Düsseldorf: Rückwärts-Raser: Gericht reduziert Geldstrafe

Düsseldorf : Rückwärts-Raser: Gericht reduziert Geldstrafe

Zu Lasten des Opfers hat das Amtsgericht einen Strafbefehl gegen einen Autofahrer (39) abgemildert. Im Rückwärtsgang, mit Vollgas und ohne Licht soll der – vielfach auch wegen Verkehrsdelikten – vorbestrafte Angeklagte im April 2010 abends eine Einbahnstraße in einer Tempo-30-Zone entlang geprescht sein.

Zu Lasten des Opfers hat das Amtsgericht einen Strafbefehl gegen einen Autofahrer (39) abgemildert. Im Rückwärtsgang, mit Vollgas und ohne Licht soll der — vielfach auch wegen Verkehrsdelikten — vorbestrafte Angeklagte im April 2010 abends eine Einbahnstraße in einer Tempo-30-Zone entlang geprescht sein.

Dabei fuhr er einen Ingenieur (39) an, der gerade die Straße überquerte, und verletzte den Passanten so massiv, dass der jetzt als Invalide gilt und in seiner russischen Heimat von einer Rente von 300 Euro leben muss. Gegen eine Bewährungsstrafe legte der Fahrer nun erfolgreich Protest ein.

Vier Monate Bewährungsstrafe, drei Monate Fahrverbot plus 2000 Euro, zahlbar an das Opfer: Diesen schriftlich verhängten Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung kritisierte der Autofahrer als "etwas heftig". Er sei ja arbeitslos, Familienvater — und habe den Unfall damals "doch bloß durch eine kurze Unachtsamkeit" verursacht.

"Ich fühle mich schuldig, aber ich habe nicht mit quietschenden Reifen zurückgesetzt, ich hatte auch Licht an, habe aber nur in den Rückspiegel geguckt und den Fußgänger nicht gesehen!" Außerdem habe er sich bei dem lebensgefährlich verletzten Ingenieur, der damals nur durch eine Not-Operation zu retten war, "natürlich entschuldigt". Doch für das Unfallopfer endete mit diesem Unfall sein bisher gekanntes Leben.

Der Passant, der mit seiner Frau damals bei Grün gerade die Straße überquerte, wurde vom Kombi des Angeklagten hoch in die Luft geschleudert, prallte dann mit dem Kopf auf den Boden. Dadurch erlitt er ein so schweres Schädel-Hirn-Trauma, dass er trotz mehrfacher Hirn-Operationen erhebliche Sprach- und Gedächtnisstörungen zurück behalten hat. Zum Prozess war er nicht angereist.

Wegen der zwölf Vorstrafen des Angeklagten war die Richterin nicht bereit, die verhängte Bewährungsstrafe oder das Fahrverbot auf einen Monat zu reduzieren, wie der Angeklagte forderte. Doch bei der Bewährungsauflage — 2000 Euro für das Opfer — ließ sie sich auf die Hälfte herunterhandeln. Weil der Angeklagte die 1000 Euro in Raten zu 50 Euro abstottern darf, akzeptierte der Fahrer immerhin Bewährungsstrafe und Fahrverbot.

(RP)