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Düsseldorf: Schützen fürchten um ihre Schießstände

Düsseldorf : Schützen fürchten um ihre Schießstände

Nach einer Verordnung, die zum Jahreswechsel in Kraft tritt, dürfen künftig nur noch vereidigte Sachverständige die Schießanlagen abnehmen. Von ihnen gibt es bundesweit nur 15 für insgesamt 15 000 Schützenvereine.

Die Düsseldorfer Schützenvereine sind erbost über eine Änderung im Waffenrecht. Ab dem Jahreswechsel dürfen Schießanlagen nur noch von vereidigten Sachverständigen abgenommen werden. Von denen gibt es lediglich 15 für insgesamt 15 000 Schießstände des Schützenbundes. Bisher konnten auch qualifizierte und staatlich anerkannte, aber nicht vereidigte Sachverständige die Anlagen prüfen. Und deren Zahl ist wesentlich größer.

Die Regelung betrifft fest installierte Anlagen für Sportschützen, aber auch die Aufbauten für das Königsschießen bei Schützenfesten. Der Bilker Schützenchef Hans-Dieter Caspers fürchtet gravierende Folgen. "Schlimmstenfalls ist durch die neue Verordnung nicht nur das Schützenfest gefährdet, sondern auch der Fortbestand des Vereins", sagt er. Es drohe ein Engpass bei den Überprüfungen. "Außerdem ist mit einem erheblichen Anstieg der Kosten zu rechnen", sagt Caspers.

Bei den Schützen schlägt die neue Verordnung auch deshalb hohe Wellen, weil sie in den vergangenen Jahren mit vielen neuen Vorschriften bedacht wurden - oft verbunden mit hohen Mehrkosten. "Man hat den Eindruck, dass man durch immer höhere Auflagen etwas zerstören will", sagt Lothar Inden, Chef der Sebastianer von 1316.

Die strengeren Sicherheitsregeln nach der Katastrophe bei der Loveparade führen zum Beispiel allein bei der Rheinkirmes, die von den Sebastianern ausgerichtet wird, zu Mehrkosten von 100 000 Euro pro Jahr. Auch kleinere Vereine bekommen zu spüren, dass die Behörden genauer hinschauen und Nachbesserungen verlangen. Zudem sorgte das Rauchverbot in Festzelten für Unmut.

Auch das Königsschießen wird immer stärker reglementiert. So dürfen die Schützen seit Jahren aus Sorge vor Querschlägern nicht mehr auf Stahl-, sondern nur noch auf Holzplatten schießen. Zudem muss das Gewehr fest installiert sein, so dass es nur noch geringen Spielraum hat. Auch die Fangkörbe mussten erneuert werden.

Nun soll auch noch die Überprüfung der Anlagen, die bislang mit rund 500 Euro zu Buche schlug, komplizierter und vielleicht teurer werden. "Niemand hat etwas gegen eine Überprüfung", sagt Frank Spielmann, Chef der Unterrather Schützen und SPD-Ratsherr. Er zweifelt aber an der Sachkenntnis der Verantwortlichen. "Die neue Regelung ist hanebüchen."

Das Bundesinnenministerium verteidigt die Verordnung. Bislang habe die Verantwortung für die Prüfung beim Schützenbund gelegen. Darin habe man "eine problematische Selbstregulierung in einem sicherheitsrelevanten Bereich" gesehen, sagt eine Sprecherin. Dem Schießsport habe man eine Übergangszeit von sieben Jahren eingeräumt, um eine alternative Regelung zu finden oder mehr Sachverständige auszubilden. Diese Zeit hätten die Verbände nicht genutzt.

Die Schützen haben vieles versucht, um die Verordnung zu kippen - bislang vergeblich. "Die Gespräche mit dem Verband vereidigter Schießsachverständiger sind ebenso gescheitert wie die mit deren Kollegen des Deutschen Olympischen Sportbundes", sagt Caspers.

Der Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete und CDU-Chef Thomas Jarzombek - selbst Mitglied der Gesellschaft Reserve 1858 - kündigt Unterstützung an, falls die Verordnung zu Problemen führt. "Sicherheit ist wichtig, aber die Regelungen müssen für die Vereine praktikabel sein", sagt er.

(RP)