RP-Sprechstunde: Rücken-OP ist nicht immer nötig

RP-Sprechstunde : Rücken-OP ist nicht immer nötig

Vier von zehn Deutschen leiden an Rückenschmerzen. Welche Ursachen gibt es? Was hilft gegen chronische Schmerzen? Wann ist eine Operation sinnvoll? Antworten gaben Spezialisten in der RP-Sprechstunde am Mittwoch in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein.

Eine schnelle Drehung, eine ruckartige Bewegung — und schon ist es passiert. Ein Schmerz zieht in den Rücken, beißt sich regelrecht fest. Fast jeder hat dieses quälende Szenario schon einmal erlebt: Rückenschmerzen sind längst zum Volksleiden geworden. In Nordrhein-Westfalen sind sie sogar Ursache Nummer eins für Krankmeldungen im Job.

"Allerdings verschwinden 90 Prozent der Rückenschmerzen nach einigen Tagen oder Wochen wieder — die Prognose ist also gut", sagt Ralf Rassmann. Der Allgemeinmediziner und die Orthopäden Roland Strich und Markus Teller informierten gestern bei der RP-Ratgeberveranstaltung über die "Volkskrankheit Rückenschmerzen". Etwa 250 Zuhörer waren ins Haus der Ärzteschaft gekommen — so viele, dass zusätzliche Stuhlreihen aufgebaut werden mussten.

Der Hausarzt ist erste Anlaufstelle

Dass es "irgendwie im Rücken wehtut", hört Ralf Rassmann jede Woche von Patienten, die in seine Praxis kommen. Doch nicht immer kommen die Schmerzen tatsächlich von der Wirbelsäule oder den Muskeln: Auch Verletzungen, die von Unfällen stammen, Gürtelrosen oder eine Nierenbeckenentzündung können die Ursache sein. "Der Hausarzt ist also erster Ansprechpartner", sagt Rassmann.

Gründe für Rückenschmerzen gibt es viele: Fehlhaltungen, Osteoporose oder gar psychische Probleme. Steht die Diagnose, können die meisten Patienten gut mit Schmerzmedikamenten behandelt werden. Sich aus Angst vor Schmerzen zu schonen oder gar tagelang ins Bett zu legen, verschlimmere die Beschwerden nur, sagt Rassmann.

Häufig vermuten Patienten mit Rückenschmerzen sofort einen Bandscheibenvorfall. Er tritt vor allem bei 40- bis 50-Jährigen auf. Die Bandscheiben liegen zwischen den Wirbelkörpern der Wirbelsäule. Nutzten sie sich ab, kann ihr gallertartiger Kern austreten und auf die Nerven drücken. "Die Schmerzen strahlen dann ins Bein aus und sind sehr stark", sagt Roland Strich.

Die meisten Bandscheibenvorfälle sind konservativ gut zu behandeln. Schmerzstillende Medikamente, Spritzen und Krankengymnastik lindern die Beschwerden; im Schnitt dauert die Therapie etwa drei Monate. Eine Operation ist notwendig, wenn Lähmungen auftreten oder Druck auf das Rückenmark entsteht. "Je nach Diagnose werden verschiedene Verfahren angewandt", sagt Orthopäde Markus Teller. Ist die Bandscheibe nur vorgewölbt, wird minimalinvasiv operiert. Durch einen kleinen Hautschnitt verringert der Arzt das Volumen des Gallertkerns — und damit auch den Druck auf die Nervenwurzel. Bei einem Vorfall an der Halswirbelsäule muss der beschädigte Wirbelkörper entfernt und durch eine Prothese ersetzt werden. Stammen die Schmerzen von einer so genannten Spinalkanalstenose — einer Verengung der Wirbelkörper, die häufig im Alter auftritt — wird der Kanal mit einem Implantat geweitet.

In einem waren sich die Mediziner aber einig: "Eine Operation sollte immer die letzte Behandlungsmöglichkeit sein."

(RP/jco)
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