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Schuhmachermeister an der Bismarckstraße in Düsseldorf bedient die Königsallee

Mein Laden : Der Schuhmacher der Kö

Wer nicht mehr weiter weiß, kommt zu Jens Zapke. Der Schuhmacher an der Bismarckstraße repariert alles.

30 Jahre ist es her, da kam Jens Zapke aus Leipzig nach Düsseldorf. „Es war ein Jahr, nachdem die Mauer fiel. Ich hatte 50 Mark in der Tasche, aber auf der Reise haben sie mir alles geklaut, sogar die Unterwäsche“, sagt Zapke, der jedoch zumindest mit einer guten Ausbildung aufwarten konnte. „Ich habe das Schuhmacherhandwerk von der Pike auf gelernt“, blickt Zapke zurück.

Der heute 49-Jährige fand schnell eine Anstellung und konnte so Fuß fassen in der für ihn neuen Stadt. Er absolvierte einen guten Job, der Umsatz stieg, „doch als ich 100 Mark im Monat mehr haben wollte, kam die Kündigung“. Aus der Not machte Jens Zapke eine Tugend und wagte den Sprung in die Selbstständigkeit. „In einem Laden an der Steinstraße, auf zwölf Quadratmetern, da passten kaum Näh- und Schleifmaschine rein.“ Dennoch blieb der Schuhmacher zehn Jahre, wartete, bis er ausreichend Stammkunden angesammelt hatte. Und als er das Angebot erhielt, an die Bismarckstraße umzuziehen, schlug er sofort zu. „Ich konnte mich auf 126 Quadratmetern quasi verzehnfachen“, nennt er den ausschlaggebenden Grund. Vorher hatten hier mal ein Herrenausstatter und ein Waffengeschäft ihre Adresse.

Jetzt konnte Jens Zapke so richtig loslegen und auch anspruchsvollen Kunden zeigen, was er auf dem Kasten hat. Denn inzwischen ist der 49-Jährige nichts weniger als der Schuhmacher der Kö. Renommierte Firmen wie Hermès oder Louis Vuitton kommen zu ihm, wenn es kompliziert wird. Mit namhaften Firmen wie Ludwig Reiter oder der Lederfabrik Rendenbach arbeitet er ebenfalls zusammen, denn der Flingeraner („Seit 30 Jahren“) ist nicht nur Fachmann bei Schuhen, er repariert auch edle Taschen oder ändert teure Gürtel um. „Vieles ist handwerklich so anspruchsvoll, dass es entsprechend zeitaufwendig ist. Diese Zeit können andere nicht aufbringen – und schicken die Kunden lieber gleich zu mir“, sagt der Schuhmachermeister selbstbewusst und verweist dabei nicht zuletzt auf sein Team mit drei Mitarbeitern, die eine entsprechend jahrelange Erfahrung mitbringen. „Man muss das Handwerk mindestens zehn Jahre lang gelernt haben, sonst wird das nichts“, definiert der Experte seinen Anspruch.

 Die alte Anker-Registrierkasse ist das Schmuckstück auf dem Verkaufstresen von Jens Zapke.
Die alte Anker-Registrierkasse ist das Schmuckstück auf dem Verkaufstresen von Jens Zapke. Foto: Marc Ingel

Oftmals sind es scheinbar unwichtige Details, auf die große Firmen bestehen, „da fragt man nicht, warum. Nur: Das kann dann halt auch schon mal etwas länger dauern“, sagt Zapke, der von Kö-Firmen Taschen im Wert von 40.000 Euro zur Aufarbeitung erhält. „Natürlich ist hier alles alarmgesichert“, stellt der Geschäftsinhaber klar, der betont, dass er auch das Tagesgeschäft nicht vernachlässige und genauso bei normalen Schuhen Sohlen oder Absätze wechselt. „Allerdings sage ich offen, wenn eine Reparatur nicht mehr lohnt. Alles andere wäre Betrug am Kunden.“

Natürlich ist auch der Laden selbst nicht normal. Die komplette Schrankwand eines Gemischtwarenladens aus dem Jahr 1936 schmückt die Rückfront, Schubladen für Salz, Socken oder Tinte sind noch vorhanden, „die habe ich einer Familie in Kassel abgekauft und versprochen, sie original bei mir wieder so aufzubauen, wie sie vorher war. Die sind dann später mal zu mir gekommen und haben sich davon überzeugt“, sagt Zapke. In den Regalen stehen jetzt edle Pflegeprodukte aus Frankreich oder der Schweiz. Blickfang auf dem Verkaufstresen ist eine alte Anker-Registrierkasse, bei der die exakten Mark- und Pfennig-Beträge per Knopfdruck ausgespuckt werden.

 Kreatives Chaos: Der Anschein trügt, in der Werkstatt hat alles seinen angestammten Platz.
Kreatives Chaos: Der Anschein trügt, in der Werkstatt hat alles seinen angestammten Platz. Foto: Marc Ingel

Nur eines, das wurmt Jens Zapke dann doch immer wieder: „Qualität hat ihren Preis, aber den sind die Leute oft nicht bereit, zu zahlen.“ Dann sollen sie halt woanders hingehen, denkt er sich offensichtlich. Aussprechen würde er das aber nie. Denn der Kunde ist ja König.