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Schützenfest in Düsseldorf-Wittlaer

Brauchtum in Düsseldorf : „Angerländer“ feiern beim Schützenfest in Wittlaer Premiere

Die Kompanie hat sich erst kürzlich gegründet und lief erstmals bei der Parade mit. Die wurde bei schweißtreibenden Temperaturen zum Härtetest.

Der Sternmarsch beim ersten Schützenfest der Kompanie „Die Angerländer“ wurde direkt zu einem Härtetest. Bei Temperaturen von mehr als 35 Grad Celsius und einer erbarmungslos vom Himmel scheinenden Sonne wurde die gut vier Kilometer lange Strecke gefühlt deutlich länger.

Doch die „Angerländer“ waren vorbereitet. „Als wir unsere Uniformen gestaltet haben, haben wir uns ganz bewusst dazu entschieden, nur eine Weste und kein Jackett zu nehmen“, erläutert Kompaniechef Christopher Hufen. „Wir wussten ja, dass unser Schützenfest immer zwei Wochen nach Pfingsten stattfindet und wir deshalb uniformiert überwiegend bei sommerlichen Temperaturen unterwegs sein werden.“ Und doch waren diesmal schon die mintgrünen Westen zu viel, sodass am Ende des Sternmarsches im Festzelt erst einmal mehrere Flaschen eisgekühlten Wassers auf den Tisch kamen.

Die „Angerländer“ haben sich erst vor Kurzem als Kompanie der St. Sebastianus-Bruderschaft Wittlaer angeschlossen. „Ich habe irgendwann bei Sebastian Maslow im Keller gesessen, und wir haben uns über Leute, die früher mal im Dorf- und Vereinsleben sehr aktiv dabei waren, unterhalten. Da kamen ganz schnell um die 20 Namen zusammen“, so Hufen. „Die haben wir dann alle abtelefoniert und 17 haben spontan einem Treffen zugestimmt.“ Und diese 17 bilden jetzt mit einem Durchschnittsalter von Mitte 30 – mit Ausnahme der Schülerschützen – die jüngste Gruppe der Wittlaerer Bruderschaft. „Schießen ist dabei nicht unsere Sache. Wer möchte, kann natürlich schießen, aber es ist bei uns ganz bestimmt keine Mitgliedsvoraussetzung. Wir möchten das Dorfleben wieder aktivieren“, erklärt Hufen. „Wir wollen alles ein bisschen lockerer nehmen, ohne die Tradition dabei zu vergessen.“

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Deshalb gingen sie auch in Kompaniestärke bei der Parade mit. Die zusammenzustellen war aber schwierig. „Corona hat die Bruderschaft gebeutelt. Während der Zeit sind auch bei uns die digitalen Medien eingezogen“, verrät Brudermeister Thomas Harry Strecker. „Wir haben zwar keine Austritte gehabt, aber doch ein kleines Motivationsproblem.“

Und doch sind die Schützen im Düsseldorfer Norden sehr aktiv gewesen. So haben sie beispielsweise im Festzelt ein Konzert mit drei Bands veranstaltet, das als Erlös 2000 Euro einspielte. Die gehen an die Ukraine-Hilfe. „Es ist wichtig, die Krisen der Welt im Blick zu haben, aber bei uns geht das Leben auch weiter. Deshalb ist es auch wichtig, bei uns etwas zu tun“, stellt Strecker fest. „Man muss sich selber stärken, um sich gestärkt um andere kümmern zu können.“

Das machen die Wittlaerer Schützen in diesem Jahr mit ihrer Erbsensuppe-Aktion für „FortSchritt e.V.“ aus Flingern. Sie bieten Bewegung für bewegungsgestörte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene an. „Wir haben wieder 180 Liter Erbsensuppe in 360 Portionen verkauft“, so Bruderschaftsmitglied Kaspar Hilger. „Wir hatten Vorbestellungen, einige Leute sind mit Töpfen gekommen. Das Geld aus der Erbsensuppe-Aktion spenden wir seit Jahren an soziale Einrichtungen in Düsseldorf.“ So richten die Wittlaerer Schützen den Blick über das eigene Quartier hinaus. Und haben dennoch offene Augen für die Probleme vor der Haustüre.