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Neues Schleiffahrzeug in Düsseldorf: Schienenlärm: Rheinbahn rüstet auf

Neues Schleiffahrzeug in Düsseldorf : Schienenlärm: Rheinbahn rüstet auf

Für rund 750.000 Euro hat die Rheinbahn jetzt ein neues Schleiffahrzeug bestellt. Es wird von einem Unimog geschoben und kann im laufenden Betrieb mitfahren. Das Schleiffahrzeug ist dabei bis zu 60 km/h schnell.

Wer nachts schon mal miterleben durfte, wie die Rheinbahn die Schienen abgeschliffen hat, konnte sich nur die Ohren zuhalten. Laut, funkensprühend und vor allem ungeheuer zeitraubend. Zum größten Teil mussten Arbeiter per Hand das Metall bearbeiten.

Nur knapp 100 Kilometer des rund 350 Kilometer langen Streckennetzes konnten so jährlich abgeschliffen werden. Das soll ab Herbst anders werden. Das Verkehrsunternehmen hat tief in die Tasche gegriffen und leistet sich für rund 750 000 Euro ein neues Schleifaggregat.

Das Zauberwort heißt "High-Speed-Grinding-City", kurz HSG-City. Dahinter verbirgt sich ein 5,72 Meter langer, gelb-schwarzer Wagen des Herstellers Vossloh. Das Innenleben: Das Aggregat verfügt über insgesamt 24 Schleifsteine. Die Steine werden schräg angestellt über die Schiene gezogen und dabei in Rotation versetzt.

Diese Technologie wird erfolgreich auf Schnellfahrstrecken der Eisenbahnen in ganz Europa eingesetzt. Das Herzstück des von der Rheinbahn bestellten Wagens arbeitet auch in den großen Maschinen, die auf Fernstrecken eingesetzt werden. Ziel ist es, die Unebenheiten — sogenannte Riffel auf den Gleisen zu beseitigen. Für Anwohner in Düsseldorf wird das laut Rheinbahn nahezu geräuschlos geschehen.

Denn der HSG-City kann — von einem Unimog gezogen oder geschoben — mit einer Geschwindigkeit von zwischen 25 und 60 km/h arbeiten. So kann es mühelos in den normalen Fahrbetrieb integriert und in den Fahrplan eingebaut werden. Nachtarbeiten sind somit nicht mehr erforderlich.

Wenn es sein muss, schleift das Hochgeschwindigkeits-Aggregat bis zu 20 Kilometer ohne Pause. Pro Überfahrt werden etwa 0,01 Millimeter Material abgetragen. Der Hersteller gibt an, dass durch das Glätten Fahrgäste und Anwohner eine deutliche Verminderung der Lärmemission verspüren werden. Außerdem saugt das Gerät Schleifstaub und Funken auf. Zudem werden die Schienen gereinigt — so wird ein optimaler Rad-Schienen-Kontakt sichergestellt.

Hintergrund: Je rauer die Oberfläche einer Schiene, desto lauter wird die darüber fahrende Bahn. Kommen im Winter Streusalz, Split, Laub oder Matsch hinzu — nutzt sich die Schiene noch schneller ab. Auch die Radreifen der Straßenbahnen werden in Mitleidenschaft gezogen. Zuletzt hatte die Rheinbahn angekündigt, die Reifen der Bahnen in zusätzlichen Schichten abzuschleifen. Durch das Schienenschleifen kann die Rauheit der Fahrfläche vermindert werden. Damit wird die Anregung des Rad-Schiene-Geräusches vermindert.

Anwohner fühlten sich in den vergangenen Jahren durch laute Bahnen immer mehr gestört. In Benrath wollte eine Bürgerinitiative gar ein Tempolimit für die Bahn durchsetzen. Genervt sind Anwohner von lauten Bahnen aber auch an der Münster- und Westfalenstraße.

In die Diskussion geraten ist auch die Gleis-Verlege-Methode der Düsseldorfer Rheinbahn. Bürger kritisierten zuletzt, der relativ laute so genannte Dresdner-Oberbau sei nicht mehr zeitgemäß und fordern den Einbau von elastischen Schienen. Auf einer Teststrecke hatte die Rheinbahn allerdings keine nennenswerten Lärmunterschiede festgestellt.

(RP/ila)