Rheinbahn: Chefin muss Posten wegen Dienstwagen-Affäre abgeben

Aufsichtsrat hat getagt : Rheinbahn-Chefin muss nach Dienstwagen-Affäre ihren Posten räumen

Nach nur einem halben Jahr ist Sylvia Lier ihren Job als Finanzchefin des Verkehrsunternehmens los. Grund sind Vorwürfe über ihre Dienstwagen-Nutzung. Sie könnte aber eine Zukunft bei einer anderen Stadttochter haben.

Die Rheinbahn kommt nicht zur Ruhe. Die erst im Mai angetretene Vorständin Sylvia Lier muss ihren Posten räumen. Der Aufsichtsrat stimmte am Donnerstag zu, den Vertrag mit der Managerin zu lösen. Grund ist eine Affäre um ihre Dienstwagen-Nutzung. Lier könnte in Düsseldorf eine Zukunft haben: Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) und Lier können sich vorstellen, dass sie als Chefin einer in der Gründung befindlichen städtischen Mobilitätsgesellschaft die Verkehrswende vorantreibt. Entschieden ist das aber noch nicht.

Lier stand unter anderem in der Kritik, weil sie ihre Dienstwagen – darunter ein Jaguar und später ein Tesla – ihrem Mann gegeben hatte, der fast 14.000 Kilometer fuhr. Zudem übergab sie ihm die Firmen-Kreditkarte. Vor allem Mitarbeitervertreter hatten das scharf kritisiert. Ein Grund für eine fristlose Kündigung ergab sich aber nicht: Nach intensiver Prüfung habe der Aufsichtsrat festgestellt, dass „keine juristisch vorwerfbaren Pflichtverletztungen“ vorliegen, hieß es in einer Mitteilung. Lier bedaure aber „außerordentlich, dass sie durch ihr unsensibles, nicht den Gepflogenheiten der Rheinbahn entsprechendes Verhalten Anlass für eine solche Prüfung gegeben“ habe.

Für die Rheinbahn ist es die nächste teure Personalie: Erst vor rund einem Jahr hatte der Aufsichtsrat den Vorstandschef Michael Clausecker unter anderem wegen enttäuschender Fahrgastzahlen abgesetzt. Er erhielt eine Abfindung von 561.000 Euro. Lier steht eine Abfindung nach üblichen Konditionen zu, wie Geisel bestätigte. Damit erhält sie 560.000 Euro. Sie ist aber einverstanden, dass das Geld im Falle der Weiterbeschäftigung angerechnet wird – auch das würde die Lösung für die Stadt interessant machen. Für Lier wäre es eine Chance zur Rehabilitation. Zudem ist unbestritten, dass sie einschlägige Erfahrungen hat: Bei der Bahn-Tochter Connect kümmerte sie sich um neue Mobilitätsangebote, das soll ein Schwerpunkt der Stadttochter werden, für die noch die Zustimmung der Politik fehlt.

Die Finanzchefin war Teil eines neu formierten dreiköpfigen Vorstands. Ihr schnelles Aus zeigt auch die tiefen Gräben im Unternehmen. Geisel kritisierte am Abend „schwerwiegende Indiskretionen“ aus dem Aufsichtsrat. Solche Vorgänge kenne er von anderen Stadttöchtern nicht. Das Verhältnis zwischen den Arbeitnehmervertretern, die die Hälfte der Sitze im Aufsichtsrat und damit großen Einfluss haben, und den Vertretern der Stadt ist angespannt. In der Politik herrscht Verärgerung über das Auftreten des Betriebsrats, der sich öffentlich gegen Lier stellte – genau wie schon gegen Clausecker.

Die Spannungen im Unternehmen dürften auch die Suche nach einem Nachfolger belasten. Es gilt sogar als ungewiss, ob das Amt bis zur Kommunalwahl im September wiederbesetzt wird. In der Politik wird sogar überlegt, die Struktur der Rheinbahn zu verändern. Denn diese soll eine Schlüsselrolle bei der im Rathaus gewünschten Verkehrswende einnehmen – die internen Konflikte erschweren das.

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