Anti-Rassismus-Projekt in Düsseldorfer Grundschule „Fast jeder wurde schon rassistisch beschimpft“

Düsseldorf · Die Klasse 4b der katholischen Hermann-Gmeiner-Schule in Düsseldorf-Hassels hat sich in einem Projekt mit dem Thema Rassismus beschäftigt. Unter anderem gestalteten die Schüler eine Plakatwand. Darauf ist auch zu lesen: „Deutschland soll bunt sein.“

Die Klasse 4b hat sich im Unterricht mit dem Thema Rassismus auseinandergesetzt. Dabei ist auch eine Plakatwand am Schulzaun entstanden.

Die Klasse 4b hat sich im Unterricht mit dem Thema Rassismus auseinandergesetzt. Dabei ist auch eine Plakatwand am Schulzaun entstanden.

Foto: Andrea Röhrig

Anfang des Jahres haben sich die Schüler der Klasse 4b an der katholischen Herman-Gmeiner-Grundschule in Hassels viele Sorgen gemacht, als sie davon hörten, dass die AfD intern darüber diskutiert, wie man alle Menschen mit Migrationshintergrund aus Deutschland vertreiben kann, Stichwort Remigration.

Die Angst saß tief bei den Zehn- und Elfjährigen, vor allem auch deswegen, weil fast jeder von ihnen schon selbst Opfer eines rassistischen Übergriffs geworden ist. Und umso dringlicher war es für ihre Klassenlehrerin Eva Peters, Schulsozialarbeiterin Beate Lendzian-Piel und Arev Arzuman, die unter anderem in der 4b Sprachförderung anbietet, dass die Mädchen und Jungen nicht sprachlos bleiben.

Nur ganz wenige Finger bleiben unten, wenn man bei den Kindern nachfragt, wer in der Familie Verwandte hat, die nicht in Deutschland geboren sind. „Wir sind bunt“, sagen sie. So bunt wie inzwischen das ganze Land. Wenn tatsächlich alle Menschen mit Migrationshintergrund das Land verlassen müssten, dann, sagt Hayden (10), wäre Deutschland doch ganz schön leer. Und dann wären auch alle Freunde weg. Und wenn dann jemand von der AfD zum Arzt müsste, wäre keiner mehr da, um diesen zu behandeln, sagt ein weiterer Schüler.

Gemeinsam haben sie vor Ostern Bilderbücher zum Thema Rassismus angeschaut und überlegt, welche Statements man gegen rechte Hetze setzen müsste. Mut hat ihnen gemacht, wie viele Menschen in Deutschland dagegen aufgestanden sind. Alleine in Düsseldorf hatten am 29. Januar rund 100.000 Menschen gegen diese Parolen von rechts demonstriert.

Bilder des Tages aus Düsseldorf
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Foto: Uwe-Jens Ruhnau

Die griffigsten Aussagen der Kinder, wobei sie von den Schülern der Klasse 4a und 3a unterstützt wurden, wurden auf buntes Papier gebracht, laminiert und für alle sichtbar an den Außenzaun gehängt. Dort soll jeder Passant und auch jedes Elternteil sehen, wofür die Schule und ihre Schüler stehen. Unter anderem dafür, dass man sich gegenseitig respektiert.

Das hat aber auch durch das Projekt erst so richtig zugenommen, sagt Beate Lendzian-Piel. Vorher fiel auch unter den Klassenkameraden manchmal das eine oder andere heftige Wort, manchmal auch, ohne vorher nachzudenken. Inzwischen sind sie sensibilisierter, weil sie wissen, dass ihnen das sehr wohl etwas ausmacht, wenn sie sich gegenseitig beschimpfen.

Immer mehr Geschichten von täglichem Rassismus erzählen die Jungen und Mädchen bei diesem Schulbesuch, nahezu jeder hat mindestens eine kränkende Situation erlebt oder war Zeuge, wenn andere Menschen wegen ihres Aussehens beleidigt wurden.

Nana wurde mit ihrer Mutter und dem größeren Bruder im Bus von einer älteren Frau beschimpft: Menschen aus Afrika brächten Krankheiten nach Deutschland, sagte diese und habe sich demonstrativ eine Gesichtsmaske aufgesetzt. Aber immerhin, erzählt das Mädchen leise, hätten andere Fahrgäste der Frau deutlich gemacht, dass man das nicht sagt.

Eine andere Schülerin berichtet, dass sie mit ihrer Mutter unterwegs gewesen sei, die mit Verwandten im Irak auf Kurdisch telefoniert habe. Da habe eine Frau laut gesagt: „Wir leben hier in Deutschland und hier wird Deutsch gesprochen.“ Auf die Nachfrage ihrer Mutter, wie sie das meine, habe die Frau nicht reagiert.

Und ein Schüler war am letzten Tag des Ramadans mit seiner Familie per Zug unterwegs zum Fastenbrechen nach Köln, als mehrere Fahrgäste sie rassistisch beleidigten: „Meine Mutter hat sogar ein bisschen geweint.“

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