Rheinbahn in Düsseldorf - immer neue Enthüllungen

Immer neue Enthüllungen : Chaos-Tage bei der Rheinbahn in Düsseldorf

In dem Düsseldorfer Verkehrsunternehmen tobt ein Führungskonflikt. Immer mehr Pannen werden bekannt – jetzt auch ein verpatztes Bauprojekt. Die Übersicht über die aktuellen Brandherde bei der Rheinbahn.

Die Rheinbahn versinkt immer tiefer im Führungschaos. Immer neue Interna geraten an die Öffentlichkeit, der Vorstand steht von allen Seiten unter Druck. Die Übersicht über die aktuellen Brandherde:

Millionensteigerung beim Umbau auf dem Betriebshof

Nicht nur bei der jüngsten Zugbestellung gab es eine Panne – der Prototyp erwies sich als zu breit für einen Bahnsteig in Duisburg. Auch bei einem Umbau auf dem Betriebshof in Lierenfeld gab es nach Informationen unserer Redaktion einen Planungsfehler. Dort sollte eine Maschine installiert werden, mit der die Räder der Bahnen geschliffen werden.

Allerdings wurde offenbar bei der Planung der sogenannten Unterflurdrehmaschine die Beschaffenheit des Bodens nicht geprüft – und die Bagger stießen überraschend auf Beton. Mehrkosten: 1,2 Millionen Euro. Insgesamt kostete die Maschine damit sechs Millionen Euro, darin enthalten auch weitere 1,2 Millionen Euro für Nachplanungen. Die Rheinbahn will dem Vernehmen nach ein Ingenieurbüro für die Probleme mit dem Untergrund haftbar machen.

Ärger um Betriebsvereinbarung für erkrankte Mitarbeiter

Wie berichtet, hat der Vorstand eine Sozialleistung für die Mitarbeiter gekündigt: Wer seinen eigentlichen Job nicht mehr ausüben kann, hatte bislang einen Anspruch darauf, an anderer Stelle im Unternehmen eine Tätigkeit zu bekommen. Das hat der Vorstand gestoppt. Zum Problem soll sich erwiesen haben, dass immer mehr Fahrer sich krankschreiben ließen und auf einen anderen Job pochten. Im Unternehmen wurde Kritik laut, dass viele Atteste fragwürdig seien. Rund 80 Mitarbeiter nehmen derzeit das Angebot in Anspruch, ihre Arbeitsplätze sind laut Rheinbahn nicht in Gefahr. Vorstand und Betriebsrat betonen, man wolle das Programm eigentlich weiterführen, womöglich in abgespeckter Form. Gespräche laufen.

Verdi kritisiert Vertrag mit Sicherheitsunternehmen

Die Rheinbahn hat erneut das Düsseldorfer Unternehmen ISO Security mit der Sicherung der U-Bahnhöfe auf den alten Strecken beauftragt. Es ist bereits seit mehr als 20 Jahren und mit rund 40 Mitarbeitern für die Rheinbahn im Einsatz. Das kritisiert die Gewerkschaft Verdi, die seit Jahren im Clinch mit ISO Security liegt. Sie kritisiert, dass die Geschäftsführung die Rechte von Mitarbeitern nicht achte und die Gründung eines Betriebsrats untersage.

„Anscheinend ist für die Rheinbahn der Preis entscheidender als die Rechte der Mitarbeiter“, beklagt Gewerkschaftssekretär Özay Tarim. ISO-Geschäftsführer Bernd Roll weist die Vorwürfe zurück. „Die Rheinbahn hat überprüft, ob wir den Tariflohn zahlen und uns an Gesetze halten“, sagt er. Auch Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher verweist auf einen langen Katalog von Anforderungen von der Arbeitssicherheit bis zur Entlohnung. In die Frage, ob ISO Security einen Betriebsrat hat, dürfe sich die Rheinbahn rechtlich nicht einmischen.

Diskussion um hohes Gehalt für den Betriebsratschef

Der Vorsitzende des Betriebsrats, Michael Pink, hat sich öffentlich gegen Vorstandschef Michael Clausecker gestellt. Nun berichtete die „Bild“-Zeitung über das hohe Gehalt des Mitarbeitervertreters: Der gelernte Schlosser ist in die Lohngruppe 14 eingruppiert und verdient damit bis zu 6748 Euro pro Monat. Pink bestätigt die Informationen, sagt aber wie auch der Unternehmenssprecher, dass es sich um eine bekannte und geprüfte Tatsache handele.

Der langjährige Betriebsrat sagt, er habe seine letzte Höherstufung im Jahr 2017 sogar von einem Anwalt begleiten lassen, um spätere Rückfragen zu vermeiden. Rheinbahn-Sprecher Schumacher berichtet von zwei Gutachten, die das Vorgehen bestätigen. Hintergrund: Das Betriebsverfassungsgesetz besagt, dass Betriebsräte für ihre Tätigkeit nicht benachteiligt werden dürfen. Das Gehalt sei daher einer Karriere, die Pink ohne sein Amt gemacht hätte, angepasst worden.

Aufsichtsrat spricht über Zukunft des Vorstands

Die Rheinbahn kommt seit Monaten nicht zur Ruhe, darüber hinaus gibt es massive Probleme im Betrieb: Wegen Fahrermangels und Problemen in der Werkstatt fallen viele Bus- und Bahnfahrten aus. Wie aus Unternehmenskreisen zu erfahren ist, soll auch ein drohendes Loch im Wirtschaftsplan für 2019 für Anspannung sorgen. Am 31. Oktober kommt der Aufsichtsrat im Rathaus zusammen. Brisant wird Punkt 11: „Vorstandsangelegenheiten“. Das Aus für Vorstandssprecher Michael Clausecker gilt als wahrscheinlich.

Der erst 2016 gestartete Rheinbahn-Chef will aber um seinen Posten kämpfen und hat in den letzten Tagen viele Aufsichtsratsmitglieder zu Gesprächen eingeladen. Auch Mit-Vorstand Klaus Klar, der als Arbeitsdirektor für den Personalmangel verantwortlich ist, steht unter Beschuss. Immer wieder wird von einer internen Lösung gemunkelt: Michael Richarz, Leiter der Stabsstelle Strategie, könnte für Clausecker nachrücken. Oberbürgermeister Thomas Geisel, der den Aufsichtsrat führt, und die Verkehrspolitiker des Ampel-Bündnisses aus SPD, Grünen und FDP versuchen, sich auf eine Linie zu verständigen.

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