Schnitzel-Poldi aus Düsseldorf muss im Auto schlafen

Düsseldorfer Gastronom : Schnitzel-Poldi lebt im Auto

50 Jahre lang hat er Schnitzel für die Düsseldorfer gebraten, nun ist er obdachlos: Der Wiener Leopold Wagner hat mit seinem Restaurant auch seine Wohnung aufgegeben und findet keine neue Bleibe. Am Geld liegt es bei ihm nicht.

Der weiße Transporter, der in einer Parkbucht an der Kaiserstraße abgestellt ist, ist etwas staubig, die Reifen brauchen dringend Luft, und auf der Seite sind die Umrisse einen Aufklebers zu erkennen, der dort einst gehangen hat. Auf dem Beifahrerplatz sitzt Leopold Wagner, eingekuschelt in eine dicke Lederjacke, einen Schal und einen nagelneuen Schlafsack. Vor gut zwei Wochen war der 88-Jährige, der vielen nur als Schnitzel-Poldi bekannt ist, noch Inhaber eines Restaurants an der Fischerstraße. Heute Nacht wird er im Auto schlafen, wie in jeder Nacht, seit er zum Monatsbeginn sein Restaurant geschlossen hat – und damit auch seine Wohnung verlor.

„Sieben Jahre lang habe ich über meinem Restaurant gewohnt“, erzählt Poldi, der für seine feinen Wiener Schnitzel stadtbekannt ist. „Aber ich wollte weg.“ Mit fast 90 Jahren hat er genug von seiner Arbeit und will sich zur Ruhe setzen. Doch eine Wohnung findet er nicht, und der Stichtag rückt näher, niemand antwortet auf die Annoncen, die er in der Zeitung schaltet. „Ich habe gehofft, der Vermieter würde mich noch eine Weile in meiner alten Bleibe wohnen lassen, aber das hat er nicht“, sagt Poldi traurig.

Der gebürtige Wiener, der noch immer seinen heimischen Dialekt mit Schmäh spricht, ist vor 50 Jahren nach Düsseldorf gekommen. Dort führte der gelernte Metzger erfolgreich mehrere Restaurants, zuletzt an der Fischerstraße in Pempelfort, nur wenige Meter von dem Platz entfernt, an dem jetzt sein weißer Transporter steht. In seinem Laden hatte sich Poldi ein eigenes kleines Reich eingerichtet: An den Wänden hingen Bilder alter österreichischer Kaiser, Landesflaggen in Rot-Weiß-Rot, und auf den Tischen servierte er seinen Gästen Schnitzel aus hauchdünnem Kalbsfleisch, dazu alpenländischen Kartoffelsalat mit Essig und Öl statt Mayonnaise. „Ich habe mich eigentlich immer als Handwerker gesehen“, erinnert sich der Wiener, „und ich war glücklich, die Menschen mit meinem Handwerk erfreuen zu können“.

Nachdem er die Türen seines Restaurants geschlossen hatte, wollte Poldi eigentlich reisen: „Ich möchte wieder in die Berge“, sagt er und kann sich nicht entscheiden, ob seine Heimat nun am Rhein oder in den Alpen liegt. Doch die erfolglose Wohnungssuche verhindert seinen Aufbruch. Denn der 88-Jährige will seinen Ruhestand auf jeden Fall in Düsseldorf verbringen: „Hier habe ich meine Ärzte, hier kenne ich mich aus, hier habe ich den Großteil meines Lebens verbracht“, sagt er.

Eigentlich hat er alles, was er braucht, erzählt Poldi in seinem Auto an der Kaiserstraße. Er habe Geld, beziehe eine kleine Rente, könne sich Essen und Trinken kaufen, so viel er will. Nur ein Dach über dem Kopf fehlt ihm, und das macht den Österreicher traurig. „Ich habe mir zuallererst einen guten Schlafsack gekauft. Ich war immer ein Kämpfer“, erzählt er, „aber wenn man so harte Schläge einstecken muss, schrumpft man“. Hoffnung kam am Mittwoch auf, als eine Anwohnerin ihn ansprach, ihm Tee brachte und sich seine Geschichte erzählen ließ. „Ich musste ihm doch helfen“, sagt sie später. Auf Facebook teilte sie Poldis Schicksal, das Interesse war groß. „Ich hoffe, dass sich mir bald eine neue Möglichkeit bietet. Ich brauche ja nicht viel“, sagt der ehemalige Schnitzel-Meister, der durch die Hilfe der Anwohner wieder positiv denkt. „Es geht weiter!“, sagt Poldi voller Zuversicht und richtet sich für eine weitere kalte Nacht in seinem Auto ein.

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