Düsseldorf: S-Bahnhöfe: Modernisierung später

Düsseldorf : S-Bahnhöfe: Modernisierung später

2008 hatte die Deutsche Bahn versprochen, innerhalb von fünf Jahren 35 Millionen Euro in 13 Düsseldorfer S-Bahnhöfe zu investieren. Jetzt wurde der Baubeginn erneut verschoben. Das geht aus der Antwort des NRW-Verkehrsministers auf eine Anfrage Düsseldorfer CDU-Abgeordneten hervor.

Tausende Pendler können täglich ein Lied davon singen: Komfort, Barrierefreiheit, Sauberkeit und Sicherheit lassen auf den S-Bahnhöfen in Düsseldorf zu wünschen übrig. Das hat auch ein Test des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR) im Frühjahr 2010 bestätigt:

Gedränge auf dem Bahnsteig: Mit dem zusätzlichen Gleis werden in Bilk auch Regional-Züge halten und den Andrang entzerren. Foto: Bretz, Andreas

Fast ausnahmslos erhielten die Bahnhöfe der Landeshauptstadt schlechte Noten. An dem Zustand wird sich so schnell nichts ändern. Denn die 2008 von den damaligen Akteuren — Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) — angekündigte "Modernisierungsoffensive 2", bei der erstmals auch Düsseldorfer S-Bahnhöfe bedacht werden, wird erneut verschoben.

Das geht aus der Antwort von NRW-Verkehrsminister Harry K. Voigtsberger (SPD) auf eine Kleine Anfrage der vier Düsseldorfer CDU-Landtagsabgeordneten hervor, die der RP vorliegt. Darin heißt es, dass die zuletzt im Januar 2011 im Fachausschuss des Landtags vorgestellte Terminplanung der zuständigen Bahn-AG Station & Service "erneut nicht eingehalten wird". Als Gründe werden "personelle Kapazitätsprobleme" genannt, die durch die Großbahnhöfe Dortmund, Duisburg und Münster sowie die Umsetzung des Konjunkturprogramms des Bundes entstanden seien.

Bei der Modernisierung ist vorgesehen, die Bahnhöfe barrierefrei umzubauen, mit neuen Bänken, Vitrinen und Schildern auszustatten und dort, wo es noch nicht der Fall ist, Videokameras zu installieren. Für Düsseldorf sind 35 Millionen Euro eingeplant.

Voigtsberger betont, dass das Land keinen direkten Einfluss auf die "DB Station & Service AG" habe, und verweist auf eine 2008 geschlossene Rahmenvereinbarung. "Die Verzögerungen bei der Modernisierung von S-Bahnhöfen sind ausschließlich aus Gründen eingetreten, die die DB S & S zu verantworten hat." Auf Initiative der Landesregierung habe sich jedoch seit Mai mehrfach ein Sonderlenkungskreis getroffen, um die Modernisierung zu beschleunigen.

Olaf Lehne (CDU), Landtagsabgeordneter aus Düsseldorf, reicht das nicht aus: "Die Bahn hält sich nicht an Zusagen. Und der Landesregierung ist der Standort Düsseldorf offenbar nicht wichtig, sonst würde der Verkehrsminister Druck machen." In einer aktuellen Liste wird nun aufgeführt, was die Verzögerung für die 13 Düsseldorfer S-Bahnhöfe (s. Infokasten) bedeutet: Der Baubeginn verzögert sich gegenüber den ursprünglichen Plänen um zwei bis vier Jahre.

Beim Reisholzer S-Bahnhof ist der Baubeginn sogar komplett offen, da die Bahn den Umbau an die Einführung des "Rhein-Ruhr Express" (RRX) koppelt. Experten rechnen damit, dass der RRX nicht vor 2020 realisiert wird. "Die Bahn muss vorher in die Hufe kommen", sagt der Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek (CDU). "Es kann nicht sein, dass wir immer wieder scheibchenweise vertröstet werden." Er wolle sich deshalb mit Bahn-Chef Rüdiger Grube in Verbindung setzen.

Eine Ausnahme in der Liste bildet der S-Bahnhof Bilk. Dessen Modernisierung war von Beginn an für 2014 angesetzt worden. Jetzt ist ein Baustart im Jahr 2015 avisiert. Die Besonderheit: Außer der Modernisierung soll auch ein zweiter Bahnsteig gebaut werden, damit auch Regional-Express-Züge halten können. Dass sich dies nur ein Jahr verzögert, liegt daran, dass sich die Stadt — obwohl sie das nicht müsste — an den Kosten beteiligt: 600 000 Euro trägt Düsseldorf, die restlichen 3,2 Millionen Euro fließen über den VRR vom Land. "Uns ist dieser Bahnhof mit Blick auf die vielen Pendler wichtig", sagt Verkehrsdezernent Stephan Keller. Man setze deshalb viel Ehrgeiz daran, den Termin 2015 zu schaffen. Der Hintergrund ist, dass so optimales Umsteigen zur neuen U-Bahnstrecke Wehrhahn-Linie gewährleistet werden soll. "Die erneute Verzögerung ist äußerst ärgerlich", betont Keller. Die Information seitens der Bahn sei mangelhaft: "Es kann nicht sein, dass wir davon über Kleine Anfragen erfahren."

(RP)