Schlecker-Insolvenz: Schlecker macht Schluss

Schlecker-Insolvenz : Schlecker macht Schluss

Im Schaufenster des Schlecker-Drogeriemarkts an der Bismarckstraße 44 steht ein ganzes Regal Duschgel. Wer durch die geschlossene Tür in den Verkaufsraum hineinschaut, sieht Lippenstifte, Geburtstagskarten, Kekse und Katzenfutter. Auf dem Stuhl hinter der Kasse liegt noch eine warme Jacke. Im Laden ist zwar noch Ware, doch verkauft wird dort seit vergangenem Samstag nichts mehr.

In der Landeshauptstadt haben 17 von 32 Schlecker-Filialen zu gemacht. Der Spruch "For you-vor Ort" gilt nicht mehr, das dichte Netz im Stadtgebiet ist deutlich ausgedünnt worden. Zuletzt war in den von der Schließung betroffenen Filialen mit hohen Rabatten geworben worden, um die Märkte so leer wie möglich zu machen. Nun wird eine Spedition die Reste abholen und in das Zentrallager befördern. "Wirklich schade, ich habe hier immer gerne eingekauft", sagt eine Anwohnerin, die nun weitere Wege in Kauf nehmen muss. Die Angestellten blicken in eine ungewisse Zukunft.

Die Gläubiger der insolventen Drogeriemarkt-Kette erklärten, bis morgen auf eine Entscheidung zu warten. Um die Arbeitsplätze auch der Düsseldorfer Mitarbeiter zu retten, sollen die Bundesländer eine Bürgschaft in Höhe von 71 Millionen Euro aufbringen. Mit diesem Betrag soll nach Ansicht der Insolvenzverwalter eine Transfergesellschaft gegründet werden, in der etwa die Hälfte der Belegschaft unterkommen kann. Die Angestellten sollen sich bis heute entscheiden, ob sie in die Transfergesellschaft wechseln wollen. Dabei steht noch nicht einmal endgültig fest, ob es diese Gesellschaft überhaupt geben wird. Stimmen die Arbeitnehmer sowie die Bundesländer zu und die Transfergesellschaft wird gegründet, erhalten die überwiegend weiblichen Angestellten für ein Jahr zwischen 60 und 67 Prozent des bisherigen Einkommens. Aus der Bürgschaft sollen weitere 20 Prozent sowie die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung vorfinanziert werden.

Bundesweit haben am Samstag etwa 2200 Schlecker-Filialen dichtgemacht. Grund für die Pleite war offenbar das zu engmaschige Filialnetz auch an unattraktiven Standorten. In der Landeshauptstadt haben nach Ansicht eines Sprechers der Gewerkschaft Verdi auch die zahlreichen Großbaustellen in der Innenstadt eine Rolle gespielt. Auf lange Sicht seien in den 17 nun geschlossenen Filialen keine ausreichenden Erträge zu erreichen, so schätzen Experten.

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