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Düsseldorf: Rheinmetall macht Verlust in Rüstungssparte

Düsseldorf : Rheinmetall macht Verlust in Rüstungssparte

Der Düsseldorfer Konzern leidet unter anderem darunter, dass die Bundesregierung einen Export nach Russland verboten hat.

Es ist paradox: In vielen Teilen der Welt nehmen die Spannungen zwischen Staaten zu. Die Zahl militärischer Konflikte steigt. Und die deutsche Rüstungsbranche schreibt Verluste. Gestern gab der Düsseldorfer Mischkonzern Rheinmetall bekannt, dass er in seiner Rüstungssparte einen Verlust verbuchen muss, und das, obwohl der Umsatz gestiegen ist. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres erlöste das Unternehmen, das seine Konzernzentrale in Derendorf hat, 1,4 Milliarden Euro. Das sind zehn Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der operative Verlust jedoch stieg drastisch an, von 32 auf jetzt 84 Millionen Euro.

Rheinmetall hatte bereits zu Wochenbeginn mitgeteilt, dass für die Rüstungssparte im Gesamtjahr vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten ein Verlust von zehn Millionen Euro erwartet wird. Bis dahin war mit einem operativen Gewinn der Rüstungssparte von bis zu 75 Millionen Euro gerechnet worden. Da es in der Autosparte des Konzerns hingegen besser als erwartet läuft, mussten die Düsseldorfer ihr konzernweites Gewinnziel von bis zu 220 auf 150 Millionen Euro kappen.

Als eine der Ursachen für den deutlichen Gewinnrückgang in der Rüstungssparte nannte Rheinmetall gestern die von der deutschen Bundesregierung verhinderte Lieferung an Russland. So heißt es in einer Pressemitteilung, "der Widerruf der Exportgenehmigung für das nach Russland zu liefernde Gefechtsübungszentrum sowie marktbedingte Umsatzrückgänge und außerplanmäßige Kostenüberschreitungen bei Entwicklungsprojekten einer skandinavischen Tochtergesellschaft (haben) das operative Ergebnis belastet." Rheinmetallchef Armin Papperger hatte sich wegen des Russlandauftrags in deutlichen Worten an die Bundesregierung gewandt und sogar mit Abwanderung gedroht. "Alle großen Rüstungsunternehmen prüfen, ob sie auf Dauer im Lande bleiben können", sagte Papperger Ende September in seiner Funktion als Bundesverbandsvorsitzender der Rüstungsbranche. "Wenn mein Land bei mir nicht kauft und mir gleichzeitig sagt, du darfst nicht exportieren, dann halte ich das nicht lange durch."

In der Sparte Combat Systems hätten neben der allgemein schwachen Marktverfassung auch Verzögerungen bei der Erteilung von Ausfuhrgenehmigungen insbesondere für Munition und bei Schutzsystemen zu unerwartet hohen Ergebniseinbußen geführt. Darüber hinaus habe im dritten Quartal Vorsorge für mögliche Gewährleistungsansprüche aus einem Geschäft mit Marinewaffen getroffen werden müssen, hieß es.

Auch die mittelfristigen Aussichten verschlechtern sich für das MDax-Unternehmen. Mit einem Auftragseingang von knapp 1,6 Milliarden Euro wurde der Vorjahreswert von 2,6 Milliarden Euro zwar deutlich verfehlt. Dabei sei aber zu berücksichtigen, dass im Vorjahr noch die Großaufträge aus dem arabischen Staat Katar in Höhe von 475 Millionen Euro und aus Australien (rund 1,1 Milliarden Euro) verbucht werden konnten.

An der Börse legte Rheinmetall gestern trotz der schlechten Nachrichten zu. Die Aktie stieg bis kurz vor Handelsschluss um mehr als zwei Prozent auf 31,64 Euro. Das mag überraschen, ist aber darauf zurückzuführen, dass Rheinmetall die schlechteren Zahlen und Erwartungen bereits am Montag dieser Woche angekündigt hatte. Die Börsianer waren vorbereitet.

(RP)