Derendorf: Rheinmetall – Schornstein fällt

Derendorf: Rheinmetall – Schornstein fällt

Einen lauten Knall gab es am Samstagmorgen am ehemaligen Rheinmetall-Gelände: Experten sprengten einen 65 Meter hohen Schornstein. Auf dem Grundstück will die Modefirma Gerry Weber einen neuen Showroom bauen.

Am Samstagmorgen ist in der Unternehmerstadt auf dem ehemaligen Rheinmetall-Gelände in Derendorf ein 65 Meter hoher Schornstein gesprengt worden. Auf dem Grundstück baut der westfälische Modeproduzent Gerhard Weber ein neues Gebäude, um sein Showroom-Konzept zu erweitern.

Drei warnende Sirenentöne gaben die Sprengmeister im Vorfeld ab, um 10 Uhr wurde die Sprengladung per Knopfdruck gezündet. Wie ein lauter Donnerschlag hallte es über das Gelände, dann fiel der Turm wie in Zeitlupe auf die Erde, auf ein extra aufgeschüttetes Fallbett. Der Aufschlagswinkel war zuvor genau berechnet worden, trotzdem lief nicht alles glatt: Zwar landete der Großteil des Schutts in der vorgesehenen Grube, Erdklumpen und Steine fielen aber auch auf die angrenzende Derendorfer Allee.

Schutt fliegt auf die Straße

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Ein angrenzendes Gebäude wurde leicht beschädigt, weil Lehmklumpen durch den Druck der Explosion gegen die Hauswand schleuderten. Die metallene Spitze des alten Turms schlug nur einige Meter entfernt von der Derendorfer Allee auf – schon vor der Sprengung hatte die Stahlkonstruktion den Verantwortlichen Sorgen bereitet: "Ziegelsteine fallen flach auf die Erde, Stahl aber federt", erläuterte Roland Steinberg, Oberbauleiter der Hildener Abbruchfirma Kliemt. Deswegen war das Gelände rund um den Turm weiträumig abgeriegelt worden: Die Derendorfer Allee und die Heinrich-Ehrhardt-Straße waren gesperrt, 50 Anwohner mussten ihre Wohnungen verlassen. Auch das angrenzende Innside Hotel wurde geräumt. Ordnungsamt und Polizei waren mit mehr als 30 Einsatzkräften vor Ort, die beteiligten Firmen Kliemt und Thüringer Sprenggesellschaft mit 15 Mitarbeitern. "Trotz kleiner Fehler ist alles glattgelaufen", sagte Ingenieur Klaus-Peter Spannhoff nach der Sprengung. Sein Architekturbüro betreut deutschlandweit Bauprojekte von Gerry Weber, darunter das in Düsseldorf. Die durch die Sprengung entstandenen Schäden werde das Modeunternehmen beheben lassen. "Und den Schutt auf der Straße beseitigen wir noch heute", meinte Spannhoff.

Seit vier Wochen laufen die Abbrucharbeiten auf dem 7000 Quadratmeter großen Grundstück. Dort stand ein Kesselhaus der Rheinmetall, deren Abgase über den nun gesprengten Schornstein geleitet wurden. Das Haus wurde bereits abgebaut, bei dem Turm wäre ein regulärer Abriss zu teuer gewesen – daher die Sprengung.

30 Millionen Euro investiert Gerry Weber in Grundstück, Abbruch und Neubau, im Herbst 2011 soll das neue Gebäude im Bauhaus-Stil bezugsfertig sein. Das Modeunternehmen besitzt auf dem ehemaligen Rheinmetall-Gelände bereits ein Objekt, die Halle 29, ein Showroom nicht nur für eigene Produkte, sondern auch für Marken wie Brax, Gardeur und Seidensticker. Im neuen, sechsstöckigen Gebäude, das den Namen Halle 30 tragen wird, können rund 35 Mieter einziehen. Im ersten Bauabschnitt, der nun beginnt, wird zunächst eine Tiefgarage gebaut.

(RP)
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