringen. Bei den 10. Düsseldorf Masters im Seminarraum des Deutschen Tischtennis Zentrums (DTTZ) wurden so einige Bingos gelegt, waren doch mit Timon Boerner (Berlin), Ben Berger (Freiburg) und Alexander Dings (Saarbrücken) die aktuell drei besten Spieler aus dem deutschsprachigen Raum dabei. Nur, dass anders als beim eigentlichen Bingo, beim Scrabble niemand „Bingo“ ruft. Das würde ja die Konzentration der anderen Scrabbler stören.

So war das dreitägige Turnier von 40 Wörterexperten, zu denen mit Nikolaus Ruzicska und Lorenz Knöpfli auch jeweils ein Österreicher und Schweizer gehörten, eine eher schweigsame Angelegenheit. Im Spielsaal war zumeist nur das Rascheln der Buchstabensteine im Beutel beim Mischen zu hören.

Dabei sind die Scrabbler durchaus kommunikative Brettspieler. „Wir sind alles Spielernaturen. Das macht es es so unterhaltsam“, erläutert der Ranglistenerste Boerner. „Über Scrabble habe ich Leute getroffen, die ich sonst nie kennengelernt hätte. Das finde ich bereichernd.“ Und mit einigen versteht er sich richtig gut. So spielten Boerner und Dings in der Mittagspause zusammen ein paar Bälle Tischtennis.

Turnier-Scrabble ist eine Angelegenheit für alle Generationen. Der promovierte Jurist Boerner ist noch keine 30, anderen sieht man an, dass sie bereits seit längerer Zeit aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind. Und es ist auch eine Familienangelegenheit. So war auch die Mutter von Alexander Dings im DTTZ an den Turniertischen am Start.

Von 2007 bis 2015 gehörte das Scrabble Masters Düsseldorf zum jährlichen Turnierprogramm der „Wortakrobaten“ im deutschsprachigem Raum, in den beiden Folgejahren fand sogar die Deutsche Meisterschaft in der Landeshauptstadt statt. Danach verschwand Düsseldorf aus dem Turnierkalender, weil der alte Organisator sich zurückgezogen hatte. Doch nun, dank der Initiative von Ute Kneist und Steffen Merx, kehrte das „Scrabble Masters Düsseldorf“ wieder ins Programm zurück. Und das direkt mit einer Top-Bestzung. „Die ersten vier der Rangliste hatten gemeldet, aber dann musste die Nummer vier wegen einer Corona-Erkrankung absagen“, verrät Kneist. „Aber wir sind mit den Top Drei und weiteren Top-Ten-Spielern hochkarätig besetzt.“ Zu den Top Ten zählt auch Merx. Er ist auf Ranglistenplatz sieben positioniert und holte sich bei der letzen deutschen Meisterschaft in Düsseldorf sogar den Titel.

Merx ist Mathematiker, was nicht die schlechteste Voraussetzung für Wettkampf-Scrabble ist. „Neben Germanisten sind viele Mathematiker, Informatiker und Naturwissenschaftler dabei“, so Merx. „Neben einem guten Sprachgefühl und Deutsch-Wissen, sind Taktik, Kombinationsvermögen und logisches Denken von Vorteil.“

Für die Turnierteilnahmen müssen die Wettkampf-Scrabbler in die eigene Tasche greifen, großartige Preisgelder sind nicht zu erspielen. „Bei einer Deutschen Meisterschaft gibt es für den Titel schon mal 500 Euro“, so Merx. Aber damit sind ja gerade mal die Hotelkosten gedeckt.“ So rechnte Berger auch pro Turnierteilnahme mit einem Zuschuss von 200 bis 300 Euro für Fahrtkosten, Unterkunft, Verpflegung und Startgebühr. Regelmäßig muss auch die aktuelle Ausgabe des Duden gekauft werden, denn der Duden ist die Bibel der Scrabbler. Nur Wörter, die dort aufgeführt werden, dürfen gelegt werden.

Und dennoch ist Scrabble kein kostspieliges Hobby, wie Boerner befindet. „Wir brauchen kein teures Equipment, wir können per App auf einem Smartphone trainieren“, so der Berliner. Und doch gibt es manchmal Probleme als Wettkampf-Scrabbler. „Früher habe ich mit meinen Eltern und meiner Schwester, die inzwischen auch Turnierspielerin ist, zu Hause gescrabbelt“, erinnert sich Boerner. „Nur meine Eltern wollten ziemlich schnell nicht mehr mit uns spielen.“ 

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