Düsseldorf: Schutz vor Neo-Salafisten bieten

Düsseldorf : Schutz vor Neo-Salafisten bieten

Kirche, Pädagogen und Polizei wollen Methode der Anwerbung verdeutlichen.

Die Facebook-Mitteilung erfüllte Yvonne Stegmann, Schulreferentin der evangelischen Kirche, mit Sorge: "Ein ehemaliger Schüler will die muslimischen Brüder und Schwestern in den Krisengebieten unterstützen und dorthin fahren." Für sie ein typischer Fall, wie Jugendliche von den extremistischen Ansichten der Neo-Salafisten angezogen werden. "An solchen Grenzgängern müssen wir dran bleiben, um sie und die Gesellschaft vor Terror zu bewahren", sagt sie. Über Methoden, mit denen radikale Islamisten Menschen begeistern, will daher die evangelische Stadtakademie Lehrer, Eltern und auch junge Menschen in einem Seminar am 3. September, um 19 Uhr im Haus der Kirche, Bastionstraße 6, aufklären.

"Jugendliche wollen anerkannt sein, wollen zu einer Gruppe gehören. Fühlen sie sich von der Gesellschaft abgelehnt, etwa wegen ihres muslimischen Glaubens, sind sie für extremistische Positionen anfällig", sagt Polizeihauptkommissar Dirk Sauerborn, der bei der Polizei für Verbindungen mit Muslimen zuständig ist. Denn extreme Gruppen wie Neo-Salafisten würden Anerkennung und Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft versprechen.

Deren Erfolg - etwa 140 Menschen in Nordrhein-Westfalen gelten als Aktive in islamistisch- extremistischen Gruppen - werde auch durch weit verbreiteten gesellschaftliche Einstellungen möglich gemacht, so Sauerborn. "Es wird selten ein Unterschied gemacht zwischen den Extremisten und dem normalen, friedlich ausgerichteten muslimischen Glauben, den die riesige Mehrheit der Muslime lebt."

Diese Unterscheidung sei aber wichtig, um eine Radikalisierung zu verhindern, sagt Klaus Spenlen, der an der Heinrich-Heine-Universität über Islam lehrt. Die Salafisten seien eine zwar rückwärtsgewandte, aber friedliche Strömung im Islam, "die Neo-Salafisten dagegen wollen die alten Sichtweisen mit Gewalt und Terror durchsetzen", sagt er. Ein ausgewogenes Bild über diese Zusammenhänge könne helfen, den Zulauf zu den Radikalen zu bremsen: "Menschen müssen lernen, polarisierende Einteilungen in Gut und Böse und den damit begründeten Terror kritisch zu bewerten."

(bro)