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Interview: "Ruf nach Frauen muss lauter sein"

Interview : "Ruf nach Frauen muss lauter sein"

Silvia Pantel (50) ist Vorsitzende der Düsseldorfer Frauen Union sowie Vize-Chefin und Schulexpertin der CDU-Ratsfraktion. Ein Gespräch über Frauen in der Politik, Kopftuch und Burka, Integration und darüber, weshalb Hauptschulen nach wie vor wichtig sind.

Frau Pantel, Sie sind engagierte CDU-Politikerin und Vorsitzende der Düsseldorfer Frauen Union. Macht es Spaß als Frau in der Politik?

Pantel Natürlich nicht immer. Aber wenn man eine gewisse Position erreicht hat, kann man gestalten. Und das macht Spaß.

Wie selbstverständlich ist es inzwischen als Frau in der Politik?

Pantel Oberflächlich betrachtet scheint es selbstverständlich. In der Praxis sind noch zu wenige Frauen politisch aktiv. Sie sind prinzipiell bereit, sich aktiv einzubringen, wie zum Beispiel in Schulpflegschaften oder Kita-Beiräten. Und dann gibt es noch die Politik. Das müssen viele Frauen zeitlich mit Familie und vielleicht noch Beruf unter einen Hut bringen können.

Auch die CDU hat eine Frauenquote, 30 Prozent. Ist das noch nötig?

Pantel Auf alle Fälle. Damit Politik ausgewogen ist, müssen Parteien gezielt nach Frauen für Posten suchen. Der Ruf nach Frauen muss lauter sein. Nicht die oft besonderen Kompetenzen der Frauen, sondern unterschiedliche Prioritäten und Sichtweisen gilt es zu berücksichtigen. Was Männer als Macht bezeichnen, nenne ich gestalten.

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Sie selbst haben eine bemerkenswerte Biografie. Haben fünf Kinder, waren nebenbei lange selbstständig ...

Pantel Ich bin mitten im Abitur erstmals Mutter geworden. Beim fünften Kind war ich 32. Elf Jahre lang war ich selbstständig als Kleintransportunternehmerin und fuhr selbst sechs Tage die Woche, vier Touren pro Nacht. Nebenbei haben mein Mann und ich noch ein Haus gebaut.

Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Pantel Über Elterninitiativen. Ich war in den Schulen unserer Kinder engagiert. Richtig los ging es, als Mitte der 90er die städtische Musikschule eingespart werden sollte. Da trat ich auch in die CDU ein.

Die Clara-Schumann-Musikschule haben Sie gerettet?

Pantel Ich habe meinen Teil dazu beigetragen. Wir forderten erfolgreich ein eigenes Gebäude und Ermäßigungen für Familien mit vielen Kindern. Wir sammelten innerhalb einer Woche 7000 Unterschriften. Parallel dazu gründete ich mit anderen engagierten Müttern die "Lobby für Kinder". Uns ging es darum, die maroden Schulen in Düsseldorf in Ordnung zu bringen. Daraus resultierte schließlich der Masterplan Schulen. Für die Einführung des ermäßigten Schoko-Tickets für Schüler hatten wir 33 000 Unterschriften gesammelt, was mir auch Kritik aus der eigenen Partei eingehandelt hatte.

Welche Themen sind Ihnen als Chefin der Frauen Union wichtig?

Pantel Integrationspolitik. Und zwar sowohl mit Blick auf Bildung als auch auf Frauen. Nur wenn wir offen benennen, was in unserer Gesellschaft schief läuft, können wir auch etwas bewegen.

Worüber müssen wir offen reden?

Pantel Zum Beispiel darüber, dass viele Frauen mit Migrationshintergrund nicht die gleichen Rechte haben wie Männer. Ich weiß von einem Arzt, der einer Frau die Behandlung verweigert hat, nur weil sie armenischer Abstammung ist. Und so etwas passiert hier in Deutschland. Nach unserem Gesetz sind aber alle Menschen gleich.

Was ist mit Kopftuch und Burka?

Pantel Diese Zwangsverhüllung von Frauen und Mädchen lehne ich generell ab. Das Kopftuch gehört nicht in Schulen, weil es kein religiöses Zeichen, sondern eins der Unterdrückung ist. Wenn wir das zulassen, unterstützen wir die Stigmatisierung, das Anderssein der Kinder. Damit können sie sich nicht frei entfalten. So wie wir in anderen Kulturkreisen dort herrschende Kleiderordnungen akzeptieren müssen, sollten wir in unserer Gesellschaft diese Zeichen der Unterdrückung nicht zulassen. Die Burka hat im öffentlichen Raum nichts zu suchen.

Sie sind auch Schulexpertin der CDU-Ratsfraktion und eine vehemente Befürworterin von Hauptschulen. Was sagen Sie zur Abkehr Ihrer Landespartei von dieser Schulform?

Pantel Es ist kein Kurswechsel, sondern eine pragmatische Lösung als Folge der Hetzkampagne der vergangenen Jahre. Die Leistung der Hauptschulen wurde ignoriert und in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Deshalb gibt es zu wenige Anmeldungen. Viele Kinder, die früher Hauptschulen besucht hätten, sind heute auf Gesamtschulen. Das löst aber nicht das Problem.

Weshalb?

Pantel Es gibt nun mal Schüler, für die es schon eine Herausforderung ist, den Hauptschul-Abschluss zu schaffen — auch wenn die Eltern das nicht wahrhaben wollen. Diese Schüler wären auf der Realschule überfordert. Wenn ich schlecht im Fußball bin, kommt doch auch keiner auf die Idee, mich in der 1. Liga spielen zu lassen. Weshalb machen wir aber genau das in der Bildung?

Was ist die Lösung?

Pantel Ich möchte, dass jeder Abschluss auch einen Anschluss hat. Was ist der Hauptschulabschluss wert, wenn Arbeitgeber ihn nicht mehr akzeptieren? Dabei bietet das duale Ausbildungssystem Chancen. Ein Hauptschüler kann seine Lehre machen, mit 19 Jahren Geselle sein und nach drei Jahren Berufserfahrung noch studieren. Das hat auch eine Integrationsfunktion: Diese jungen Menschen zahlen Steuern und werden nicht Hartz-IV-Empfänger. Wenn ich Hauptschülern aber erst gar nicht die Möglichkeit gebe, eine Lehrstelle zu bekommen, macht dieser Abschluss keinen Sinn mehr.

Als die Landesregierung noch Schwarz-Gelb war, waren Sie als Schulministerin im Gespräch ...

Pantel Ich sehe es als Anerkennung meiner Arbeit, dass ich überhaupt in Erwägung gezogen wurde.

Was muss die CDU tun, damit sie im Land wieder an die Macht kommt?

Pantel Die Probleme klarer benennen und eine intensivere Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Die Arbeit der schwarz-gelben Landesregierung war gut. Wir haben aber die Wahl verloren, weil wir den Bürgern das nicht vermitteln konnten.

In Ihrer Fraktion positionieren sich die ersten potenziellen Nachfolger des Fraktionschefs Conzen. Sie sind Vize. Haben Sie keine Ambitionen?

Pantel Ich fühle mich in meiner Position gut. Wenn man um Sachthemen kämpft, ist es besser, in der zweiten Reihe zu stehen. Meine eigene Meinung ist mir so wichtig, dass ich sie auch weiterhin vertreten möchte. An der Spitze einer Fraktion muss man zu viele Kompromisse eingehen.

(RP)