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Schulanmeldungen: Düsseldorfer Eltern fordern Alternativen zum Losverfahren

Schulanmeldungen : Düsseldorfer Eltern fordern Alternativen zum Losverfahren

Wer an eine weiterführende Schule wechseln will, wird nicht selten per Los aussortiert. Kann das Kriterium der räumlichen Nähe für mehr Gerechtigkeit sorgen?

Lange Gesichter gab es im Februar in vielen Düsseldorfer Familien nach dem ersten Anmeldedurchgang für die weiterführenden Schulen. Wer an eine Gesamt­schule, ein beliebtes Gymnasium oder eine nachgefragte Realschule wechseln will, geht in Düsseldorf nicht selten leer aus. Entschieden wird in aller Regel per Los, es sei denn der Viertklässler hat einen Bruder oder eine Schwester an der Wunschschule.

„Das Ergebnis ist, dass meine Tochter, die nah an der Georg-Schulhoff-Realschule wohnt, sich nun um einen Platz unter anderem in Garath bewerben muss“, schreibt ein enttäuschter Vater. Tatsächlich muss Düsseldorfs beliebteste Realschule in diesem Jahr 75 von 168 Interessenten eine Absage erteilen.

Dass die Schule – wie andere auch – nach der Geschwisterkind-Regelung im nächsten Schritt gleich zum Losverfahren übergegangen ist, ärgert den Vater. „Warum werden nicht andere Kriterien, darunter die räumliche Nähe, angewandt?“, fragt er und fügt an: „Es ist schon mehr als traurig mit anzusehen, wie unsere Kinder ihren Schulplatz über eine Art Tombola erhalten.“

Frustriert sind auch zahlreiche Gerresheimer Eltern, die weder am Marie-Curie-Gymnasium noch am Gymnasium am Poth einen Platz erhalten haben. Beide Schulen haben mehr Bewerber als Plätze. Beide mussten Absagen verteilen. „Wir werden nicht wirklich ernst genommen. Erst werden Familien ermuntert, hierher zu ziehen, und dann wird eine wohnortnahe Beschulung vergessen“, sagt Gerrit Birkemeyer, der mit anderem vor dem Rathaus protestierte.

Wie mühsam es sein kann, eine Alternative zu finden, beschreibt die Mutter einer Viertklässlerin, die an der Hulda-Pankok-Gesamtschule ablehnt wurde. „Als Alternative wurden mir neun weniger nachgefragte Gymnasien sowie sieben Hauptschulen genannt. Da mein Sohn eine Realschul-Empfehlung hat, kämen eigentlich nur die Hauptschulen in Frage.“ 13 Realschulen rief die Mutter persönlich an, um einen  Ausweg zu finden. „Mit ein bisschen Glück wird es bei einer klappen“, sagt sie.

Ohne Zusagen in konkreten Fällen zu machen, hatte Stadtdirektor Burkhard Hintzsche vor ein paar Tagen im Schulausschuss angekündigt, mit den Schulleitern darüber zu sprechen, ob es nicht doch möglich ist, die Nähe der Schule zum Wohnort des Viertklässlers in irgendeiner Form zu berücksichtigen. FDP-Schulpolitiker Mirko Rohloff begrüßt diese Initiative. „Das sind wir den enttäuschten Eltern schuldig“, sagt er. Skeptisch zeigen sich dagegen die Schulexperten von CDU, Florian Tussing, und SPD, Oliver Schreiber. „Weiterführende Schulen haben Profile, für die Eltern auch bewusst weitere Wege in Kauf nehmen. Das Wohnort-Prinzip kann hier nicht greifen.“

Skeptisch beim Kriterium der räumlichen Nähe ist auch die Leiterin der Georg-Schulhoff-Realschule Kristina Mandalka. „Absagen sind eine sehr traurige Sache und tun mir weh, aber nur das Losverfahren ist rechtssicher und hat im Zweifel vor den Gerichten Bestand.“