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Düsseldorf: Schüler lernen die Sendepause schätzen

Düsseldorf : Schüler lernen die Sendepause schätzen

Bei der Smartphone-Nutzung bringen Verbote wenig. Jungen und Mädchen vom Marie-Curie-Gymnasium haben sich mit Hilfe von Medienscouts aus der Oberstufe freiwillig eingeschränkt und damit einen Wettbewerb gewonnen.

Wenn die 14-jährige Cristina früher für die Schule lernen wollte, war sie oft nur halb bei der Sache. Schließlich hätte ja passieren können, dass sie auf ihrem Smartphone eine wichtige Nachricht verpasst. "Ich wollte einfach immer up to date bleiben", sagt sie. Doch mittlerweile hat sich ihr Verhalten verändert. Beim Schulwettbewerb Sendepause der AOK Rheinland/Hamburg schränkte Cristina zusammen mit ihren Mitschülern aus der 9a des Marie-Curie-Gymnasiums in Gerresheim ihre Smartphone-Nutzung ein. Und das klappte so gut, dass die Schüler nicht nur den Wettbewerb gewonnen, sondern auch viel über eine verantwortungsvolle Nutzung mobiler Endgeräte gelernt haben.

Es geht um eine Diskussion, die an vielen Schulen geführt wird: Sollen Smartphones komplett verboten oder ihre Nutzung nur eingeschränkt werden? Der Wettbewerb Sendepause betont die Eigenverantwortung. Eine App zählte die Zeit, die die Schüler täglich zwischen acht und 16 Uhr am Handy verbrachten. Je weniger Zeit, desto mehr Punkte für die Klasse, so das Konzept. Das war insbesondere zu Beginn eine große Herausforderung. "Wenn ich lernen will, habe ich oft den Drang, mir ein paar Videos auf der Videoplattform Youtube anzuschauen", berichtet die 15-jährige Sophie. Oft seien aus den geplanten 30 Minuten für die Unterhaltung via Handy mehrere Stunden geworden, so dass am Ende sogar Schulaufgaben auf der Strecke blieben. Durch die Nutzungseinschränkung haben die Schüler vor allem gelernt, sich ihre Zeit am Smartphone besser einzuteilen. Denn - auch das ist die Botschaft der Aktion - die Nutzung eines modernen Handys ist nicht automatisch zu verurteilen. Denn sie sind nicht für soziale Netzwerke und Videos da, sondern können auch als Kalender und Hausaufgabenheft genutzt werden. Die 14-jährige Victoria bringt diesen Zwiespalt auf den Punkt: "Ein Leben ohne Smartphone ist nicht unvorstellbar, aber das Gerät erleichtert nun mal sehr viele Dinge."

Deshalb sei es wichtig, einen Weg jenseits von Kontrolle in der Medienerziehung zu finden, berichtet die Medientrainerin Kristin Langer. "Wir wollen die Kinder zu eigenständigen Menschen erziehen, deshalb sind Verbote kein guter Weg." Dafür gibt es am Marie-Curie-Gymnasium ein besonderes Angebot. Schüler haben die Möglichkeit, sich Rat und Informationen zur Nutzung digitaler Medien bei internen Medienscouts zu holen. Der Clou: Dabei handelt es sich nicht um Lehrer, sondern um Schüler älterer Jahrgänge, die zuvor professionell auf die Aufgabe vorbereitet wurden. Einer von ihnen ist der 17-jährige Lennart. Er bietet jüngeren Schülern regelmäßig Sprechstunden und Seminare an, um mit ihnen über den Medienkonsum und etwaige Probleme zu reden. "Dadurch, dass wir selbst Schüler sind, befinden wir uns auf einer Ebene", sagt Lennart. Mit den Jüngeren redet er beispielsweise über den individuellen Konsum, um auf eine möglicherweise ausufernde Nutzung aufmerksam zu machen. "Wenn jemand erzählt, dass er acht Stunden am Smartphone sitzt, frage ich ihn, ob nach Schlafen, Essen und Schule noch Zeit für andere Dinge übrigbleiben", so Lennart. Statt die Schüler zu belehren, klärt er sie lieber über mögliche Suchtgefahren auf: "Es geht mir einfach um eine bewusste Nutzung."

(RP)