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Düsseldorf: Sattgrün, Florabar - Vegan boomt

Düsseldorf : Sattgrün, Florabar - Vegan boomt

Im Hafen hat das dritte "Sattgrün"-Restaurant eröffnet, die Messe "Veggie-World" verzeichnet deutlichen Zuwachs.

Käse, Eier, Milch und Honig sind tabu, es gibt keine Butter, keinen Fisch und schon gar kein Fleisch - das vegane Leben klingt entbehrungsreich. Dass der Verzicht auf tierische Produkte nicht für geschmackliche Ödnis sorgen muss, dafür stehen unzählige Rezepte und Kochbücher sowie eine immer facettenreicher gastronomische Landschaft. Auch in Düsseldorf. Beispiel: Im Hafen hat jetzt das dritte Sattgrün-Restaurant eröffnet.

Das bedeutet: Die anderen beiden Restaurants am Graf-Adolf-Platz und in Flingern laufen gut, so dass System-Gastronom Peter Zodrow frohen Mutes in sein Restaurant Nummer 3 einlädt. Sein Buffet mit kalten und warmen Speisen sorgt für regen Zulauf. Suppen, Gemüse, Salate, Kuchen, Desserts, Limonaden und Kaffee stehen zur Auswahl - alles pflanzlich, fair trade und schick. Damit ist vegane Ernährung auch in Unterbilk angekommen — obwohl bislang Bilk "veganes Zentrum" von Düsseldorf war.

Dort existieren zwei Bio-Supermärkte und der einzige vegane Lebensmittelladen der Stadt, ("Pfau"), eine Sattgrün-Filiale, ein Gemüse-Döner-Wagen sowie vegane Brunch-Sonntage vom Linken-Zentrum bis zum Bürgerhaus im Stadtteilzentrum friedlich nebeneinander. Delikat und sehr preiswert sind die Gerichte des vegetarischen China-Imbisses "Jade". Besonders familienfreundlich sind die Bio-Bars "Sternwarte" und "Florabar". Von dieser Art grüner Gartengastronomie plant Betreiber Matthias Böttger noch zwei weitere Dependancen, die im Herbst im Freizeitpark Ulenberg und auf der Emmastraße (Volksgarten) eröffnen sollen.

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Auch die übrige Gastronomie des Viertels hat längst kapiert, dass fleischlose Positionen auf der Speisenkarte gut ankommen. Und da Konkurrenz das Geschäft belebt, soll schon bald ein ausschließlich Bio-Produkte verwendendes veganes Gourmet-Bistro hinzukommen.

Weiterer Beleg dafür, dass Düsseldorfer immer vegetarischer oder veganer wird — und damit Kaufkraft in der Stadt vorhanden ist: Zum zweiten Mal findet am 26./27. Oktober die "Veggie-World" im Kongresscenter CCD an der Messe statt. Die vegetarisch/vegane Leistungsshow, die im Vorjahr mehr als 8000 Besucher anlockte, bereitet sich auf einen neuen Besucherrekord vor. Sebastian Zösch, Geschäftsführer des Vegetarierbundes (VeBu), ist davon überzeugt, dass "von Gourmet-Rohkost und Smoothies über biologische Fairtrade-Produkte und neueste Fleischalternativen bis hin zu tierleidfreier Kosmetik und veganer Mode, jeder Besucher sein persönliches Messehighlight finden wird".

Der Vegetarierbund geht derzeit von über 700 000 Veganern in Deutschland aus. Die Tendenz ist steigend. Bekannte und bekennende Veganer von Nathalie Portman bis Charlotte Roche, von Bill Clinton über Mike Tyson bis zu Christoph Maria Herbst verleihen dem Fleischverzicht eine neue Coolness. Auch bei den Aftershow-Partys der Toten Hosen gehören Soja-Currywurst und Salat-Buffet zum Standard. Fleischskandale hin, Tierschutz her, das Bekenntnis "Gemüse ist mein Fleisch" ist besonders bei jungen Menschen in Mode gekommen. Gesundheitliche Aspekte spielen dabei nicht mehr die einzige Rolle. Dass man beim Verzicht auf Tierisches so schonend wie zuverlässig abnehmen, den Cholesterinspiegel senken sowie Krankheitsrisiken minimieren kann, ist bekannt. Aber: Der Trend treibt auch skurrile Blüten. Beispielsweise, wenn führende Vertreter der Schlachterindustrie einen Veggie-Day begrüßen und ihre Kunden mahnen, den Fleischkonsum zu mäßigen.

(RP)