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Interview: Robert Kieselbach: "Rugby ist wie Schach auf dem Rasen"

Interview: Robert Kieselbach : "Rugby ist wie Schach auf dem Rasen"

Der Historiker aus Bilk spielt nun in der fünften Saison für die Rugby-Mannschaft der TuS Dragons. Als Jugendlicher hatte er mit Ballsport nichts zu tun. Damals war er Eisschnellläufer.

Herr Kieselbach, Glückwunsch zum ersten Sieg in der neuen Saison. Sind Sie mit Ihrer Mannschaft nun auf dem richtigen Weg? Das erste Spiel ging ja gegen den Klassenneuling aus Luxemburg eher überraschend verloren.

Kieselbach Ich denke schon. Wir haben das erste Spiel in Luxemburg verloren, nun gegen Eintracht Frankfurt mit 31:12 gewonnen.

Wie lauten denn die Saisonziele Ihrer Mannschaft?

Kieselbach Das machen wir gar nicht an einer Platzierung fest. Wir wollen uns nach dem Abstieg aus der Bundesliga in der Zweiten Liga neu orientieren und in erster Linie als Verein wachsen.

Wohin führt Sie das nächste Spiel?

Kieselbach Wir spielen am Samstag bei der TSG Hausen, die eine Wundertüte und nur schwer einzuschätzen sind. Nach den Ergebnissen der ersten beiden Spieltage zu urteilen, werden wir unseren Gegner aber sehr ernst nehmen müssen.

Wie sind Sie zum Rugby gekommen? Seit wann betreiben Sie den Sport?

Kieselbach Erst seit vier Jahren. Ich habe 2010 bei den Dragons mit Rugby angefangen. Ich habe Rugby über meine Freundin entdeckt, die in der Damen-Mannschaft der Dragons spielte.

Da waren Sie aber bereits in einem Alter, in dem andere ihre Karriere beenden.

Kieselbach Das stimmt. Ich war da schon 34. Das ist aber sehr typisch für viele deutsche Spieler in meiner Mannschaft, die meist über den zweiten Weg zum Rugby finden. Viele haben es vorher mit Fußball versucht.

War das auch Ihr Weg? Kamen Sie auch über den Fußball zum Rugbyspielen?

Kieselbach Nein, ich habe keinen Ballsport betrieben. Ich bin als Jugendlicher auf hohem Niveau Eisschnelllauf gefahren.

Haben Sie denn in der Mannschaft auf Anhieb eine Aufgabe und Anschluss gefunden?

Kieselbach Und ob! Es gibt in jeder Rugby-Mannschaft für jede Größe und jede Statur eine passende Position. Ich bin Prop, was auf deutsch Pfeiler bedeutet. Das heißt, dass ich bei dem lustigen Gedränge und Geschiebe, das es nach Spielunterbrechungen gibt, in der ersten Reihe die Außenposition bilde.

Was hat Sie an dem Sport so begeistert, dass sie dabei geblieben sind?

Kieselbach Das Ästhetische. Dass das Spiel zwar roh und gewalttätig ist, es aber dennoch sehr diszipliniert und vor allem auch intelligent gespielt werden muss, und man will Erfolg haben. Im Prinzip ist es Schach auf dem Rasen.

Was hat Sie denn praktisch und ganz konkret überzeugt?

Kieselbach Rugby unterscheidet sich ganz gewaltig von Fußball. Das Faszinierende ist, dass man sich unglaublich stark auf seine Kameraden verlassen muss. Ohne sie läuft man mit dem Ball in der Hand in diese Wand aus Spielern der gegnerischen Mannschaft.

Gibt es denn ein typisches Merkmal für die Dragons? Was hebt sie von anderen Rugby-Mannschaften ab?

Kieselbach Der Klub ist durch seine Internationalität einfach phänomenal. Das sage ich nicht, weil ich dort spiele und für den Klub werben möchte. So eine Atmosphäre wie an der Oberlöricker Straße findet man nirgendwo anders. Wir haben derzeit unter anderem Spanier, Iren, Italiener, Polen und Engländer im Team, hatten bis vor kurzem Ukrainer und Russen dabei. Und alle werden unmittelbar an- und aufgenommen, sind sofort integriert. So wie ich, als ich vor vier Jahren dazukam. Düsseldorf ist für Rugby-Spieler schlichtweg eine Traumstadt.

Haben Sie denn schon einmal in der Altstadt ein Rugby-Spiel in einer irischen Gaststätte gesehen?

Kieselbach Natürlich, das ist ein Erlebnis. Da komme ich sofort mit meinem Nachbarn ins Gespräch. Da kann man sehr schön die Verbundenheit zwischen allen Rugby-Spielern erleben, die wie eine große Familie sind und eng zusammenstehen.

Haben Sie denn gleich in den Sport mit seinen Regeln hineingefunden und sich damit identifizieren können?

Kieselbach Das ist zugegebenermaßen nicht ganz so einfach, auch wenn die Mitspieler es einem sehr leicht machen. Klasse finde ich, dass ich noch nie Streit mit dem Gegner erlebt habe. Nach dem Spiel ist aller Konkurrenzkampf vergessen. Klasse finde ich das Ritual, dass nach dem Spiel alle zusammen essen, Bier trinken und über das Spiel reden.

DAS INTERVIEW FÜHRTE RP-MITARBEITER FALK JANNING.

(RP)