Düsseldorf: Schokofair: Schüler treffen Kanzlerin

Düsseldorf: Schokofair: Schüler treffen Kanzlerin

Ihr Kampf gegen Kinderarbeit und für faire Bedingungen bei der Kakaobohnen-Ernte führte die Schokofair AG in die Hauptstadt. Gemeinsam mit anderen erarbeiteten sie ein Dokument, das Angela Merkel übergeben wurde.

Die Hoffnung der Schüler der Haupt- und Sekundarschule in Flingern, mit ihrem Engagement für fair produzierte Schokolade die Bundeskanzlerin auf sich aufmerksam zu machen, hat sich gestern Abend erfüllt. "Ich hab' sie einfach gefragt, ob wir als Schokofair AG Fotos mit ihr machen dürfen und sie hat zugestimmt", sagt Kasimir Otto und kann es immer noch nicht so recht glauben. "Ich hätte nicht gedacht, dass wir es einmal so weit schaffen. Es war toll, Angela Merkel zu treffen. Das ist etwas, was einem vielleicht nur einmal im Leben passiert", meint der Sechstklässler.

Mehr als 1300 Menschen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kirchen, Nichtregierungsorganisationen und bürgerschaftlichen Initiativen arbeiteten gestern den ganzen Tag in einem Berliner Kongresszentrum an der Formulierung einer Zukunftscharta zum Thema "Eine Welt - unsere Verantwortung".

Überzeugt vom Kampf der Düsseldorfer gegen Kinderarbeit und für faire Bedingungen bei der Kakaobohnen-Ernte in Afrika hatte Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) die Düsseldorfer zu der "Zukunftswerkstatt" eingeladen. Bereits im Oktober hatten ihn die Kinder und Jugendlichen in der Hauptstadt getroffen. Damals berichteten sie dem Nachhaltigkeitsbeirat des Bundestages über ihre Aktivitäten.

Der öffentliche Protest der Schüler vom Hermannplatz hatte in Düsseldorfer Supermärkten begonnen. Damals im Blickpunkt der Jungen und Mädchen: der Süßwarenhersteller Ferrero, der damals nach neuen Gesichtern für sein Produkt "Kinderschokolade" suchte. Ein so gut wie zugesagtes Gespräch mit Vertretern des Unternehmens in der Schule am Hermannplatz war zunächst gescheitert. Später wurde es in Frankfurt am Main nachgeholt.

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Der Einsatz der Schüler für fairen Handel schlug immer höhere Wellen: 2013 wurde die AG von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, zum "Junior-Botschafter" ernannt. Bei ihren Auftritten begegneten sie unter anderem Alt-Kanzler Helmut Schmidt und Basketball-Star Dirk Nowitzki.

Dass in Deutschland mehr geschehen muss, steht auch für den Entwicklungshilfeminister außer Frage. "Euer Anliegen können und werden wir aufgreifen", hatte er im Oktober den Düsseldorfern versprochen. Noch immer liege der Anteil fair gehandelter Schokolade in Deutschland unter fünf Prozent.

Ihrer Forderung, mit Hilfe eines Schoko-TÜVs die Süßwarenhersteller zu zwingen, fair produzierten und gehandelten Kakao zu nutzen, können die Schüler vom Hermannplatz demnächst auf internationaler Ebene Nachdruck verleihen. "Während der Zukunftswerkstatt hat man uns eingeladen, als Unicef-Junior-Botschafter am Gipfel der Vereinten Nationen für Weltentwicklungsziele teilzunehmen", sagt Schokofair-AG-Leiter Bernd Kowol.

(RP)
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