Schneiderin Hale Tuna ändert in ihrem Atelier in Düsseldorf Brautkleider

Porträt : Mit Liebe zum Detail

Hale Tuna macht Bräute glücklich. Die Schneiderin aus Flingern hat sich auf die Änderung von Hochzeitskleidern spezialisiert. Inzwischen entwirft die 49-Jährige auch eigene Kollektionen für Kirche oder Standesamt.

Die Kundinnen von Hale Tuna kommen oft mit wenig Hoffnung in ihr Atelier, haben das Hochzeitskleid der Mutter unter dem Arm, mit viel Tüll und Pomp, leicht angestaubt und bestimmt nicht mehr zeitgemäß. „Wenn sie wieder gehen, sind sie glücklich, und das bin ich dann auch“, sagt die 49-Jährige, die aus der muffigen 80er-Jahre-Robe ein luftig- leichtes, verspieltes Brautkleid gezaubert hat, das gerne auch ein wenig vintage anmuten darf. Hale Tuna ist die Hochzeitsschneiderin, und mit dieser über die Jahre hinweg (18 sind es genau) antrainierten Gabe besetzt sie in der Branche eine Nische. Auch Abendkleider ändert sie, und aus einem Braut- macht sie bei Bedarf gerne ein Taufkleid, „zu tun habe ich immer genug“.

Im Februar hat sie ihr Atelier an der Lindenstraße 219 bezogen. Früher schneiderte Hale Tuna im stillen Kämmerlein, lebte von ihrem guten Ruf, wurde aber nicht gesehen. In dem Ladenlokal ist dank breiter Fensterfronten alles lichtdurchflutet, das Schwarz an den Wänden des früheren Craft-Beer-Ladens ist einem strahlenden Weiß gewichen. Schaufensterpuppen mit unschuldigen Porzellan-Gesichtern tragen von ihr umgearbeitete Brautmoden, überall sind Accessoires ausgestellt, Haarschmuck, Ohrringe, Bänder und Gürtel, auch Schleier dürfen natürlich nicht fehlen. Zwei Nähmaschinen stehen an ihrem Arbeitsplatz, im Hinterzimmer ist samt eines großen Spiegels die Umkleide untergebracht. Vorne im Laden tragen einige der Puppen den ganzen Stolz von Hale Tuna: „Ich habe mir meinen Traum verwirklicht und eine eigene Kollektion entwickelt“, sagt sie. Keine Brautkleider, „das wäre zu aufwändig, das überlasse ich anderen“, dafür verspielte Jacken, mit Jeans und Spitze, „denn Bräuten fehlt es oftmals an einem Kleidungsstück, das sie bis zum großen Moment überziehen können“, sagt die Expertin.

Hale Tuna war zwei Jahre alt, als sie mit ihren Eltern aus der Türkei nach Deutschland kam, schon die Mama war Schneiderin, „und ich habe ihr nachgeeifert, bereits als Teenager meine Sachen selbst genäht“. Logische Folge war die Ausbildung zur Damenschneiderin, auch Schnitttechnik hat sie gelernt, „aber das lag mir nicht so“. Das Ändern dafür umso mehr, und diesem Handwerk widmete sie sich dann mit Herzblut, als die Kinder groß genug waren. Erst in Kooperation mit einer Freundin, die ein Brautmodengeschäft hatte, später entwickelten sich andere Netzwerke. Messen, Braut-Foren und die Facebook-Präsenz bescheren Hale Tuna viele Kundinnen, nicht selten kommen die Brautjungfern gleich mit.

Der Trend, das hat sie zuletzt zunehmend beobachtet, geht weg von der pompösen Hochzeit in rauschenden Gewändern, es soll lässig, gerne auch mal sexy aussehen und womöglich soll das Outfit gar für die Hochzeit auf der grünen Wiese oder für den Strand in Thailand geeignet sein, „Schicki-Micki ist einfach out“. In Flingern fühlt sich Hale Tuna jedenfalls pudelwohl, „hier gibt es so viele individuelle Läden, man inspiriert sich gegenseitig, ich bin froh, dass ich ausgerechnet an so einer schönen Ecke von Düsseldorf fündig geworden bin“, sagt Hale Tuna, die mit ihrer Familie aber inzwischen doch lieber in Wuppertal lebt. „Da sind die Mieten einfach günstiger.“ Eigentlich arbeitet sie lieber alleine, doch bald hat Hale Tuna erstmals eine Schülerpraktikantin. „Ich bin schon sehr gespannt“, sagt die Hochzeitsschneiderin.

Mehr von RP ONLINE