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Rheinbahn Düsseldorf: 250 Millionen Euro für neue U-Bahnen

Größte Bestellung seit Jahrzehnten : Düsseldorfer Rheinbahn investiert 250 Millionen Euro in neue U-Bahnen

Die Rheinbahn bereitet die Ausschreibung für mehr als 90 Wagen vor. Bis die Fahrgäste in den Genuss der modernen Fahrzeuge kommen, wird es aber wohl noch sechs Jahre dauern.

Für die Düsseldorfer U-Bahn-Fahrgäste sollen bald neue Zeiten anbrechen: Die Rheinbahn startet Ende April die Ausschreibung für 90 bis 100 Stadtbahn-Wagen, dazu kommen 18 Fahrzeuge für Nachbar Duisburg. Es ist die größte Bestellung seit Jahrzehnten.

Die Bahnen sollen die roten Fahrzeuge ersetzen, die seit den 1980er Jahren auf allen U-Bahn-Strecken außer der Wehrhahn-Linie unterwegs sind („B-Wagen“). Die Bestellung hat ein Volumen von mindestens 250 Millionen Euro. Ein Haken: Bis die Wagen ausgeliefert sind, werden Jahre vergehen – das ist normal bei solchen Fahrzeug-Bestellungen.

Die B-Wagen, das Herzstück der Rheinbahn-Flotte, sind schwer in die Jahre gekommen – was zunehmend zu Problemen im Betrieb führt. Die meisten der sogenannten Hochflur-Bahnen mit dem erhöhten Einstieg stammen aus den 1980er Jahren. Die Rheinbahn hatte sogar erwägt, diese Fahrzeuge noch einmal zu modernisieren.

Inzwischen zeigt sich aber immer deutlicher, dass die Fahrzeuge ihr Höchstalter erreicht haben: Zum zweiten Mal hatte die Rheinbahn im vergangenen Jahr mit Rissen zu kämpfen, diesmal in der Außenhülle. Alle Wagen mussten daher überprüft werden. Auch Türen und Bremsanlagen führen zunehmend zu Ausfällen.

Die Fahrzeuge haben teilweise mehr als zwei Millionen Kilometer zurückgelegt. Dazu kommt, dass den Bahnen das Jahrzehnte alte Design anzusehen ist. Auf der Wehrhahn-Linie verkehren hingegen moderne Niederflur-Bahnen mit Silberoptik, die erst vor rund zehn Jahren für die neue Verbindung angeschafft worden sind.

Die neuen Bahnen mit dem Arbeitstitel HFX werden einen der häufigsten Wünsche von Fahrgästen erfüllen: Sie haben eine Klimaanlage. Darüber hinaus werden die sogenannten Multifunktionsbereiche für Kinderwagen, Rollatoren oder Fahrräder vergrößert.

Auch sonst soll der Standard der Technikentwicklung angepasst werden. Der neue Technik-Vorstand Michael Richarz verweist als Beispiel auf die jüngsten Bahnen der Nürnberger Verkehrbetriebe, die er dort mitentwickelt hat („G1“). Diese sind energiesparend, haben breitere Türen und ermöglichen durch eine Spaltüberbrückung einen barrierefreien Ausstieg. Das könnte auch in Düsseldorf bald Standard werden.

Ein Wermutstropfen für Fahrgäste: Die Neubestellung zieht sich. Für die Ausschreibung ist ein Jahr veranschlagt. Anschließend droht eine gerichtliche Anfechtung, die sechs bis zwölf Monate dauern könnte. Dann muss der Hersteller anderthalb bis zwei Jahre die Fertigung planen. 2024 könnten die ersten Bahnen in Düsseldorf ankommen.

Zumindest die ältesten Bahnen aus den 1970er Jahren, die silbernen Wagen vom Typ GT8SU, werden aber schon vorher ersetzt: Nach den Sommerferien werden die ersten zehn Bahnen aus der 2014 erfolgten 120-Millionen-Euro-Bestellung bei Bombardier („HF6“) erwartet. Das sind die Bahnen, deren Prototyp durch die Kollision mit einem Bahnsteig in Duisburg für negative Schlagzeilen gesorgt hat; das Problem der Überbreite ist aber beseitigt. 43 neue Stadtbahnen dieses Typs werden erwartet, zudem zieht die Rheinbahn die Option auf die Fertigung von 16 weiteren Fahrzeugen.

Die modernen Bahnen sollen der Rheinbahn bei dem großen Ziel helfen, den Anteil von Bus und Bahn am Gesamtverkehr erheblich zu erhöhen – und dafür mehr Autofahrer zum Umstieg zu überzeugen. Das gilt als Hauptaufgabe des neuen Aufsichtsrats. Die neuen Züge sollen eine dichtere Taktung in Spitzenzeiten ermöglichen, die bislang mit dem eng bemessenen Fuhrpark der Rheinbahn nicht möglich ist. Zudem sollen die modernen Fahrzeuge, deren Design noch entwickelt wird, die neue Visitenkarte der Rheinbahn werden.