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Die Woche in Düsseldorf: Schwere Zeiten für die Uniklinik

Die Woche in Düsseldorf : Schwere Zeiten für die Uniklinik

Turbulente Zeiten, große Aufgaben: Wer auch immer Wolfgang Raab als Ärztlicher Direktor beerbt, hat große Aufgaben zu bewältigen.

Die Uniklinik an der Heinrich-Heine-Universität hat es wie vergleichbare Anstalten in Deutschland schwer. Sie hat hoch spezialisierte Angebote geschaffen, die eine ganze Region nutzt — rund 200.000 Patienten werden jährlich stationär oder in den Ambulanzen betreut. Aber fast chronisch kämpfen die Kliniken mit Defiziten, weil Pauschalen und Abrechnungssysteme dem Aufwand nicht immer entsprechen — wohl aber auch, weil einige der Teilkliniken nicht genug Umsatz machen. Denn Unikliniken sind, selbst wenn das auf den ersten Blick angesichts des Kampfes gegen schwerste Erkrankungen mehr als befremdlich erscheint, Wirtschaftsbetriebe.

Umso schlimmer ist die Situation, in der sich die Düsseldorfer Uni-Klinik befindet. Der Ärztliche Direktor Wolfgang Raab musste seinen Posten verlassen. Die Staatsanwaltschaft hat gegen ihn Anklage wegen des Verdachts der Untreue erhoben. Ob es zum Prozess kommt, steht noch nicht fest.

Gewiss wiegt der Vorwurf schwer und das Bild eines Mediziners, der nicht nur Hunderttausende im Jahr verdient, sondern obendrein bis zu 100.000 Euro im Jahr ungerechtfertigter Weise eingesackt haben könnte, passt ins Bild der Raffkes unserer Tage, aber die Frage drängt sich auf, ob der Aufsichtsrat mit seiner Entscheidung ein glückliches Händchen hatte und nicht vielleicht doch besser gewartet hätte, bis es zur Eröffnung der Hauptverhandlung kommt - was ja durchaus möglich gewesen wäre. Denn einen Plan B hatte man offensichtlich nicht in der Hand. Im Gegenteil: Schon lange ist bekannt, dass Raabs Stellvertreter seinen Posten aufgeben will. Er hat sich in diesen Tagen breitschlagen lassen, noch zumindest vier Wochen den Karren zu ziehen. Die Uni-Klinik befindet sich de facto in einem Führungsvakuum, selbst wenn im Oktober flott ein neuer ehrenamtlicher Vize gewählt wird.

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Und so spielen sich in der Zahnklinik in diesen Tagen unschöne Szenen ab. Raab ist auf seinen alten Posten als Direktor zurückgekehrt, der kommissarische Leiter will nicht gehen, weil er darauf besteht, schwarz auf weiß bestätigt zu bekommen, dass Raab tatsächlich nicht mehr Ärztlicher Direktor ist. Hintergrund: Mit Raab werden in seiner Rolle als Ärztlicher Direktor zurzeit noch Trennungsgespräche geführt.

Während gestern am Schadowplatz also die Eröffnung des Hauses der Universität gefeiert wurde, geht es in der Uniklinik hoch her. Das kann Uni-Rektor Michael Piper nicht gefallen. Er sitzt ebenfalls im Aufsichtsrat und hat als Krisenmanager im Hintergrund eine wichtige Rolle zu spielen. Der Fall Schavan hat die Universität in keineswegs nur positive Diskussionen gebracht, jetzt soll es besser laufen. Fehler will sich Piper keineswegs vorwerfen lassen, schließlich wird nächstes Jahr über seine Wiederwahl entschieden.

Die Aufgaben, die auf den neuen Vorstandsvorsitzenden der Uniklinik — Details der Ausschreibung werden im Oktober festgelegt — zukommen, sind immens. Die Uniklinik muss anders organisiert werden, damit nicht strukturelle Defizite entstehen. Rund 260 Millionen Euro Umsatz entfallen auf die Krankenbehandlung, zuletzt wurde nach sechs Jahren mit schwarzen Zahlen ein operatives Minus von 9,3 Millionen Euro eingefahren. Mehr als die Hälfte der 36 Kliniken schreibt rote Zahlen, viele der mehr als 100 Ambulanzen fahren Verluste ein — auch, weil Fallpauschalen von 93 Euro die Kosten kaum decken. "Mal eben" kann ein Ärztlicher Direktor Änderungen jedoch nicht durchsetzen, denn Klinikdirektoren haben eine mächtige Position und sind quasi unkündbar.

Sollte die 170 Millionen Euro teure Geisterklinik Zom II mit fünf Jahren Verspätung nächstes Jahr in Betrieb gehen, wäre zumindest ein großes Problem vom Tisch. Dieser Skandalfall schlägt nicht nur mit zwei Millionen Euro im Jahr zu Buche, sondern hat auch zum Verlust guter Professoren geführt, denen hier bessere Bedingungen versprochen waren. Viel zu tun also für den neuen Chef, der auch den Nachwuchs in der Pflege sicherzustellen hat.

Schlagzeilen über "Importe" aus Spanien machen sich gut, aber noch lieber wäre den knapp 5000 Beschäftigten, man übernähme jetzt immer die eigenen Azubis.

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(RP)