Wichtigster Auslandsmarkt: Russland-Embargo bedroht Messe-Geschäft in Düsseldorf

Wichtigster Auslandsmarkt : Russland-Embargo bedroht Messe-Geschäft in Düsseldorf

Russland ist der wichtigste Auslandsmarkt der Messe Düsseldorf. 50 Millionen Euro werden dort erwirtschaftet. Bei der Messe gibt man sich "langfristig optimistisch". Doch die Risiken sind unwägbar.

Die Messe Düsseldorf ist die zweitgrößte Deutschlands, sie gehört zu den ganz wenigen, die nicht nur ohne Subventionen auskommen, sondern sogar - wie zuletzt - Gewinne an ihre Eigentümer ausschütten können. Und ihre Stärke, das betonen Messeleitung und Stadtoberhäupter ohne Pause, ist ihre Internationalität. Doch das könnte zurzeit zum Boomerang werden. Denn eine der tragenden Säulen auf dem Auslandsmessemarkt ist in Gefahr: Russland.

18 Messen veranstalten die Düsseldorfer auf russischem Boden. Im vergangenen Jahr erzielte die Messe Düsseldorf in dem Riesenreich knapp 50 Millionen Euro Umsatz, das ist rund ein Sechstel des Gesamtumsatzes von etwa 323 Millionen Euro. "Russland ist unser wichtigster Auslandsmarkt, noch vor China und Tschechien", sagt Erhard Wienkamp, in der Messe-Geschäftsleitung verantwortlich für das außerdeutsche Geschäft. Keine andere deutsche Messegesellschaft ist so stark in Russland engagiert, wie die Düsseldorfer.

Wie es im schlimmsten Fall laufen kann, zeigte die alle zwei Jahre stattfindende Messe "Ugol & Mining". Die internationale Fachausstellung für Bergbautechnik sollte im Juni in Donezk in der Ukraine stattfinden. Doch die Messe Düsseldorf sagte die Schau als Veranstalter bereits im Mai ab. Als Grund wurde die aktuelle Lage in der Ukraine genannt.

In Russland arbeitet die Messe Düsseldorf mit einer eigenen Tochtergesellschaft an drei Standorten. In Moskau finden 16 Messen statt, eine Bergbaumesse veranstalten die Düsseldorfer im sibirischen Novokutsnetsk, eine andere Messe in St. Petersburg. Abgesagt wurde bislang noch keine dieser Wirtschaftsschauen.

Bei der Messe Düsseldorf bemüht man sich, Optimismus auszustrahlen. "Wir verkaufen ja selbst keine Maschinen, die unter ein Embargo fielen. Wir verkaufen Kommunikation unter Unternehmern, und die wird auch und gerade in Krisenzeiten aufrechterhalten", sagt Auslandsbeauftragter Erhard Wienkamp. Allerdings seien die Aussteller zurzeit zurückhaltender, das gelte sowohl für die Deutschen, als auch für die Russen.

Gefährlich kann ein Ausbleiben der Russen nicht nur für das Auslandsgeschäft der Düsseldorfer sein. Denn die Russen gehören zu bedeutenden Ausstellern und noch bedeutenderen Kunden bei den Veranstaltungen, die auf dem Heimatgelände in Düsseldorf stattfinden. "Noch spüren wir keine Zurückhaltung bei Investitionsgütermessen", sagt Wienkamp. Aber man müsse den Markt beobachten. Die an Rohstoffen reiche Nation Russland war stets guter Kunde für deutsche Ingenieurprodukte, die besonders gern auf Düsseldorfer Messen geordert wurden.

Bei der Messe hofft man, dass die möglichen Eintrübungen nur kurzfristiger Natur sind. "Ich bin überzeugt, dass die Aussichten im russischen Markt für viele Industriebranchen langfristig positiv sind", hatte Messechef Werner Dornscheidt kürzlich gesagt. "Über eine neue Eiszeit zu spekulieren, ist Kaffeesatzlesen", sagt Wienkamp.