Prozess um Skulptur: Richter: Penck muss aussagen

Prozess um Skulptur : Richter: Penck muss aussagen

Der in Dresden geborene Grafiker und Bildhauer A. R. Penck (70) leidet unter einem "schweren Stasi-Trauma" und habe daher "Probleme, vor einem Gericht in Deutschland" zu erscheinen. Mit dieser Begründung ließ der ehemals enge Freund und Weggefährte des Kunstprofessors Jörg Immendorff im Mai einen Vernehmungstermin vor dem Oberlandesgericht (OLG) platzen.

Penck, so seine Anwälte, könnte vor Gericht "ausfallend" werden, auch bestehe die Gefahr, dass er "einen Kontrollverlust" erleide. Doch das OLG will in einem Zivilprozess um die Echtheit einer angeblichen Penck-Skulptur auf seine Aussage nicht verzichten. Zum nächsten Termin im Oktober will Penck jetzt aus Irland anreisen.

Schon seit mehreren Jahren beschäftigt der Prozess um eine vermeintliche Penck-Plastik mit dem Titel "Der Franzose" (Streitwert 20 000 Euro) die Justiz. Ein Sammler hatte bei dem Versuch, eine Bronzeskulptur zu verkaufen, den Ärger des Meisters auf sich gezogen. Penck behauptete, von jenem Motiv gebe es nur sieben Versionen, die jetzt angebotene achte Skulptur müsse daher ein Raubguss, eine Fälschung oder ein illegaler Nachguss sein.

Doch der Eigentümer zog gegen diese Darstellung des Bildhauers vor Gericht, erstritt beim Landgericht einen Maulkorb für Penck, ist in der Berufung vor dem OLG gescheitert und kämpft aktuell darum, den Fall vor den Bundesgerichtshof zu bringen. In diesem Zusammenhang wollten die OLG-Richter des 15. Zivilsenats (Az: I-15 U 195/08) den Künstler im Mai leibhaftig befragen. Doch Penck sagte ab. Er könne zwar aus Irland anreisen, wo er seit 1987 lebt, aber für Richter und Prozessbeteiligte sei die Vernehmung nicht ohne Risiko.

Bis zu seiner Übersiedlung im Jahre 1980 nach Kerpen war Penck in der damaligen DDR vielfach durch die Stasi kontrolliert und unter Druck gesetzt worden. Etliche seiner Werke, in denen er sich unter anderem mit Jörg Immendorff für eine Abschaffung der deutsch-deutschen Grenze eingesetzt hatte, wurden beschlagnahmt. Auch gab es ungeklärte Einbrüche in sein Atelier. Aus jener Zeit habe er ein "Stasi-Trauma" zurückbehalten, das auch bei einer Vernehmung vor der bundesdeutschen Justiz zu Ausrastern führen könne. Das OLG hat den Künstler dennoch für den 8. Oktober erneut vorgeladen.

(RP)