Interview mit Kirmesarchitekt Thomas König: Schleuderflug in 45 Metern Höhe

Interview mit Kirmesarchitekt Thomas König : Schleuderflug in 45 Metern Höhe

Thomas König, Kirmesarchitekt der Größten Kirmes am Rhein, über Neuheiten, Traditionen, seine Sympathie fürs Schaustellerleben, die Bierpreise und -zelte sowie über seine Fahrtauglichkeit auf den Karussells.

Noch knapp drei Wochen bis zur Eröffnung der Größtes Kirmes am Rhein. Was erwartet den Besucher?

König Traditionelles, Nostalgisches und natürlich einige Neuheiten.

Welche Neuheiten zum Beispiel?

König Eine Indoor-Achterbahn, der Höllenblitz und der Star-Glyder. Klingt modern, dabei ist hier echte Muskelkraft gefragt: Die Fahrgäste müssen trampeln, um vorwärts zu kommen. Eine Attraktionen haben wir schon vergangenes Jahr geordert, den Star-Flyer. Auf den ersten Blick ein stinknormaler Kettenflieger. Aber dann kommt's: Maximale Flughöhe ist 45 Meter.

45 Meter. Braucht der Star Flyer dann nicht enorm viel Platz?

König Im Gegenteil. Der Star Flyer ist von der Grundfläche kaum größer als ein normales Karussell. Seinen größten Platzbedarf benötigt er in der Höhe. Und da oben haben wir genug Platz. Außerdem dürfen Sie nicht vergessen, dass jeder Zentimeter zählt und ausgenutzt wird.

Das passiert auf dem Reißbrett?

König Ja. Das grobe Konzept entsteht Anfang Januar. Wir haben jedes Jahr rund 1400 Bewerber, können aber aus Platzgründen nur rund 300 berücksichtigen. Ziel ist es, rechtzeitig zu- und abzusagen, damit die Schausteller, aber auch wir planen können.

Fest gebucht sind aber die Brauereien mit ihren Zelten?

König Die gehören zu unserem Konzept. Und nach dem großen Erfolg des Füchschen-Zelts im vergangenen Jahr ziehen jetzt wunschgemäß einige Brauereien nach. Frankenheim setzt auf Erlebnisgastronomie, und Schlüssel ließ sich von Karnevalswagenbauer Jacques Tilly die Fassade entwerfen.

Was ist mit den Bierpreisen und den Preisen überhaupt?

Was war Ihr erstes Kirmes-Erlebnis?

König Als kleiner Page bei der Stadtteilkirmes in Kaiserswerth durfte ich schon alleine Auto-Scooter fahren und auf die Raupe.

Und wann waren Sie zum ersten Mal auf der Großen Kirmes?

König Da war ich schon 20, hatte Abitur und Zivildienst hinter mir. Ich wollte Architektur studieren und machte ein Praktikum, um zu sehen, wie es im wirklichen Leben zugeht. Und das Praktikum machte ich bei Ludwig Kreutzer.

Dem langjährigen Kirmesarchitekten, Ihrem Vorgänger?

Hat Sie der Kirmes-Virus infiziert?

König Das kann man sagen. Von Anfang an faszinierte mich die Atmosphäre, und zwar hinter den Kulissen.

Was faszinierte Sie besonders?

König Die Schausteller. Die Mentalität dieser Menschen ist unbeschreiblich und in vielerlei Hinsicht vorbildlich.

Können Sie konkret werden?

König Die Schausteller besitzen ein großes Herz und ein hohes Improvisationstalent - frei nach dem Motto: Nichts ist unmöglich - aber auch eine gewisse Hartnäckigkeit.

Hört sich an, als wären Sie manchmal genervt.

König Kann man nicht verleugnen. Aber man muss sie verstehen. Schließlich geht es bei den Schaustellern um deren Existenz.

Nennen Sie mal ein Beispiel.

König Alle wollen auf den Filetstücken der Kirmesfläche stehen. Das würde Grundfläche sparen. Aber ich kann nicht fünf Imbissbuden oder Türme übereinander stellen. Und so macher Betreiber rennt mir dann die Bude ein.

Da sind wir bei der Kirmesgestaltung. Wie immer, jedes Jahr anders?

Und warum stehen Riesenrad und Wildwasserbahn dann immer an der selben Stelle?

König Sie sind Orientierungspunkte und Wahrzeichen der schönsten und größten Kirmes am Rhein.

Wie der Euro-Star?

König Allerdings. Und diese größte, transportable Achterbahn der Welt ist immer das erste Fahrgeschäft, das bei uns aufbauen darf. Schon jetzt zieht es hunderte von Schaulustigen an.

A propos Achterbahn. Wie viele kommen dieses Jahr? Gibt es wieder ein Coaster-Festival?

König Das war ein einmaliges Ereignis. Nicht jedes Jahr stehen zum selben Zeitpunkt so viele große Achterbahnen zur Verfügung. Obwohl, wenn ich darüber nachdenke, toppen wir das noch. Nämlich mit dem neuen Höllenblitz, der größten transportablen Indoor-Achterbahn der Welt.

Die Kirmes gilt als familienfreundlich...

König ...darauf legen wir großen Wert. Wir sind stolz, neben der schönsten und größten auch die friedlichste Kirmes in Deutschland zu sein.

Was tun Sie dafür?

König Die Mischung muss auf die Familie ausgerichtet sein. Es muss für jeden passen.

Und was passt Ihnen am besten?

König Wenn alles gut läuft. Doch Sie wollen mich sicherlich auf meine Fahrtauglichkeit ansprechen.

Richtig

König Mehr als Riesenrad ist nicht drin. Aber dann auch eine Fahrt mit vollem Magen und natürlich mit der ganzen Familie.

Birgit Wanninger führte das Gespräch

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kirmes-Aufbauarbeiten am Rhein 2007

(RP)
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