Rheinkirmes 2015: Die letzten Fahrten der alten Wasserbahn

Düsseldorf: Die letzten Fahrten der alten Wasserbahn

Am Wochenende heißt es Abschied nehmen von der Kirmes. Die Wildwasserbahn, eines der beliebtesten Fahrgeschäfte, wird mit völlig anderem Aussehen zurückkehren - und nur noch wenige Male nach Düsseldorf kommen.

Der Trapper über dem Eingang schweigt schon. Die Sprechpuppe, die früher die Besucher begrüßt hat, ist defekt, doch Marlis Löwenthal wird sie nicht reparieren lassen. Schließlich müssen die Western-Figuren nur noch die letzten Tage in Düsseldorf und die Cranger Kirmes bestreiten - dann ist ihre Zeit gekommen. Die Bahn wird renoviert und umgestaltet, das neue Thema heißt Bauernhof. Das ist notwendig, damit sie überhaupt weiter reisen kann - und verzögert den endgültigen Abschied von der größten transportablen Wasserbahn zumindest um wenige Jahre. "Wir werden vielleicht noch zwei Jahre nach Düsseldorf kommen, wenn wir dürfen", sagt Marlis Löwenthal.

Dass die Bahn wiederkommen darf, gilt als ziemlich sicher. Sie gehört zu den spektakulärsten Attraktionen auf Reisen - und zu den von den Düsseldorfern besonders liebgewonnenen. Seit langem stehen die Löwenthals mit ihren Bahnen an dem markanten Platz vor der Oberkasseler Brücke, so dass die Besucher von oben den Booten zuschauen können. Viele, die heute mit ihren Kindern auf die Bahn gehen, sind schon als Kind damit gefahren. Die Löwenthals leben zwar in Bayern, aber ihre Schaustellerkarriere ist eng mit der Rheinkirmes verbunden: Vor 35 Jahren feierten sie dort mit der ersten transportablen Wasserbahn ihre Weltpremiere - die schiefging. Die Bahn verlor am ersten Tag Tausende Liter Wasser. Die Feuerwehr pumpte Rheinwasser, damit die Fahrt weitergehen konnte. Zehn Jahre später folgte die zweite Bahn, dann vor 20 Jahren die noch größere "Wildwasserbahn III".

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Die ist heute ein Relikt aus einer anderen Kirmes-Ära. "Dieser Gigantismus passt nicht mehr in die Zeit", sagt Marlis Löwenthal. Diesen Satz versteht man spätestens, wenn man einen Blick in die Technik-Zentrale wirft. Zwei Elektriker überwachen die riesige Anlage per Video. Im Hinterraum laufen unzählige Kabel zusammen, Hunderte Schaltrelais klackern beständig und zeigen an, wo sich die Boote befinden. Bei einem Fehler stoppt die Anlage, so wie für eine Stunde am ersten Kirmes-Wochenende. Kaum eine andere Attraktion ist so groß und so aufwendig - das lässt sich kaum noch finanzieren. "Früher waren wir auf zwölf Plätzen im Jahr, jetzt sind es noch drei", sagt Löwenthal.

Nachdem die letzten beiden Jahre in Düsseldorf wegen des Wetters schlecht gelaufen waren, wollten die Löwenthals gar nicht mehr wiederkommen, aber das laufende Geschäft ist besser. Deshalb wollen sie es noch etwas versuchen. Den Rest des Jahres wird das Geschäft aber bald im Allgäu Skyline Park stehen, einem von zwei Freizeitparks, die die Familie inzwischen als neues Standbein betreibt. Dort sind auch die vorherigen beiden Bahnen sesshaft geworden, bald wird wohl auch Nummer drei den Platz nicht mehr verlassen. Damit die Bahn zum Thema des Parks passt, müssen jetzt erstmal die Westernfiguren weichen. Das findet die Schaustellerin verschmerzbar. "Ich hänge nicht an den Puppen", sagt sie. "Aber an der Bahn, da hänge ich schon sehr."

(RP)
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