Düsseldorf: Sah die Zeugin die Wehrhahn-Bombe?

Düsseldorf: Sah die Zeugin die Wehrhahn-Bombe?

Im Prozess gegen Ralf S. sagten gestern zwei Ex-Freundinnen des Angeklagten aus. Was sie wirklich wissen, blieb offen.

Die Frau ist sicher: Ralf S. sitzt zu Recht auf der Anklagebank. "In meinen Augen ist er's gewesen", sagt die 40-Jährige, kaum dass sie auf dem Zeugenstuhl Platz genommen hat. "Er hat gesagt, er wird die hochjagen", erinnerte sich die Verkäuferin. Das sei "in Richtung Ausländer gegangen" und ein Jahr vor dem Wehrhahn-Anschlag gewesen, bei dem am 27. Juli 2000 zehn überwiegend jüdische Sprachschüler teils schwer verletzt wurden.

Doch als der Vorsitzende Richter nachhakt, ist die Zeugin unsicher. Es müsse wahrscheinlich vor dem Anschlag gewesen sein, sagt sie schließlich. "Danach hätte es ja keinen Sinn mehr gehabt."

Seit "1996 oder '97" waren der Angeklagte und die Zeugin ein Paar. In der Beziehung habe sie hauptsächlich getan, was S. anordnete. Das galt auch beim Thema Wehrhahn-Anschlag. "Er hat gesagt, er sei unschuldig, also habe ich das geglaubt." Zumal da der Anruf des Bekannten war, der sie an jenem Abend in der U-Bahn erreichte und ihr sagte: "Es hat einen Anschlag gegeben, der Ralf war's nicht."

In früheren Vernehmungen hatte die Zeugin behauptet, an ihrem Arbeitsplatz in Meerbusch vom Anschlag erfahren zu haben. Dass es in der U-Bahn kurz vor dem Tunnel war, sei ihr erst vor ein paar Tagen eingefallen, erklärt sie jetzt.

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Die späten Erinnerungen der Zeugin machen die Verteidigung hellhörig. Denn auch an den Gegenstand, der etwas größer als eine Handgranate gewesen sei, einen geriffelten "Schildkrötenpanzer" und ein Verbindungsstück hatte, das aussah wie ein Kalkstopper am Wasserhahn, hat sich die Zeugin erst erinnert, nachdem die Polizei sie vor zwei Jahren vernommen hatte. "Sie zeigten mir Bilder vom Nachbau der Bombe. Als ich nach Hause kam, habe ich gegrübelt, woher ich das Ding kenne. Dann fiel mir ein: Ich hatte es bei Ralf auf der Küchenbank gesehen."

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Damals habe sie sich keine Gedanken darum gemacht. Die kleine Wohnung an der Gerresheimer Straße, die er für sich gemietet hatte, weil er plötzlich Abstand brauchte, und die sie sich eigentlich gar nicht hätten leisten können, sei ohnehin voll mit Gegenständen gewesen, so zugemüllt, dass man sie kaum habe betreten können. Sie sei auch nicht oft dort gewesen, höchstens drei oder vier Mal. Zuletzt kurz vor dem Anschlag - am Tag, an dem sie den "Gegenstand" bemerkt haben will.

Die 40-Jährige ist nicht gut auf S. zu sprechen. Der hat ihr Schulden hinterlassen, weil sein pleite gegangenes Unternehmen auf sie eingetragen war. 60.000 Euro, die sie nicht zahlen kann, und für die sie den Offenbarungseid geleistet hat. Andere Schulden hat sie abgestottert, beim Finanzamt und bei Lieferanten. "Ich habe erst nach der Trennung erfahren, dass er auch in meinem Namen Sachen bestellt hatte." Im Gericht erfährt sie gestern erst, dass auch die Autos, die S. in jener Zeit gefahren hat, auf sie zugelassen waren.

Erst als die Polizei sie über die neuen Indizien gegen Ralf S. informiert habe, sei sie zur Erkenntnis gekommen, dass ihr Ex-Gefährte der Täter sein müsse. Große Belastungsbereitschaft aber hat sie nicht gezeigt. "Ich hatte Angst, dass er sich an mir rächt."

Im Zeugenstand wird die Verkäuferin von einer anderen Frau abgelöst, die S. 2012 bei einer Partnerbörse im Internet kennenlernte. Sie berichtete erneut davon, dass Neonazi Sven S. ihr erzählt habe, dass "Ralf wollte, dass ich bezeuge, wo er war". Von der Frage nach einem Alibi sei aber nie die Rede gewesen, wiederholte die Zeugin, was Sven S. bereits vergangene Woche ausgesagt hat, und mit dem sie in regelmäßigem Kontakt steht.

(RP)