1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Düsseldorf: Rotlicht-Prozess: Stress für Angeklagte

Düsseldorf : Rotlicht-Prozess: Stress für Angeklagte

Nach mehr als einem Jahr Verhandlungsdauer im Rotlicht-Prozess um Betrug von Bordellgästen an der Rethelstraße bereiten zwei der angeklagten Frauen jetzt dem Gericht Sorgen. Eine 27-Jährige hatte verkündet, sie könne nervlich dem Verfahren nicht mehr folgen. Ein Arzt hat das bestätigt, die Frau sei nur stundenweise verhandlungsfähig.

Eine weitere Angeklagte soll nach RP-Informationen schwanger sein - was für zusätzliche Probleme im Prozessablauf sorgen dürfte. Das Gericht unterbrach die Sitzung plangemäß bis Mitte August. Laut Anklage sollen unter Anleitung von Bordell-Chef Thomas M. (49) drei ebenfalls angeklagte Männer und vier Frauen etliche Bordellgäste mit Alkohol, Drogen oder K.o.-Tropfen betäubt haben, um mit den Kreditkarten rund 300 000 Euro zu erschwindeln.

Der Verfahrensstress führte bei einer 27-jährigen Ex-Bordell-Mitarbeiterin jetzt zu einem Ausbruch. Im Gerichtssaal verkündete sie: "Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr!" Der Frau wird vorgeworfen, einem Gast ein mit K.o.-Tropfen versetztes Getränk angeboten zu haben. Ein Arzt attestiert der 27-Jährigen, dass sie unter einer depressiven Störung leide. Sie neige zur inneren Trennung von Wahrnehmungs- und Gedächtnisinhalten und sei daher nur noch maximal zwei Stunden verhandlungsfähig.

Erst nach einer Pause könne sie dann weitere zwei Prozessstunden durchhalten. Dass diese Angeklagte vor kurzem eine Fehlgeburt erlitt, schreibt sie ebenfalls dem Stress als Angeklagte zu. Ähnlich mitgenommen ist eine weitere Angeklagte. Die 37-Jährige liest im Gerichtssaal Zeitung oder löst Kreuzworträtsel, um der nervlichen Belastung standzuhalten. Bei einer dritten Angeklagten müsste das Landgericht wegen deren Schwangerschaft bald darüber nachdenken, wie es mit dem Verfahren weitergeht.

(wuk)