Düsseldorfer Traditionslokal Die Mehrgenerationen-Pizzeria

Düsseldorf · Seit 60 Jahren serviert Mama Lisi Pizza und Pasta in Düsseldorf-Gerresheim. Anfangs war das Lokal vor allem ein Stück Heimat für die vielen italienischen Mitarbeiter der Glashütte. Heute betreibt die vierte Generation das Traditionshaus.

 Mama Lisi ist eine echte Mehrgenerationenpizzeria. v.l. Pietro, Jasmin und Antonio Lisi.

Mama Lisi ist eine echte Mehrgenerationenpizzeria. v.l. Pietro, Jasmin und Antonio Lisi.

Foto: Bretz, Andreas (abr)

Immer wieder wird Luigi-Pietro gefragt: „Bist du nicht der Kleine von damals?“ Oder: „Ich kenne dich schon, da warst du noch keinen Meter groß.“ Luigi-Pietro Lisi, genannt Pietro, ist 23 Jahre alt und arbeitet im Restaurant Mama Lisi, das seine Urgroßmutter vor 59 Jahren gegründet hat. Er ist somit die vierte Generation, die in den Familienbetrieb eingestiegen ist.

Wer die vier Stufen zum Traditionslokal hochgeht und das Restaurant betritt, der glaubt, sich in einer anderen Zeit zu finden – in den frühen 1970er Jahren. Denn seit damals hat sich an der Einrichtung nichts geändert: rustikal mit groben Holztischen und den damals üblichen einfachen Stühlen, Plastikweintrauben an den Wänden. Hier gibt es keine Lounge, kein edles Leder, keine indirekte Beleuchtung. „Wir haben das alles bewusst beibehalten“, sagt Jasmin Lisi. Veränderungen habe es nur im zweiten, dem hinteren Raum gegeben. Der ist heute heller – und dies wohl auch nur wegen Corona. Denn während der Lockdowns hatten die Lisis Zeit für die Renovierung.

Apropos Corona: Seit dem pandemiebedingten Tischdeckenverbot verzichten die Lisis bis heute auf die traditionellen rot-weißen Tücher. „Muss ich weniger waschen“, meint Jasmin Lisi schmunzelnd.

Sie steht täglich außer mittwochs – da ist Ruhetag – in der Küche, während Ehemann Antonio für den Einkauf zuständig ist „und für die Pizzen“, wie er betont. Im Gegensatz zu Sohn Pietro, der eine Ausbildung im Gastro-Bereich gemacht hat, kommen seine Eltern eigentlich nicht aus der Branche: Antonio Lisi hat, wie sein Bruder und sein Vater, eine Kfz-Lehre absolviert, „aber schon immer im Lokal ausgeholfen“. Seine Frau Jasmin hat sämtliche Rezepte von Antonios Mutter übernommen. Sie ist Deutsche, spricht perfekt und akzentfrei Italienisch und ist stolz darauf, bei ihrer Schwiegermama Rosa auch das Kochen gelernt zu haben. Rosa schließlich war die Schwiegertochter von Giuseppa, die alle nur Mama Lisi nannten, die Gründerin des Familienbetriebs.

Aber der Reihe nach: Ende der 1960er Jahre kamen viele Italiener nach Gerresheim, um dort bei der Glashütte zu arbeiten. Vor knapp 60 Jahren standen Pizza und Pasta jedoch noch nicht auf fast jeder Speisekarte, im Gegenteil. Da hatten Domenico Lisi und seine Giuseppa die Idee, ein Restaurant in Gerresheim zu eröffnen, um ihren Landsleuten ein wenig Heimat zu bieten. Und das ist bis heute so geblieben.

Domenico starb früh, und als Mama Lisi Ende der 90er Jahre das Rentenalter erreicht hatte, wollte sie zurück in ihre Heimat nach Apulien. Aber die clevere Unternehmerin hatte ihre Nachfolge schon geregelt: Kfz-Mechaniker Luigi und Kindergärtnerin Rosa gaben ihre Berufe auf und arbeiteten in der Trattoria. Schwiegertochter Rosa übernahm das Regiment in der Küche, während auch der junge Enkel Antonio schon wie selbstverständlich im Restaurant mithalf.

„Dabei wollte ich eigentlich das Restaurant nie übernehmen“, sagt der 43-Jährige heute. Er habe nach seiner Lehre nur ab und an im Restaurant geholfen. Doch nach dem Tod seiner Eltern war es dann doch für ihn selbstverständlich, den Familienbetrieb weiterzuführen. Und das galt auch für Ehefrau Jasmin. Sie steht, obwohl das Restaurant nur abends geöffnet hat, schon morgens früh in der Küche. Eine der ersten Aufgaben ist es, den Oktopus zu kochen. Der Pizzateig muss vorbereitet werden. Alle zwei Tage auch der Teig für die Orecchiette. „Der muss frisch sein“, sagt Jasmin. Und reine Handarbeit wie bei den Familien in Italien.

Das Mama Lisi bietet eine bodenständige Küche. Und es gibt mehr als nur die umfangreiche Auswahl an Pizza und Pasta. Obwohl: Die Pizza lohnt sich immer – hauchdünner knuspriger Teig, saftiges Sugo, genau die richtige Menge Käse und reichlich Beläge für zwischen 7,20 und 12,20 Euro. Die Besonderheit des Hauses ist die grüne Pizza – mit Spinat. Das grüne Gemüse muss Mama Lisi eines Tages wohl in den Teig gefallen sein, heißt die passende Anekdote dazu. Im Restaurant kostet diese Pizza 50 Cent Aufpreis, und auch das galt schon vor 20 Jahren. Keine Frage, die Pizzen zählen zu den besten der Stadt.

Warum die Karte so umfangreich ist, immerhin gibt es 27 verschiedene Pizzasorten, fast ebenso viele Pasta-Gerichte und darüber hinaus Fisch- und Fleischspezialitäten? Die Antwort geben die Lisis unisono: „Die Gäste wollen das.“ Denn das Restaurant hat viele Stammkunden. „Sobald wir mal etwas nicht auf der Karte haben, fragen die Gäste nach“, sagt Jasmin. „Also lassen wir alles, wie es ist.“ Und manchmal kommt auch noch etwas Aktuelles dazu, wie beispielsweise zur Zeit Pasta mit Pistazien-Pesto und Garnelen.

Zu den Favoriten der Gäste zählt aber seit Jahren Spaghetti allo Scoglio (mit Meeresfrüchten, Vongole und Gamberini) für 16,60 Euro. Die Preise im Mama Lisi sind immer noch günstig. Das gilt auch für den Hauswein, der wie vor mehr als einem halben Jahrhundert in Tonkrügen auf den Tisch kommt.

Dennoch gibt es auch Neuheiten. Beispielsweise das hauseigene Olivenöl. „Mein Großvater mütterlicherseits hat zu Hause in Apulien einen Olivenhain gepflanzt“, sagt Lisi nicht ohne Stolz, ein Teil davon gehört ihm. Und sein Onkel stellt das Olivenöl her. Im Restaurant Mama Lisi kann man es nicht nur probieren, sondern auch kaufen, und zwar die erste, also die beste Pressung.

Und noch eines gab es vor knapp 60 Jahren nicht: die schöne Terrasse im Innenhof mit knapp 20 Plätzen, die bei schönem Wetter geöffnet ist und immer gut besucht wird.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort