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Schwerpunkt Düsseldorfer Unternehmensgründungen Martin Huber entwickelt mit Poligy GmbH Solarmodule

Schwerpunkt Düsseldorfer Unternehmensgründungen : So wird die Energiewende erschwinglich

Ein Wissenschaftler hat neuartige Solarmodule entwickelt, die Strom aus Wärme erzeugen. Viel günstiger als Photovoltaik.

Der Mann ist der geborene Erfinder: Martin Huber, 30 Jahre alt, Wirtschaftschemiker (ein Fach, das man ziemlich exklusiv an der Uni Düsseldorf studieren kann), Firmengründer, ausgezeichnet mit etlichen Preisen. Mehrere Patente hat er angemeldet, in verschiedenen Ländern. Wenn er über die Ziele der 2017 von ihm und Arthur Steffen gegründeten Poligy GmbH spricht, dann fallen Sätze wie „die Energieerzeugung revolutionieren“. Tatsächlich hat er neuartige Solarmodule entwickelt, die die Energiewende für jeden erschwinglich machen sollen, für Eigenheimbesitzer, aber auch für die Industrie. Die Rede ist von einem Milliardenmarkt – „und von wirklich grünem Strom“.

Wie seine Innovation funktioniert, kann er im Schlaf erklären. Die Basis sind von ihm entwickelte Solarmodule, die mit Bipolymeren ausgestattet sind, also mit zwei zusammengeschweißten Kunststoffstreifen mit unterschiedlichen Eigenschaften: Das eine Material dehnt sich bei Wärme aus, das andere zieht sich stark zusammen. „Dadurch entsteht eine starke Biegung, die Kraft erzeugt.“ Kraft, die genutzt wird für den Antrieb seiner Wärmemotoren. Auf Hausdächern installiert, werden die Module von der Sonnenwärme (nicht wie bei Photovoltaik-Anlagen vom Licht) gespeist, in der Industrie von Abwärme, die sonst ungenutzt bleibt. „Unser System ist deutlich kostengünstiger als Photovoltaikanlagen“, so der Firmengründer. Das gelte für die Anschaffung, aber auch für den Preis für die Kilowattstunde.

Außerdem erzeugen seine Solarmodule nicht nur Strom, sie liefern auch Wärme und haben einen integrierten Energiespeicher. Dadurch könne der Platz auf dem Dach effizienter genutzt werden, und der Kauf teurer Batterien sei überflüssig. Martin Huber sieht noch mehr Vorteile: „Wir brauchen beim Produktionsprozess nur sehr wenig Strom, und das Recycling ist einfach und umweltfreundlich, da keinerlei Gefahrenstoffe verarbeitet werden.“ Anders als in Photovoltaik-Anlagen, in denen Cadmium und Blei verarbeitet würden.

„Bipolymere sind die Schlüsseltechnik zur Energieerzeugung der Zukunft“, urteilte eine Jury, die Poligy zu den 100 interessantesten Energie-Start-ups weltweit zählt. Außerdem könne dieses innovative Material nicht nur zur Stromerzeugung genutzt werden, so sind gerade Prototypen für die Medizinbranche und die Textilindustrie in der Entwicklung. Martin Huber ist davon überzeugt, dass seine speziellen Kunststoffe auch die bisher üblichen Metalle in Wasserkochern, Backöfen und elektrischen Sicherungen ersetzen können – „zu deutlich geringeren Kosten“. Seine Vision: „Auf der Basis der Bipolymere kann ein ganz neuer Industriezweig entstehen.“ Bis die Gründer soweit sind, mit ihrer Innovation Geld zu verdienen, verging viel Entwicklungszeit, in der sie trotz aller Auszeichnungen immer wieder mal am finanziellen Limit waren. „Für große Investoren sind wir zu klein, und Business-Angel wollen mitreden.“ Deshalb suchen sie geeignete Kapitalgeber und setzen dabei auf ein neuartiges Instrument: digitale Wertpapiere. „Geldgeber können unkompliziert Firmenanteile erwerben und damit handeln.“ Ausgezahlt aber werden die Investoren erst, wenn es Gewinne gibt. Aber damit ist bei Poligy zu rechnen.