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Düsseldorf: Schüler proben ein Leben ohne Strom

Düsseldorf : Schüler proben ein Leben ohne Strom

Seit Montag harren die Jugendlichen ohne Handy, Laptop und Tablet aus. Bis morgen soll das Experiment noch dauern.

Louise (13) gibt sich locker: Sie habe sich das alles schlimmer vorgestellt. Nur ihre Uhr, die fehle ihr. Wieso? "Normalerweise gucke ich da regelmäßig drauf", sagt sie - und meint damit eigentlich das Handy, das bei ihr sowie den meisten Jugendlichen längst die Uhr am Handgelenk ersetzt hat.

Seit Montag müssen sie und 80 andere Schüler und Lehrer ohne Handys, Computer, Taschenlampen, Elektroherde und warmes Wasser auskommen. Die diesjährige Projektwoche der drei 8. Klassen des Freien Christlichen Gymnasiums Düsseldorf steht nämlich unter dem Motto: "Herausforderung. Ein Leben ohne Strom." Nur Klassenlehrer Oliver Ostendarp hat ein Notfall-Handy dabei - und er wusste schon im Vorfeld, dass "die Hälfte der Schüler eher skeptisch ist."

An Tag zwei des Experiments ist die Stimmung aber noch relativ gut. Zara, 14, freut sich darüber, dass man gemeinsam zeltet und kocht, und Rebecca findet es toll, selbst Holz für die Kochstelle zu hacken. "Ich hoffe, dass wir durch das gemeinsame Zelten die Klassengemeinschaft stärken können", sagt sie. Allerdings: "Letzte Nacht war es ganz schön kalt im Zelt", gibt Zara zu. Auch das Reden der anderen, wenn man selbst lieber schlafen will, ist ungewohnt. Die meisten gestehen, mehrmals in der Nacht aufgewacht zu sein.

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Was bei den Jugendlichen nicht gut ankommt, sind die Dixi-Klos und das kalte Wasser. Lehrerin Dorothee Welter erzählt, dass einige Schüler und auch sie selbst am ersten Tag noch aufs Duschen verzichtet hatten. "Heute werde ich es ausprobieren", hat sie sich vorgenommen. Der erste Tag ohne Strom sei wie im Flug vergangen: "Wir mussten erst einmal die Jurten aufbauen und Feuerstellen anlegen. Dann haben wir einen Erdkühlschrank gebaut und eine Dusche und die Waschbecken angeschlossen", zählt Lehrer Ostendarp auf. Abends wurde gegrillt. "Heute gibt es Spaghetti Bolognese, aus frischen Tomaten, Zwiebeln natürlich - keine Fertiggerichte. Das wäre ja unpassend, da jetzt eine Tüte aufzumachen. Die Zutaten kaufen wir bei einem Bauern ein. Geholt wird das Essen per Fahrrad." Die Schüler sind in verschiedene Dienste eingeteilt: Mülldienst, Feuerdienst, Kochdienst. Mehrere Jungs sitzen zusammen und machen einen gelangweilten Eindruck. Alexander (13) bestätigt das: "Essen, langweilen, schlafen, langweilen", zählt er auf. Trotzdem will er nicht gleich wieder weg, und seinen Laptop vermisst er angeblich auch nicht. Dann schon eher seinen Sportverein und "von oben gut beleuchtete Tischtennisplatten". Fußball, der im stromlosen SchülerCamp gespielt wird, mag er "gar nicht". Ganz anders Dennis, dem das gemeinsame Fußballspielen Spaß macht. Trotzdem freut er sich schon auf zu Hause: "Da kann ich wieder Fernsehen gucken, die Spielergebnisse mitbekommen, und außerdem warten dort bestimmt ganz viele Nachrichten auf mich bei Facebook und Twitter."

Klassenlehrer Oliver Ostendarp weiß die Eltern hinter sich: "Die waren alle ganz begeistert und sehen unser Experiment als Kontrast zur Laptop-Klassen-Situation. Bei uns hat ja jeder Schüler einen Laptop, und zu Hause - sagen die Eltern - läuft alles nur übers Handy."

Dorothee Welter, seine Kollegin, freut sich schon auf den kommenden Freitag. "Da werden wir noch einmal drüber reden. Einige Schüler reflektieren das jetzt schon. Die sagen, der Bauer kühlt die Milch doch auch - eigentlich dürften wir die nur aus dem Euter trinken. Dass sie das hinterfragen, mehr wollen wir ja gar nicht. Und genau das passiert."

(RP)