Gastronomie in Düsseldorf Das Alte Fischerhaus schließt

Düsseldorf · Schon in wenigen Tagen wird der Herd im Alten Fischerhaus in Düsseldorf-Urdenbach zum letzten Mal angeschaltet. Nach 20 Jahren als Küchenchef und Inhaber verabschiedet sich Markus Schulte von seinen Gästen. Einen Nachfolger gibt es schon.

 Markus Schulte ist seit März 2003 Küchenchef und Inhaber des Alten Fischerhauses in Urdenbach. Eine Besonderheit des Hauses ist der Blick über den Altrhein auf den Strom. Foto: Olaf Döring

Markus Schulte ist seit März 2003 Küchenchef und Inhaber des Alten Fischerhauses in Urdenbach. Eine Besonderheit des Hauses ist der Blick über den Altrhein auf den Strom. Foto: Olaf Döring

Foto: Döring, Olaf (od)

Markus Schulte ist das, was man „eine Type“ nennt. Seit 15. März 2003 ist er Inhaber und Küchenchef des Restaurants Altes Fischerhaus in Urdenbach. Er gewann mehrfach den Wettbewerb der Düsseldorfer Restaurants, die Tour de Menü, setzte sich als Werbegag dafür einen Oktopus auf den Kopf oder siegte bei der TV-Show „Mein Lokal, dein Lokal“.

Doch Ende des Jahres hängt er die Kochjacke an den Nagel – erst mal. Auf jeden Fall wird am 17. Dezember das letzte Mal in dem denkmalgeschützten Haus mit diesem umwerfenden Rheinblick der Herd angeworfen. Danach ist nur noch Aus- und Aufräumen angesagt. Besenrein übergibt Schulte die Immobilie an den Eigentümer, der schon mit einem anderen Gastronomen handelseinig geworden sein soll. Ein Kroate, wie es heißt.

Es ist Donnerstagmorgen, Helfer sind dabei, Sperrmüll an die Straße zu stellen. Vom Parkplatz fahren Gäste, die ein Erinnerungsstück mit nach Hause nehmen wollen: einen Strandkorb, ein Weinfass, ein Bild. Alles muss raus. Drinnen geht noch bis kommende Woche Sonntag der Gastronomiebetrieb weiter.

Alle wollen sie noch mal im Alten Fischerhaus essen gehen. Wer bis jetzt keinen Tisch gebucht hat, kommt nicht mehr unter. Schon seit Wochen geben sich die Stammgäste die Klinke in die Hand. Ein Paar habe sich gleich vier Portionen von seinem rheinischen Sauerbraten einvakuumieren lassen, erzählt Schulte. Als kulinarisches Andenken.

An mangendem Zuspruch liegt es nicht, dass Markus Schulte jetzt einen Cut macht. „Ich bin dieses Jahr 60 geworden, es ist an der Zeit, das Private in den Vordergrund zu rücken.“ Der Fachkräftemangel hat auch bei ihm nicht Halt gemacht, was zur Folge hatte, dass Schulte noch mehr arbeitete. All die Jahre haben seine Frau und die beiden Töchter hinter dem Betrieb des Fischerhauses zurückstehen müssen. Die ältere (25) hilft ihm nun in der Küche, um den Ansturm der letzten Wochen bewältigen zu können.

Schon zuletzt habe er mit dem Eigentümer nur noch kurzlaufende Pachtverträge abgeschlossen, um nicht den Zeitpunkt zu verpassen, Schluss zu machen, wenn ihm die Arbeit noch Spaß macht. „Ich wollte nie zu den Gastronomen gehören, die bis 70 weiterarbeiten, weil sie den Absprung verpasst haben.“ Er habe nie das Geld mit vollen Händen ausgegeben, sodass er sich nun erst mal in Ruhe überlegen könne, was er danach noch machen wolle. „Vielleicht Berater in der Gastronomie.“ Aber bloß nichts übereilen. Denn Stress hatte Schulte in den mehr als 40 Jahren als Gastronom mehr als genug.

Gebürtig kommt er aus dem Sauerland. Über seine damalige Freundin, die heute seine Frau ist und die in Düsseldorf die MTA-Schule besuchte, bekam er Kontakt zur Landeshauptstadt und verguckte sich in die Stadt am Rhein. Denn neben dem Kochen ist das Wasser eine weitere große Leidenschaft.

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Foto: Endermann, Andreas (end)/Endermann

Mit 25 Jahren sei er damals der jüngste Düsseldorfer Küchenchef eines Gourmetbistros gewesen. Seine eigene erste Gastronomie betrieb er am Südring mit der „Freilichtbühne“. Da die Familie dann nach Urdenbach zog, war klar, dass er auf das Alte Fischerhaus aufmerksam wurde: „Es gab dort badische Küche, und das Holz im Gastraum war schwarz gebeizt.“

Als er gefragt wurde, ob er übernehmen wolle, war ihm klar, dass das Fischerhaus seinem Namen wieder alle Ehre machen sollte. Ein bisschen wie damals, als es um die Jahrhundertwende ein Treffpunkt für die Urdenbacher Rheinfischer war – aber gehobener. Ein Besuch in seiner Restauration sollte sein, „wie ein paar Stunden Urlaub am Meer.“

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