Düsseldorf: Rheinuferpromenade verkommt

Düsseldorf : Rheinuferpromenade verkommt

Das bunte Kunstwerk an der Freitreppe ist voller Graffiti und verblasst, an den Kasematten herrscht baulicher Wildwuchs. Die Pächter gehen mit der Mauer um wie Bob der Baumeister im Vollrausch. Stromleitungen sind kreuz und quer über die Steine verlegt, Verteiler- und Steckdosen festgedübelt.

Im Sommer wird die Rheinuferpromenade wieder einer der großen Düsseldorfer Anziehungspunkte sein. Zigtausende Menschen kommen an den Wochenenden und genießen die Stimmung, bummeln unter den Platanen oder trinken und essen an den Kasematten. Was ihnen kaum auffällt: Sie sitzen an der mehr als hundert Jahre alten Hochwasserschutzmauer. Ein Baudenkmal, von dem man meinen sollte, dass es halbwegs respektvoll behandelt wird.

Die Elektroinstallationen sind kreuz und quer auf der Wand verlegt – ob auf der Beton- oder der Steinmauer. Foto: Schaller,Bernd

Das Gegenteil ist der Fall: Die Pächter der Kasematten gehen mit der Mauer um wie Bob der Baumeister im Vollrausch. Stromleitungen sind kreuz und quer über die Steine verlegt, Verteiler- und Steckdosen festgedübelt. Werbeschilder aller Art gibt es natürlich auch, Jägerzäune, große und kleine Schränke für allerlei, was man so braucht in der Gastronomie. Ein Treppenabgang zur Weißen Flotte ist kreativ überbaut worden. Auf einem Schild, unter dem die Passanten hindurchmüssen, wird auf den Brauereiausschank aufmerksam gemacht. Da ließen sich die Betreiber gegenüber nicht zweimal bitten und montieren ihrerseits ein Schild.

Werbung an der Wand, Möbel aller Art. Auch bei den Markisen ist erlaubt, was gefällt. Foto: Schaller,Bernd

Damit nicht genug. Das Flair von Hobbykellern atmen auch die Kasematten selbst. Die waren einst als Gastronomieräume geplant und auch ausgestattet worden, teils sind sogar Mosaiken an der Wand. Darüber hat man jetzt Regale angebracht für Hunderte von Gläsern und Tellern. Die sind auch nötig, weil es fast 2000 Sitzplätze an den Kasematten gibt. Da wird alles, was innen ist, für die Kücheninfrastruktur benötigt. Deswegen hat man aus der Bar Bato am Alten Hafen auch die schicke Theke herausgerissen.

Was die Stadt als Eigentümer dazu sagt? Die Kommunikation scheint sich fast auf Nullniveau eingependelt zu haben. Es gebe von der Stadtverwaltung keine einheitlichen Richtlinien und keine Ansprechpartner, ist unter den Wirten zu hören. Man sei ja bereit, mehr zu investieren und einen ordentlichen baulichen Zustand herzustellen, allein es fehle der Kontakt. Es habe Begehungen gegeben, sagt dagegen Baudezernent Gregor Bonin, auch Anhörungen. "Ich will den Faden gerne aufnehmen, damit sich die Situation verbessert." Sinnvoll wäre es, denn auch die elektrische Ausstattung scheint dem enormen Bedarf nicht zu entsprechen. Erst vor kurzem sind wieder Leitungen durchgeschmort, die dann auch ersetzt wurden — allerdings nicht in leistungsstärkerer Ausführung.

Ganz schlimm steht es um die bunte Mauer an der Freitreppe am Burgplatz, das bunte Kunstwerk "Rivertime" von Hermann-Josef Kuhna. "Darum müssen wir uns dringend kümmern", sagt der Vorsitzende des Kulturausschusses, Friedrich Conzen (CDU). Er ist auf der Suche nach einem Sponsor, der die knapp 300 000 Euro aufbringt, um die vielen bunten Punkte durch Bruchkeramik zu ersetzen. Das wäre auch hilfreich gegen die vielen Sprayer, welche das Werk verunstaltet haben. "Ich bin tief enttäuscht", sagt Kuhna, "ich habe beim Oberbürgermeister-Büro angefragt, Angebote hinterlegt, nichts passiert. So verhält sich eine Kunststadt doch nicht."

(RP)
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