Düsseldorf: Rollstuhlfahrer und LEG lagen im Clinch

Düsseldorf : Rollstuhlfahrer und LEG lagen im Clinch

Ein Mieter steckte im Aufzug fest und alarmierte die Feuerwehr, weil kein Notruf möglich war.

An den 9. Oktober kann sich Joachim Scheider gut erinnern. Es war der Tag, an dem der Rollstuhlfahrer in dem Mietshaus an der Eduard-Schloemann-Straße 20 mit dem Aufzug steckengeblieben war. Für ihn eine Situation mit besonders hohem Stressfaktor, denn der 66-Jährige hat eine kardiologische und neurologische Erkrankung sowie eine posttraumatische Belastungsstörung.

Eine Verbindung über die Notruftaste kam nicht zustande, so dass Scheider mit seinem Mobiltelefon, das zunächst auch keinen Empfang hatte, zur Rettung die Feuerwehr alarmierte. Nachdem die Kräfte Scheider und eine weitere Person befreit hatten, sagte der Einsatzleiter dem 66-Jährigen, dass sich der Aufzug generell in einem schlechten Zustand befände. Dies hatte der Rollstuhlfahrer vorher bereits befürchtet, denn der Aufzug in dem Wohnhaus fällt so oft aus, dass er schon Protokoll darüber führt und mit dem Vermieter, der LEG Wohnen GmbH, seit längerem im Clinch liegt. Dies führte in der Vergangenheit schon so weit, dass die Antidiskriminierungsstelle des Bundes eingeschaltet wurde, da laut LEG die vielen Aufzugsstörungen "auch durch unachtsames Einfahren mit Rollatoren und und Rollstühlen" zurückzuführen sei. Für Scheider eine nicht hinnehmbare Äußerung.

Nun fand der Streit zwischen Mieter und Vermieter nach dem Feststecken des Aufzuges und der Alarmierung der Feuerwehr eine Fortsetzung. "Uns entzieht sich das Verständnis für die Notwendigkeit, die Feuerwehr zu rufen(...). Im Falle einer Belastung von Kosten werden wir prüfen lassen, wer hierfür aufzukommen hat", schrieb die LEG an Mieter Scheider, weil bei der Aufzugnotrufzentrale keine Meldung eingegangen war und direkt die Feuerwehr gerufen wurde. Dies war für den 66-Jährigen der Grund, sich an die RP zu wenden, um den Sachverhalt aufklären zu lassen.

Nach Anfrage bei der LEG muss sich der Rollstuhlfahrer nun keine Sorgen mehr machen, gegebenenfalls die Rechnung für den Einsatz zu begleichen. "In seinem Schreiben erwähnte Herr Scheider nicht, dass er uns über den Notfallknopf nicht erreichen konnte. Daher sind wir davon ausgegangen, dass er dies nicht versucht hat. Wir glauben Herrn Scheiders nachträglicher Schilderung und werden daher aus Kulanzgründen auch die etwaigen Kosten für den Feuerwehreinsatz übernehmen", heißt es nun in einem Schreiben aus dem Unternehmen. Außerdem: "Jeder unserer Aufzüge wird entsprechend den technischen Vorgaben und gesetzlichen Regelungen geprüft und gewartet. Eine standardmäßige Sanierung des betreffenden Fahrstuhls steht für nächstes Jahr auf dem Plan."

Dann wird Scheider allerdings nicht mehr Mieter der LEG sein. Er hatte bereits vorher seine Kündigung eingereicht und auch eine neue Wohnung gefunden. "Bei der LEG werde ich sicherlich nicht mehr einziehen", sagt der 66-Jährige.

(RP)
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