S-Bahnhöfe in Düsseldorf - laut VRR-Stationsbericht in miserablem Zustand

Oberbilk und Wehrhahn : So heruntergekommen sind Düsseldorfs S-Bahnhöfe

Viele der 25 Düsseldorfer S-Bahn-Stationen befinden sich in miserablem Zustand – auch wenn die Bahn schon einiges investiert hat. Der Bahnhof in Oberbilk ist ein krasses Beispiel dafür, welche Leidensfähigkeit die Bahn-Kunden mitbringen müssen.

Falls den Autokonzernen mal die Ideen für Werbespots ausgehen, können sie einfach Bilder vom S-Bahnhof Oberbilk zeigen. Eine bessere Werbung für das Autofahren kann man sich kaum vorstellen.

Anbieten würden sich zum Beispiel Bilder von der engen, vollgeschmierten Unterführung, die Fahrgäste auf dem Weg zum Gleis durchqueren müssen. Einige der Glasbausteine in der Wand sind zerschlagen, und es deutet nichts darauf hin, dass jemand sie reparieren will. Wenn man die Treppe zum Gleis hinaufgeht, kann man dabei zusehen, wie sich der Putz von der Decke löst.

Die Fahrtanzeiger sind kaputt, das Schild mit dem Namen des Bahnhofs ist nicht mehr lesbar. Und wenn man mit einem Kinderwagen oder einem Rollstuhl unterwegs ist, braucht man gleich doppelt Hilfe: das erste Mal, um aus dem Zug zu kommen, weil der Zug höher ist als die Bahnsteigkante. Und das andere Mal, um die lange Treppe hinunterzukommen – einen Aufzug oder eine Rolltreppe sucht man nämlich vergebens.

Der Bahnhof ist ein krasses Beispiel dafür, welche Zumutungen die Bahn-Kunden ertragen müssen. Und er ist kein Einzelfall, wie der neue Stationsbericht des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR) zeigt. Die Tester bescheinigen lediglich den Verkehrsknoten Hauptbahnhof, Flughafen und Flughafen-Terminal ein „akzeptables Erscheinungsbild“. Drei weitere Stationen (Benrath, Garath und Hellerhof) erhalten die mittlere Bewertung „noch akzeptabel.“ Bei den 19 anderen Stationen auf Düsseldorfer Stadtgebiet zeigt die Test-Ampel die rote Farbe. Sie sind aus Sicht des VRR „nicht akzeptabel.“ Vor allem mangelnde Sauberkeit und viel Graffiti sorgen für das schlechte Ergebnis.

Der miserable Zustand vieler Bahnhöfe ist seit Jahren ein Politikum. Denn eigentlich gilt es als politisches Ziel, mehr Berufspendler zum Bahnfahren zu bewegen. 300.000 Menschen kommen an jedem Tag zum Arbeiten in die Stadt. Bislang nutzen drei Viertel dafür ein Auto. Die Regionalexpress- und S-Bahn-Verbindungen sind die wichtigste Alternative. „Jeder weiß, wie wichtig die S-Bahn-Stationen sind“, sagt der Düsseldorfer Ratsherr Manfred Neuenhaus (FDP). „Und trotzdem passiert zu wenig.“

Der aktuelle Stationsbericht zeigt aber immerhin, dass es sich auszeichnet, wenn die Bahn sich doch mal bewegt: 46 Millionen Euro hat das Unternehmen seit 2010 in die Düsseldorfer S-Bahnhöfe gesteckt. Im Rahmen der „Modernisierungsoffensive 2“ und dem Nachfolger mit der Nummer 3 sollen weitere Arbeiten folgen. „Auch beim S-Bahnhof Oberbilk steht die Generalüberholung an“, sagt eine Bahnsprecherin. Ein Datum gebe es aber noch nicht.

Wo modernisiert wird, schlägt sich das in der Bewertung im Stationsbericht nieder. Zum Beispiel am Wehrhahn. An der Station, die als Umsteigepunkt zur Wehrhahn-Linie wichtig ist, gibt es nach der Modernisierung endlich einen funktionierenden Aufzug und eine Rolltreppe. Das gesamte Erscheinungsbild des Bahnsteigs haben sich mit Beleuchtung, Anzeigetafeln und Wartehäuschen verbessert. In der Kategorie „Funktion“ gibt es dafür die grüne Ampel.

Erstaunlicherweise hat die Bahn aber den völlig versifften, nach Urin stinkenden Bau am Eingang einfach stehen gelassen – eine Entscheidung, die zeigt, welch mühsames Stückwerk die Verbesserung der Bahn-Infrastruktur ist. Die Gesamtbewertung ist wegen der Mängel an Sauberkeit und den vielen Graffiti (die in der Gewichtung des VRR zu erheblichen Abwertungen führen) immer noch insgesamt in der roten Kategorie.

Mit dem Stationsbericht will der VRR im Namen der Fahrgäste den Druck auf die Bahn erhöhen. Allerdings stellt sich auch die Frage, welche Rolle der VRR selbst spielt: Der Verkehrsverbund ist im Auftrag des Landes für den Nah- und Regionalverkehr verantwortlich. Er bestellt die Leistungen bei der Bahn – und steht damit auch in der Verantwortung dafür, dass die Situation der Fahrgäste besser wird.

Auf eine Verbesserung warten zum Beispiel auch die Fahrgäste am S-Bahnhof Friedrichstadt, einer weiteren Station, die sich seit Jahren zuverlässig in der roten Kategorie wiederfindet. Auch hier mangelt es aus Sicht des VRR an Sauberkeit, dazu kommt viel Graffiti.

Ein Dauerärgernis für Fahrgäste ist es auch, dass dort (wie an den Stationen Angermund, Völklinger Straße, Bilk, Eller Mitte, Gerresheim und Volksgarten) ein barrierefreier Zugang zum Gleis durch einen Aufzug oder eine Rolltreppe fehlt. Die Leidensfähigkeit der Fahrgäste wird noch lange geprüft werden.

Wo muss an einem Bahnhof dringend etwas getan werden? Schreiben Sie Ihre Erfahrungen an stadtpost@rheinische-post.de

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