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Düsseldorf: Schwierige Suche nach Flughafenchef

Düsseldorf : Schwierige Suche nach Flughafenchef

Nach dem Tod von Christoph Blume muss ein neuer Leiter des Flughafens Düsseldorf gefunden werden. Die Stadt will wieder den Sprecher der Geschäftsführung bestimmen. Ein Personalberater wird eingeschaltet.

Drei Wochen ist es her, dass Flughafen-Chef Christoph Blume plötzlich an einem Herzinfarkt verstarb. Die Mitarbeiter haben ihres Chefs vor einigen Tagen in einer Trauerfeier gedacht. Der Schmerz sitzt noch tief — und dennoch denken sie nun an die Zukunft. So steht fest, dass die Informationsveranstaltungen in der Region zur geplanten Kapazitätserweiterung — sie sollten in der Woche von Blumes Tod beginnen — nun terminiert und bis Anfang Dezember durchgeführt werden. Blume wollte sich diese Aufgabe mit dem zweiten Geschäftsführer, Finanzchef Thomas Schnalke teilen. Jetzt übernimmt Schnalke diese Aufgabe allein. Auch die Nachfolge Blumes wird nun vorbereitet.

 Der Flughafen hat sich in der vergangenen Jahren rasant entwickelt. Durch den Ausbau zum Drehkreuz durchbrach man die Schallgrenze von 20 Millionen Fluggästen. Ein neues Verfahren zur Kapazitätserweiterung hatte der verstorbene Flughafenchef Christoph Blume gerade erst eingeleitet.
Der Flughafen hat sich in der vergangenen Jahren rasant entwickelt. Durch den Ausbau zum Drehkreuz durchbrach man die Schallgrenze von 20 Millionen Fluggästen. Ein neues Verfahren zur Kapazitätserweiterung hatte der verstorbene Flughafenchef Christoph Blume gerade erst eingeleitet. Foto: andreas endermann

Wie schnell soll ein neuer Sprecher der Geschäftsführung bestimmt werden?

Die Anteilseigner wollen den Posten "möglichst schnell" wieder besetzen. In diesen Tagen wird ein Personalberater ausgesucht, der geeignete Kandidaten im In- und Ausland suchen soll. Schon in der Januar-Sitzung des Aufsichtsrats, dem derzeit Oberbürgermeister Dirk Elbers vorsitzt, hofft man auf Vorschläge.

Warum der Zeitdruck?

Der Flughafen wächst, ist drittgrößter deutscher Airport, mittlerweile Drehkreuz und zählte 2012 knapp 21 Millionen Passagiere. Blume wollte das Wachstum mit einer flexibleren Nutzung der zweiten Start- und Landebahn weiter vorantreiben. Das Genehmigungsverfahren läuft, es braucht dafür einen erfahrenen Branchenkenner, der es auch versteht, als Kopf des Flughafens politisch und in die Bürgerschaft hinein zu argumentieren. Darauf legt vor allem die Stadt, der an einem Kompromiss von Anwohnerschutz und Gewinnstreben gelegen ist, großen Wert.

Wer bestimmt den neuen Flughafen-Chef?

Der Aufsichtsrat wählt den neuen Sprecher der Geschäftsführung. Die Stadt hat als Hauptgesellschafter mit gutem Draht zu den Arbeitnehmervertretern den meisten Einfluss. Sie hält 50 Prozent der Anteile, die andere Hälfte die Firma Airport Partners. Darin haben sich Hochtief (60 Prozent) und der irische Flughafenbetreiber Aer Rianta (40 Prozent) zusammengeschlossen.

Hochtief hat seinen Anteil gerade an eine kanadische Pensionskasse verkauft. Erschwert das die Zusammenarbeit bei der Chefsuche?

Damit ist nicht zu rechnen. Denn die handelnden Personen bei Airport Partners bleiben die gleichen, das Klima ist gut.

Gibt es Favoriten?

Die Headhunter werden vor allem die zweiten Geschäftsführer an den großen und die Chefebene der mittelgroßen Flughäfen analysieren. Bei Letzteren gab es gerade erst Wechsel. So ist Markus Bunk von Dortmund nach Frankfurt-Hahn (2,8 Millionen Passagiere) gegangen, Michael Hupe übernimmt von Dresden kommend zum Jahreswechsel den Nürnberger Airport (3,6 Millionen Passagiere). Die Branche ist überschaubar, Wechselbereitschaft gegeben. So kam Rainer Schwarz über München und Nürnberg nach Düsseldorf. In Berlin scheiterte er zuletzt — eine Rückkehr nach Düsseldorf, über die manche sprechen, wird eher als schlechter Scherz verstanden.

Blume wurde vom Stadtdirektor zum Airport-Manager. Hat erneut ein "Seiteneinsteiger" Chancen?

Ausgeschlossen ist nichts, auch ein Airline-Manager käme infrage. Wahrscheinlich ist dies aber nicht. Blume war zudem ein Sonderfall, er war zunächst Bauchef des Flughafens, wurde dann auch Arbeitsdirektor, später die Nummer Eins. Jetzt geht es gleich um den Chefposten und die Aufgabenfülle, die Blume auf sich vereinigt hatte. Ein neuer Chef könnte höchstens einiges an die insgesamt fünf Prokuristen delegieren.

(RP)