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Düsseldorf: Rockerkrieg: Das Schweigen der Altstadtwirte

Düsseldorf : Rockerkrieg: Das Schweigen der Altstadtwirte

Über den Rockerkrieg wollen die Gastronomen auf der Partymeile nicht reden. Dort läuft das Geschäft weiter wie gewohnt. Über das Geschehen hinter den Kulissen kursieren die wildesten Gerüchte.

Die Tür des "Lion" erzählt noch von der Neujahrsnacht. Die Fensterscheiben sind geborsten, im Holz gibt es tiefe Kratzer. Aber die bunten Lichter über dem Eingang des Clubs an der Bolkerstraße blinken gestern Nachmittag schon wieder wie gewohnt. Aus dem benachbarten "Engel" schallt AC/DC, die ersten Gäste stehen vor der Tür beim Alt - das Geschäft auf der Partymeile geht weiter, als sei nichts geschehen.

Rockerbanden sind kein Gesprächsthema, oder zumindest nicht, wenn die Presse kommt. Niemand in den umliegenden Kneipen und Clubs redet gern über die Geschehnisse wenige Stunden nach dem Jahreswechsel, bei denen ein unbeteiligter 24-Jähriger verletzt worden war, über die großen Polizeieinsätze am vergangenen Wochenende - und schon gar nicht über den Einfluss der Rocker auf der Bolkerstraße im Allgemeinen.

"Als das passiert ist, hatten wir schon zu", heißt es, oder: "Wir bekommen von sowas nichts mit." Viele Kellner verweisen auf ihre Chefs, aber die sind gerade im Urlaub, in der anderen Filiale oder wollen zurückrufen, was sie nicht tun.

Natürlich, von der Auseinandersetzung unter Angehörigen zweier Rockerclubs hat inzwischen jeder gehört. Mehrere Mitglieder der Hell's Angels hatten in der Neujahrsnacht versucht, die Tür zum "Lion" gewaltsam zu öffnen, weil ihnen der Zutritt verwehrt worden war. Sie nutzten Heizpilze als Rammbock.

Durch die verschlossene Tür des Club "Lion" an der Bolkerstraße hat in der Silvesternacht ein 40-Jähriger auf Hell's Angels geschossen. Foto: Hans-Jürgen Bauer

Der Türsteher im Club schoss durch die verschlossene Tür- und ein Querschläger traf den jungen Mann. Das sind Szenen, die so gar nichts mehr mit dem fröhlichen Bild der "längsten Theke der Welt" zu tun haben. Machen sich die Mitarbeiter der umliegenden Läden jetzt Sorgen? "Ist halt Altstadt, da ist immer was los", sagt eine Kellnerin. Dann räumt sie weiter Gläser ins Regal.

Die Einzelhändler in der Gegend sind gesprächiger, aber sie haben ihre Läden auch längst geschlossen, wenn die Bolkerstraße am späten Abend ihr Gesicht verändert - und in der Gastronomie die Kassen klingeln.

Dann, wenn die Straße nicht mehr nur ein Teil der historischen Altstadt ist, sondern die legendärste Saufmeile Deutschlands. Wenn Horden von jungen Menschen aus ganz NRW einfallen und sich betrinken, wenn Riesenschuppen wie "Oberbayern" oder "Ballermann 6" rappelvoll sind. Was dann hinter den Kulissen los ist, darüber gibt es unter den Händlern die wildesten Gerüchte. Man erzählt sich, den Rockerbanden würden schon ganze Häuser gehören. Aber nichts Genaues weiß man nicht.

Im Schumacher-Brauhaus "Goldener Kessel" hat man den Polizeieinsatz am Wochenende hautnah miterlebt. Vor der Tür überprüfte die Polizei Personalien, die Kellner haben staunend zugesehen. Auf dem Stück zwischen Kessel und Schlüssel geht es etwas ruhiger zu - und darüber ist man nicht undankbar. Kessel-Betriebsleiter Boris Neuhausen meint, dass sich die Bolker schlecht entwickelt, und das nicht nur wegen der Rocker. Zu viele Junggesellenabschiede, zu wenig Niveau, findet er. Die gesetztere Kundschaft der Brauhäuser komme inzwischen teilweise unter der Woche lieber als am Wochenende. Nachrichten von einem Rocker-Krieg tragen dazu bei.

Um die Laune der Gäste sorgt sich auch Primo Lopez, Inhaber zahlreicher Restaurants in der Schneider-Wibbel-Gasse. Er habe nie Probleme mit Rockern gehabt, sagt er, aber für die gesamte Altstadt seien die Ereignisse schlecht. "Es ist traurig, dass so etwas passiert", sagt er. "Die Leute werden Fragen stellen."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Polizei-Großeinsatz wegen vermutetem Rockertreffen

(RP)