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Serie Unser Rhein: Schafe sorgen für Hochwasserschutz

Serie Unser Rhein : Schafe sorgen für Hochwasserschutz

Die Tiere von Hobby-Schäfer Reinhard Hasselbach grasen auf dem Rheindeich. Dabei wird auch das Bauwerk gepflegt.

Für den Laien mögen die Tiere alle gleich aussehen. Reinhard Hasselbach jedoch kennt alle seine "Schäfchen", denen er teilweise so illustre Namen wie Benjamin Button oder Madame Tussauds verliehen hat. Manche heißen aber auch nur Lena oder ganz profan 3372 nach der Kennnummer im Ohr, die Hasselbach im Kopf hat.

Aber auch die Tiere kennen ihren Hirten genau. Wenn dieser pfeift, mit einem "Wip-Wip" die Tiere lockt oder ein Kommando wie "kehrt" ruft, folgt ihm die Herde aufs Wort. Und sollte das einmal nicht klappen, gibt es ja noch Hütehund Mohr, der unermüdlich an den Schafen vorbei läuft und darauf achtet, dass diese nicht auf verbotenes Terrain vordringen.

Mehr als 140 Tiere gehören zur Herde, die am Rhein grast und jeden Tag ein neues Stück Deich als Weideland zugewiesen bekommt. Die Tiere finden dort nicht nur reichlich Grünfutter, sondern pflegen auf natürliche Weise den Wall. Mit ihren Klauen beispielsweise wird der Boden gleichmäßig verdichtet und so für den Hochwasserschutz fest gemacht. Dabei wird ein Druck ausgeübt, der umgerechnet einer schweren Walze gleichkommt, die mit etwa 3000 Kilogramm je Meter Arbeitsbreite auf den Boden einwirkt. Durch den Tritt der Schafe werden außerdem noch Mauselöcher oder Maulwurfsgänge zugetreten. Dem flutenden Wasser werden damit wesentliche Angriffspunkte am Deich genommen.

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In Norddeutschland wird deshalb massiv um Schäfer geworben, die immer seltener werden. "Zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben", sagt Hasselbach über den Beruf. Er selber muss aber nicht von seinen Tieren leben, da er als Tierarzt für Kleintiere in Wittlaer tätig und die Schafszucht nur sein ungewöhnliches Hobby ist. "Ich hatte schon immer Schafe. Das ist mir quasi mit in die Wiege gelegt worden", sagt der gebürtige Hesse. Er folgt damit einer Familientradition, denn schon seit Jahrhunderten sind seine Vorfahren Schäfer gewesen.

Rund vier Stunden täglich verbringt Hasselbach bei seinen Tieren auf der Weide. Langweilig wird ihm nie. "Es gibt immer viel zu schauen. Zum Beispiel, ob alle gut fressen und gesund sind, ob ein Tier hinkt oder gelammt hat." Denn bei den von ihm gehaltenen Rassen, den Tiroler Bergschafen und Merino Landschafen, ist dies das ganze Jahr über möglich. Deshalb kann man fast immer ein kleines Lamm entdecken, das auf staksigen Beinen laut blökend hinter seiner Mutter herläuft.

Und so bleiben immer wieder die Radfahrer und Spaziergänger auf dem Deich stehen, um die Tiere zu beobachten oder auch ein Foto von Hasselbach zu machen, der mit seinem Janker, Hut und Hirtenstab absolut "echt" aussieht. Der mag das eigentlich nicht, hat lieber seine Ruhe. "Die habe ich aber nur bei schlechtem Regenwetter." Dann ist es allerdings auch mit der Idylle vorbei und selbst die sonst sehr wetterharten Tiere mögen dann nicht mehr gerne fressen. Probleme bereiten dem Schäfer, dass immer weniger gutes Weideland zur Verfügung steht und viele Felder massiv gespritzt werden. "Deshalb sind mir schon Tiere verendet." Auch Hunde, die frei laufen, haben Tiere gerissen oder sie erschreckt.

Für Aufsehen sorgt der Schäfer, wenn er mit seinen Tieren das Revier wechselt. Dann legt er mit seiner Herde schon einmal mehrere Kilometer über den Deich zurück. Die Herde absolviert den bis zu vier Stunden langen Marsch willig, denn Hasselbach führt sie mit dem Leitschaf an. Nur kleine Lämmer müssen zwischendurch getragen werden. Bei solchen Ausflügen zeigen die Tiere dann auch, dass das Klischee vom dummen Schaf nicht wahr ist. "Die erkennen Wege wieder, die sie zwei Jahre vorher gegangen sind", sagt Hasselbach.

(RP)