125 Jahre Flora-Realschule Eine Institution in Düsseldorfs Schullandschaft

Düsseldorf · Vor 125 Jahren wurde in Düsseldorf die Florarealschule gegründet. Im Jubiläumsjahr erforschen Lehrkräfte und Schülerschaft gemeinsam die spannende Historie des Instituts und sehen sich für die Zukunft und ihre digitalen Anforderungen gut aufgestellt.

Passend zum 125. Bestehensjahr beschäftigt sich die Archiv-AG der Florarealschule detalliert mit deren langer Geschichte. V.l. Zilan (14), Sebastian Delißen, Alex (11), Lehrerin Nülüfer Özdemir, Ilbey (11) und Luca (12)

Passend zum 125. Bestehensjahr beschäftigt sich die Archiv-AG der Florarealschule detalliert mit deren langer Geschichte. V.l. Zilan (14), Sebastian Delißen, Alex (11), Lehrerin Nülüfer Özdemir, Ilbey (11) und Luca (12)

Foto: Bretz, Andreas (abr)

Dreizehn Realschulen gibt es in der Stadt, bald werden es vierzehn sein. Die Flora-Realschule ist dabei seit nunmehr 125 Jahren fester und prägender Bestandteil der breiten Düsseldorfer Schullandschaft. Das Jubiläumsjahr bestreitet die Schule im großen Stil. Bereits der „Geburtstag“ der Schule, der 15. April, wurde humorvoll und ausgiebig gefeiert.

Unter den Augen der Düsseldorfer Schulamtsleiterin Dagmar Wandt und des Stadtdirektors Burkhard Hintzsche wurde sogar der erste Rektor Ferdinand Roßbach von einem verkleidet moderierenden Schüler verulkt. Ein freundlicher, kleiner Seitenhieb, den sein heutiger Nachfolger Sebastian Delißen über ein Jahrhundert später leicht verschmerzen konnte.

Schließlich gab es vonseiten der Stadtoberen unter anderem aufgrund der guten Anmeldezahlen großes Lob. „Das ging runter wie Öl“, freut sich der Schulrektor. Auch einen Gutschein für ein neues Instrument wurde der Schule mit der starken musisch-künstlerischen Ausrichtung überreicht.

Seit Delißen sein Amt 2011 übernahm, wurde das Profil unter seiner Ägide stark geschärft. So gibt es seitdem in jedem neuen Jahrgang eine reine Orchesterklasse ab der fünften Jahrgangsstufe, ab der siebten Klasse kann Kunst als Hauptfach gewählt werden.

Vier historische Bilder aus dem Archiv der Florarealschule
5 Bilder

Vier historische Bilder aus dem Archiv der Florarealschule

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Foto: Jakub Drogowski

Ein bedeutendes Merkmal und Erfolgsrezept der Schule an der Florastraße sei auch das interne sowie generationenübergreifende Gemeinschaftsgefühl. Dies zeige sich auch dadurch, dass bei der Feier zahlreiche Alumni und ehemalige Lehrer der Schule anwesend waren. “Manche Großeltern, die bereits hier zur Schule gingen, bringen heute ihre Enkel hierher“, sagt Delißen.

Seit ihrer Eröffnung am 15. April 1899 haben viele Jahrgänge ihre Spuren in dieser Realschule hinterlassen. Die im vergangenen Sommer neu gegründete Archiv-AG unter Leitung von Nülüfer Özdemir ging diesen in den letzten Monaten eifrig nach.

Da passte es gut, dass mit den beiden ehemaligen Rektorinnen Adelheid Kolb und Renate von Tongelen zwei prägende Gestalterinnen der Schulhistorie beim Fest vor Ort waren. “Im Vorfeld hat die Archiv-AG auch über die beiden Rektorinnen recherchiert. Für die Schülerinnen und Schüler war es sehr spannend, diese dann kennenzulernen“, sagt Özdemir.

Die Deutsch- und Geschichtslehrerin tauchte mit ihren Schützlingen dank des umfangreichen Archivs tief in die Historie ein und brachte ihnen die einzelnen Epochen nahe. „Mit dieser Arbeit konnten die Schüler sogar die neuere Weltgeschichte leicht nachvollziehen“, sagt auch Delißen. Die Entdeckungsreise begann in der Kaiserzeit, führte durch die Weimarer Republik bis in die bundesrepublikanische Neuzeit und ließ auch die Entbehrungen der jeweiligen Weltkriegsjahre nicht aus. Die jungen Nachwuchshistoriker erfuhren so unter anderem, dass ihre Schule bis 1971 eine reine Mädchenschule war.

Im preußisch geprägten Düsseldorf herrschte zum Fin de siècle ein erheblicher Mangel an Schulplätzen für Mädchen. „Die eine Schule in der Oststraße war damals komplett überlaufen, so beschloss die Stadt, hier eine neue reine Mädchenschule zu gründen“, sagt Delißen.

Bei ihren Recherchen lernten die Kinder auch die damalige Schul- und Lernkultur kennen. „Die Schülerinnen und Schüler sahen, wie die Kinder von damals auftraten und gekleidet waren. Es war interessant für sie mitzubekommen, wie sehr Ordnung und Fleiß damals großgeschrieben wurden“, sagt Özdemir.

Prügelstrafe, strenge Sitzordnungen, Hände auf den Tischen – auf solch bedrückend-rigide Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des geordneten Betriebs wird an der Flora-Realschule heute natürlich nicht mehr zurückgegriffen.

Ein „tragfähiges Erziehungskonzept“ sorgt laut Sebastian Delißen für die nötige Disziplin im heutigen Schulalltag. „Wir haben klare Regeln und Rituale, alle wissen, woran sie sich halten müssen. Es ist eine angenehme Atmosphäre in den Klassen. Und wenn etwas nicht läuft, dann kann man das regeln.“ Es herrsche ein freundliches Miteinander, Toleranz – und im gewissen Rahmen auch eine Kleiderordnung.

So sei der letztjährige mediale Aufreger „Jogginghosen an Schulen“ nie ein Thema gewesen. „Unsere Schülerinnen und Schüler tragen im Unterricht angemessene Kleidung. Das war bei uns nie ein Problem“, sagt Delißen.

Auch die starke Einbeziehung der Eltern trage dazu bei. „Bei uns gibt es keinen klassischen Elternsprechtag. Wir beraten vielmehr die Schüler selbst im Beisein ihrer Eltern mittels Videokonferenzen“, so Delißen. Die Hemmschwelle, an diesen Gesprächen teilzunehmen, sei so niedriger. Dadurch würden so gut wie alle Eltern erreicht. „Wir schaffen dann klare Lernvereinbarungen mit Schülern und Eltern. Wir zeigen, dass wir die Schüler ernst nehmen und erklären, was besser werden muss“, sagt Delißen. Nülüfer Özdemir bestätigt, dass dadurch eine „signifikante Leistungssteigerung“ erreicht wurde.

Die „Digitalisierung wird bei uns schon lange gezielt vorangetrieben. Das half uns allen bereits während Corona“, so Özdemir. Die Flora-Realschule scheint somit gut aufgestellt für die nächsten 125 Jahre.

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