Großeinsatz am Kirchplatz: Sankt Peter in Flammen

Großeinsatz am Kirchplatz: Sankt Peter in Flammen

Die über Düsseldorf hinaus bekannte neugotische Kirche in der Friedrichstadt wurde gestern durch ein Feuer schwer beschädigt. Die Feuerwehr schätzt den Schaden auf mindestens eine Million Euro. Bei Schweißarbeiten kam es zu dem Brand, der den Dachstuhl von innen zerstörte. Orgel durch Löschwasser angegriffen.

Der Kirchplatz in der Friedrichstadt gestern Nachmittag: Pfarrer Paul Ludwig Spies steht erschüttert vor seiner Kirche St. Peter. Qualm quillt aus großen Löchern des Dachstuhls, Löschwasser läuft die Wände herab, überall liegen Schläuche, Feuerwehrleute stehen auf Hebebühnen und schießen tausende von Litern Wasser in das Dachgestühl des Gotteshauses. Spies blickt nach oben und kann nur noch sagen: "Ich bin sprachlos!" Erst wenige Minuten zuvor hat er erfahren, dass am frühen Nachmittag in St. Peter ein Feuer ausgebrochen ist, das sich blitzschnell im gesamten Dachbereich ausbreitete. So schnell es ging, ist er herbei geeilt.

Der Alarm geht bei der Feuerwehr um 14.11 Uhr ein, mehrere Nachbarn rufen an und erzählen aufgeregt von der riesigen Qualmwolke. Sofort rückt man mit mehreren Löschzügen aus.

Zwei Dachdecker, die dort oben gearbeitet haben, sind bei dem Versuch gescheitert, den Brand zunächst selbst mit einem Feuerlöscher und ein paar Eimern Wasser zu bekämpfen. Möglicherweise hatten die beiden das Feuer ausgelöst, als sie mit einem Schweißgerät arbeiteten. Ihr Chef, Dieter Maassen, wird das später bestreiten: Schweißarbeiten seien gar nicht nötig gewesen. Jedenfalls brennt die zundertrockene Dachkonstruktion der 110 Jahre alten Kirche sofort. Die Feuerwehr kann aber immerhin verhindern, dass der Brand auch den Turm angreift. Ein paar Steinmetze und Zimmerleute haben sich rechtzeitig in Sicherheit bringen können.

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Die Kirche war bis Mitte der 90er Jahre renoviert worden, zehn Jahre hatten die Arbeiten gedauert. Die erneuten Reparaturarbeiten dienten zur Reparatur der Außenfassade und der Dachkanten. Dort waren Steinteile abgebrochen. Anfang September wollte man den zehnten Jahrestag des Abschlusses der Renovierung feiern. Daraus wird nun nichts.

Im Laufe des Nachmittags stellt sich heraus, dass die erst wenige Jahre alte Orgel durch das von oben herabströmende Löschwasser bereits erheblich beschädigt ist. Feuerwehrleute versuchen, sie mit Plastikplanen zu schützen. Es ist jedoch gefährlich, den Innenraum der Kirche zu betreten: Das Gewölbe über dem Mittelschiff ist nicht selbsttragend. Keiner weiß, wie stark es bereits durchnässt ist und wie lange es noch dem Druck des sich oben ansammelnden Wassers standhalten kann.

Unten taucht plötzlich Ministerpräsident Jürgen Rüttgers auf. Er hat von dem Brand gehört und kommt vorbei. "In der Kirche feiern wir mit dem Landtag unsere Gottesdienste, ich kenne Pfarrer Spies schon lange." Sichtlich berührt sieht der Ministerpräsident, wie das Feuer gewütet hat. Am Abend schätzt die Feuerwehr, die mit vier Löschzügen und 100 Leuten an der Arbeit war, den Schaden auf rund eine Million Euro. Ein Statiker hat begonnen, die Reste der Dachkonstruktion zu untersuchen, um die Einsturzgefahr einschätzen zu können.

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(RP)
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