Wirtschaft und Gastronomie in Düsseldorf : Fettabscheider sind Gastronomen zu teuer

Zu den Auflagen für Restaurants gehört auch der Einbau eines Fettabscheiders. Die Kosten setzen vor allem kleine Lokale unter Druck.

Fünf Jahre hat Uli Mack an der Bilker Allee ihr Café „Wie im Himmel“ geführt. Die Speisekarte war klein, aber fein. Die Kuchen und Quiches aus eigener Herstellung waren bei den Gästen beliebt. Eines Tages flatterte die städtische Anordnung ins Haus, das Café bräuchte einen Fettabscheider. Das Gerät hilft, vom Wasser das anfallende Fett zu trennen. „Aber wir haben nur wenig Fett produziert“, sagt Uli Mack. „In jedem normalen Haushalt fällt mehr an.“ Kein Wunder also, dass die Gastronomin den Fettabscheider nicht mal eben so bestellte. Zum einen wäre es schwierig und nahezu unmöglich, in der kleinen Küche einen geeigneten Platz zu finden. Zum anderen sind da die Kosten. Bis zu 15.000 Euro nämlich würde die Anschaffung kosten – kaum zu schaffen für ein Café mit wenigen Plätzen und in den ohnehin schweren Zeiten. „Unangemessen und totaler Wahnsinn“, sagt Uli Mack und ging mit ihrem Ärger in den städtischen Beschwerdeausschuss. „Dass kleine Lokale in den Stadtteilen diese hohe Auflage erfüllen müssen, dürfte für viele Betreiber das Aus bedeuten. Die Stadt sollte uns lieber schützen, damit sich nicht überall reiche Ketten und Systemgastronomen breit machen.“

Aber trotz der Kosten und des Aufwands für den Einbau sei der Fettabscheider für die ganze Gastronomie unabdingbar, betont Ingo Noppen. Der technische Betriebsleiter des Stadtentwässerungsbetriebes sagt, das Problem von durch Fett verstopfte Rohre sei erheblich kleiner geworden, seit die Stadtverwaltung den Betrieb eines Fettabscheiders verpflichtend gemacht habe. Das war erst bei größeren Betrieben der Fall, inzwischen habe man auch ein Auge auf kleine Lokale. „Wir schauen uns die Speisekarten an und beachten auch andere Aspekte der Wirtschaft, dann müssen wir entscheiden“, sagt er. Oftmals werde von den Gastronomen unterschätzt, wie viel Fett ihre Speisevorbereitung verursacht, sagt er und räumt ein, dass kleine Betriebe die Kosten nicht ohne weiteres tragen können. Daher wird ihnen oft ein Jahr gegeben, sich das Gerät anzuschaffen. „Wir wollen diese wichtigen Kleinunternehmer nicht kaputtmachen“, sagt Nappen. „Aber auf den Umweltschutz muss geachtet werden.“ Grundsätzlich sei außerdem nicht der Miete zahlende Gastronom zum Einbau eines Fettabscheiders verpflichtet, sondern der Gebäudeeigentümer. Er würde diese Kosten aber oft an die Wirte weitergeben.

So ein Konflikt hat vor kurzem Antonia Engmann viele Nerven gekostet. Sie hat einige Jahre das kleine Lokal Petit Rouge in Unterbilk geführt, dann ordnete die Stadtverwaltung den Einbau eines Fettabscheiders an. „Für uns war das eine Vollkatastrophe“, sagt sie. Denn die Vermieter, so teilt die Gastronomin mit, zogen es vor, ihr den Einbau samt Kosten komplett zu überlassen, sofern sie weitermachen möchte. „Um unsere Existenz zu retten, entschieden wir uns für den kostspieligen Einbau.“ Allerdings kamen mit der geplanten Sanierung des Hauses und einer angekündigten Mieterhöhung noch weitere Probleme hinzu. Antonia Engmann gab auf und schloss das bei den Unterbilkerin beliebte Petit Rouge.

Aber nicht jeder Gastronom sieht die teuer Anschaffung eines Fettabscheiders so kritisch. Fatih Ayoglu etwa bleibt gelassen. Er hat erst vor wenigen Wochen sein Lokal „The Kitchen“ an der Tußmannstraße eröffnet und zuvor die ehemalige Bäckereifiliale aufwendig saniert. Der Fettabscheider kam mit einer fünfstelligen Summe auf die Rechnung. „Das ist doch legitim“, sagt er. „So bleiben Wasser und Umwelt sauber. Würde die Gastronomie auf Fettabscheider verzichten dürfen, hätten wir wegen mit Fett verstopften Rohren ein großes Problem“, meint Fatih Ayoglu.

Für Uli Mack und ihr Café „Wie im Himmel“ hat sich das Problem mit dem Fettabscheider inzwischen erledigt. Die Gastronomin hat ihr Café an der Bilker Allee geschlossen. Kuchen und Quiches backt sie aber weiter, jedoch im Modigliani. Das Lokal am Friedensplätzchen wurde lange saniert, ab Freitag teilen sich beide Gastro-Konzepte die Küche und den Gastraum. Einen Fettabscheider gibt es dort auch. „Das Modigliani ist groß, es gehen täglich mehr als 60 Gerichte an die Gäste“, sagt Uli Mack. „Dort ist er also angemessen und nötig.“