Rheinbahn in Düsseldorf: Student erhebt Rassismus-Vorwürfe gegen Fahrerin

Vorfall in U79: Düsseldorfer Student erhebt Rassismus-Vorwürfe gegen Rheinbahn

Ein afghanischstämmiger Mann ist am Montagabend in einer U-Bahn in Düsseldorf von einer mutmaßlich psychisch verwirrten Frau rassistisch beleidigt worden. Auch von der Rheinbahn-Fahrerin fühlte er sich ausländerfeindlich behandelt.

Ein 19-jähriger Student aus Duisburg ist am Montagabend in  der U-Bahn von einem Fahrgast beleidigt worden. Er hat die Frau angezeigt. Aber er erhebt auch Vorwürfe gegen die Rheinbahn-Fahrerin. Als Zeugen sie hinzuholten, habe die nämlich nicht die schimpfende Frau, sondern den jungen Mann, der afghanische Wurzeln hat, aufgefordert, sich woanders hinzusetzen.

Am Hauptbahnhof war Bejan Yakin in die U79 eingestiegen. Die ältere Frau saß in seiner Nähe und habe ihn sofort attackiert. „Ich habe sie ignoriert“, sagt Yakin. Doch als ein zugestiegenes dunkelhäutiges Mädchen ebenfalls Ziel der rassistischen Attacken wurde, habe er die Frau aufgefordert, aufzuhören, so Yakin. Mehrere Fahrgäste hätten ihn unterstützt, doch die Seniorin habe weiter geschimpft.

Als die von Mitfahrern alarmierte Bahnfahrerin dazu kam, habe sie zuerst das Mädchen verdächtigt, die Störerin zu sein. Ihn selbst  habe sie nicht zu Wort kommen lassen sondern sofort gebeten, mit nach vorn zu kommen. „Ich habe ihr gesagt, sie solle doch bitte die Dame versetzen, schließlich war sie es ja, die alle beleidigt hat,“ sagt Yakin. Obwohl ihn die Seniorin erneut als Vergewaltiger, Stalker und frauenverachtenden Araber bezeichnete, habe die Fahrerin die schimpfende Frau gefragt, ob es für sie okay wäre, wenn der Student bliebe. „Da habe ich ihr gesagt, dass ich das höchst rassistisch finde“, so Yakin. Das Verhalten der Fahrerin habe ihn  „viel mehr getroffen als die Beleidigungen der möglicherweise verwirrten Frau“, sagt er.

Rheinbahnsprecher Georg Schumacher sieht keinen Grund, das Verhalten der Fahrerin zu beanstanden: „Sie hat sich gekümmert, sie hat die Polizei gerufen und versucht, den offenbar einzig Ansprechbaren in der Situation anzusprechen. Der hat aber ihren Deeskalationsversuch abgelehnt.“ Das könne er zwar  auch verstehen, Yakin sei sicher aufgebracht gewesen. Doch den Rassismus-Vorwurf weist Schumacher zurück. „Die Rheinbahn ist ein buntes Unternehmen. Bei uns ist kein Platz für Rassismus.“ Schumacher, der mit der Fahrerin selbst noch nicht sprechen konnte, bietet Yakin an, ein Gespräch mit ihr zu arrangieren, um den Fall zu klären.

Der zieht Kreise, seit der Student über sein Erlebnis bei Facebook berichtete. Unter anderem reagierte Ratsherr und Rheinbahn-Aufsichtsratsmitglied Martin Volkenrath (SPD) „erschrocken und verärgert, nicht zuletzt, weil die Rheinbahn intensiv Rassismus bekämpft.“ Volkenrath will den Fall zum Thema im Aufsichtsrat machen. Derartige „Exzesse sind nicht zu dulden“. Hier finden Sie weitere Reaktionen zu den Rassimus-Vorwürfen gegen die Rheinbahn.

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