Rheinbad Düsseldorf: Bademeister brachten sich in Sicherheit

Chaotische Zustände im Rheinbad Düsseldorf : Bademeister brachten sich in Sicherheit

Die Jugendlichen übernahmen am Samstag kurzzeitig die Kontrolle des Bads – bis die Polizei durchgriff. Auch am Sonntag spitzte sich die Lage in dem Freibad plötzlich zu. Jetzt geht es um die Konsequenzen aus den chaotischen Zuständen.

Nicht eine einzige Strafanzeige ist nach den beiden Großeinsätzen am Wochenende im Rheinbad erstattet worden. Trotzdem spricht die Polizei von erfolgreichen Einsätzen: „Die Situationen wurden beruhigt, niemand wurde verletzt – das ist, was wir zu tun hatten, und das haben wir getan“, sagt Kim Freigang, Sprecher des Polizeipräsidiums.

Zweimal hat die Polizei am Wochenende auf Bitten der Betreiber das Rheinbad räumen müssen. Beide Male waren junge Männer der Anlass, die sich in großen Gruppen aggressiv und streitlustig gegenüber Badegästen und Polizisten zeigten. Am Samstag war eine vierköpfige Familie mit einem jungen Mann aneinandergeraten, der innerhalb von Minuten von rund 150 anderen unterstützt wurde. Zeugen sprechen von Männern mit augenscheinlich arabischstämmigem Migrationshintergrund.

Ähnlich werden die Männer beschrieben, die am Sonntagnachmittag in großer Zahl ins Rheinbad kamen und dort die Stimmung störten. Mehrere Familien verließen das Bad, fünf der Störenfriede bekamen Hausverbot. Als sie dagegen protestierten, alarmierte das Personal die Polizei. Den Beamten gegenüber gaben sich die Störer kooperativ, wollten lediglich ihre Habseligkeiten von der Liegewiese holen. Dabei wurden sie von den Polizisten begleitet – und diese sahen sich plötzlich von etwa 200 johlenden jungen Männern umringt, die Schimpfworte und Beleidigungen grölten. Die südländisch aussehenden Männer hätten sich bis dahin in kleinen Gruppen auf der Wiese aufgehalten und nichts miteinander zu tun gehabt, sagt Freigang. Auch die Beamten, die eine Schlägerei zwischen zwei deutschen Familien schlichteten, seien von dieser Klientel verbal attackiert worden.

Seine Kollegen hätten die Situation mit Verstärkung in den Griff bekommen. Der Badbetreiber habe dennoch beschlossen, aus Sicherheitsgründen zu schließen. Dabei habe die Polizei das Personal dann unterstützt. Eine Räumung auf polizeiliche Anordnung habe es nicht gegeben. Die Bad-Betreiber seien jetzt am Zug, sagt Freigang: „Wenn solche Fälle öfter auftreten, muss man etwas unternehmen. Wir stehen für beratende Gespräche gerne zur Verfügung.“

Ein Handyvideo, das unserer Redaktion vorliegt, zeigt das Ausmaß der Eskalation am Samstag: Die Bademeister hatten sich in Sicherheit gebracht, Jugendliche sprangen ohne Aufsicht und in engem Abstand von den beiden Sprungtürmen und wurden von der Menge bejubelt, bis mehr als 60 Polizisten schließlich den Betrieb für den Tag beendeten und alle Badegäste nach Hause schickten. 4431 Gäste hatte das Rheinbad am Samstag gezählt, am Sonntag waren es 5239. Rekordwerte waren das nicht: Am Mittwoch zum Beispiel waren mehr als 6000 Tagesgäste in dem Bad in Stockum gewesen.

Am Montag kehrte wieder Ruhe im Rheinbad ein. Keine Warteschlange am Nachmittag an der Kasse, freie Auswahl bei der Suche nach einem Liegeplatz. Dass Konfliktpotenzial, das auch an ruhigen Tagen besteht, wurde trotzdem deutlich. Vier Teenager mit Migrationshintergrund markierten am Beckenrand ihr Revier. Die Zigarette lässig im Mund, jeder eine auffällige Kette um den Hals, dank der mitgebrachten Mini-Box gibt es deutschen Hip Hop auf die Ohren – eine Frau fühlt sich von der Musik gestört und sucht sich für ihr Sonnenbad einen neuen Platz. „So etwas ist der Normalfall“, sagt Deniz Zümrüt. Er ist Stammgast im Rheinbad und meint. „Ich habe nichts gegen Ausländer, ich bin selbst halb Türke, halb Deutscher. Aber wie die sich aufführen, ist nicht mehr normal. Sie zeigen überhaupt keinen Respekt“, sagt der Familienvater: „Außerdem werden die Anweisungen des Personals oft ignoriert.“

Vor Räumung im Rheinbad: Video zeigt, wie voll das Freibad war

Die Bahnanbindung und der zum Posen beliebte Sprungturm locken aber besonders viele Jugendliche ins Rheinbad. Peter von Rappard, Geschäftsführer des Zweckverbandes Unterbacher See, macht den Kollegen Mut: „Probleme in dem Ausmaß wie im Rheinbad kennen wir bei uns nicht. Das Personal tut einem wirklich leid, weil das Rheinbad eigentlich ein sehr schönes Bad ist, das solche Schlagzeilen nicht verdient.“

Redakteur Uwe-Jens Ruhnau fordert Hausverbote, die auch kontrolliert werden.

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