Düsseldorf: Schnäppchenjagd zwischen Schuhbergen

Düsseldorf : Schnäppchenjagd zwischen Schuhbergen

Zwei Tage lang wurden in der Mitsubishi-Electric-Halle Zehntausende von Damen-, Herren- und Kinderschuhen zu Dumpingpreisen angeboten – unter dem Namen "Al Bundys Schuhbörse".

Zwei Tage lang wurden in der Mitsubishi-Electric-Halle Zehntausende von Damen-, Herren- und Kinderschuhen zu Dumpingpreisen angeboten — unter dem Namen "Al Bundys Schuhbörse".

Schon kurz nach Öffnung strömen sie, zu Fuß oder im Auto, und steuern zielstrebig die Mitsubishi-Electric-Halle an. Auch das trübe Herbstwetter hält sie nicht ab. Und "sie" trifft tatsächlich zu, denn es sind fast ausnahmslos Frauen, die die große Veranstaltungshalle in Oberbilk anstreben. Was sie an diesem unwirtlichen Morgen anlockt? Ein Angebot, dem wohl die wenigsten Frauen widerstehen können: 40 000 Paar Markenschuhe, bei denen die Kund(inn)en bis zu 80 Prozent sparen. Das zumindest verspricht "Al Bundy's Schuhbörse".

Dahinter steckt Stephan Schnepel (44) aus dem niedersächsischen Northeim bei Hannover. Seit 1991 kauft Schnepel "Restanden", wie er sagt, bei Schuhfabriken auf. "Das ist zum Beispiel Ware, die zwar bestellt, aber nicht bezahlt und deswegen nicht ausgeliefert wurde", erklärt er. "Oder Modelle aus dem Vorjahr, aber keine alte Ware." Schnepel bestätigt: "Zu 80 Prozent kommen Frauen zu uns. Jetzt am Vormittag ist es noch vergleichsweise ruhig, der größte Andrang herrscht meist nach Feierabend."

Doch auch schon vormittags wird kräftig gewühlt. Rivana Müller zieht allerdings bald wieder enttäuscht ab: "Ich arbeite selbst in der Schuhbranche. So doll ist das alles hier nicht. Manches ist sogar schon kaputt, und viele Schuhe sind Auslaufmodelle, die sind schon einige Jahre alt." Für ihre Tochter (6) kauft sie dennoch ein paar robuste Winterschuhe. "Für den Spielplatz." Angebote wie Gummistiefel für 4,95 Euro machen auch andere Eltern schwach. So ist die Rentnerin Hilde Büschler aus Oberbilk froh, dass sie für ihren Enkel Marcel (8) ein paar preiswerte Schuhe für den Winter gefunden hat. "Kinder brauchen ja so viele Schuhe."

Echte Markennamen sind bei Al Bundy's Schuhbörse eher rar gesät. Tamaris ist vertreten und Marco Tozzi. "Aber so richtig bekannt ist das Meiste ja wohl nicht", meint denn auch Jakob Looft (37) beim Blick auf das Herrenschuh-Sortiment. Dem Oberbilker jedenfalls sind die angebotenen Marken nicht geläufig. "Aber ich würde auch nicht unbedingt sagen, dass das hier Ramsch ist." Vorsicht scheint indes schon geboten: So werden nachgemachte Hugs-Stiefel zu 9,95 Euro und mit dem Hinweis "Echt Leder" offeriert. Die Riech- und Tastprobe führt aber in puncto Material eher zu einem anderen Ergebnis...

Richtig glücklich sind jedoch Christiane Gaida und ihre Freundin. "Ich habe Schuhgröße 37 und sie 41. Und davon gibt es hier eine Menge. Weit mehr als von den normalen Größen", freut sich die 19-Jährige und kauft ein Paar Stiefel: für 29,95 statt 79,95 Euro. Aber "Ein Spiegel wäre schon gut", so die junge Frau.

Auf einem Campingplatz sei es gewesen, wo Schnepel vor mehr als 20 Jahren auf seine Geschäftsidee kam. Der Zeltnachbar, der in einer Schuhfabrik in Pirmasens arbeitete, habe erzählt, dass immer so viele Paare übrig seien. "Da habe ich mir einen alten Lkw gekauft, und seitdem fahre ich die großen Schuhfabriken an." Acht Mitarbeiter hat er heute. Seine Schuhbörse schlägt er inzwischen zweimal im Jahr in Großstädten wie Berlin, Hamburg, Frankfurt und München auf.

(cz)
Mehr von RP ONLINE