Renate Görtz ist Küsterin in Oberkassel

Küsterin in Oberkassel : Die Hüterin der Kirche von St. Antonius

Küsterin Renate Görtz sorgt dafür, dass man dem Gotteshaus sein Alter fast nicht ansieht. Sie schrubbt die Böden, pflegt die Kunstwerke und hilft dem Pfarrer. Nur die Glocken läuten muss sie nicht.

Die Kirche des heiligen Antonius von Padua ist ein beeindruckendes Bauwerk. Mit ihren zwei mächtigen Haupttürmen, welche die Dächer der Luegallee überragen, stellt sie nicht nur für die Bewohner von Oberkassel einen Blickfang dar. Ihre exponierte Lage am Barbarossaplatz trägt dazu bei, dass die Kirche auch außerhalb der Gottesdienstzeiten ein reger Anlaufpunkt für die Gläubigen ist. Dabei sieht man dem Gebäude das Alter trotz seiner 108 Jahre in keiner Weise an – und dass das auch in Zukunft so bleibt, verdankt die Kirche eifrigen Hütern wie Renate Görtz.

„Hier und da blättert schon einmal der Putz ab oder zeigt sich ein kleiner Riss im Gemäuer. Aber das sind meist auch schon alle Schäden“, erzählt die Küsterin der neoromanischen Basilika. Zum Glück, denn St. Antonius ist nur eine der drei katholischen Kirchen im Linksrheinischen, welche unter der Obhut von Görtz und ihrem Kollegen Reinhold Machulla stehen. Vergleichbar sei der Job mit dem eines „Event- oder Facilitymanagers“, der eine gute Zeitplanung und hohe Flexibilität erfordert. „Als Küster betrachtest du die Kirche wie dein eigenes Haus. Dementsprechend sorgfältig kümmert man sich auch drum.“ Zur Weihnachtszeit, oder wenn ihr Kollege Urlaub hat, rotiert Görtz schon einmal stündlich zwischen den Kirchen umher. Denn als Küster wacht sie nicht nur über den Erhalt der Kirchen, indem sie die Kunstwerke pflegt oder auch selbst bis zu sechs Stunden lang die Kirchenböden schrubbt. Sie geht dem Pfarrer auch vor, während und nach den Gottesdiensten zur Hand, hilft ihm beim Anlegen der zeremoniellen Gewänder, poliert die Kelche, ist Ansprechpartnerin für die Messdiener oder übernimmt den Dienst des Lektors während der Liturgie. Irgendwer muss schließlich auch Stunden vor der Messe die Heizung anschalten. „Aber nicht wärmer als 16 Grad, sonst verziehen sich die Orgelpfeifen“, sagt Görtz.

Immerhin bleibt ihr eine zusätzliche, klassische Küsteraufgabe erspart – das punktgenaue Läuten der Glocken von St. Antonius, immerhin das viertgrößte Geläut im ganzen Erzbistum, übernimmt eine elektrische Schaltanlage.

Ein Vollzeitjob also, den Renate  Görtz als Ehrenamtliche, wie es in kleineren Gemeinden meist der Fall ist, wohl nicht bewältigen könnte. „Wenn gleich mehrere Taufen und Gottesdienste an einem Tag anstehen, ist man am Abend manchmal ganz schön platt“, sagt sie. Ihre Familie hat sich jedoch daran gewöhnt, dass die Mutter an wichtigen Feiertagen wie Heiligabend nur kurz zum Abendessen vorbeischauen kann.

Dabei ist der Weg, welcher Görtz in den 90er-Jahren nach und nach zu ihrer Berufung führte, ein für Küster wohl äußerst ungewöhnlicher gewesen. Nicht nur, weil die 57-jährige eigentlich gelernte Fleischerei-Fachverkäuferin ist. Sondern auch, weil Görtz als Protestantin getauft wurde. „Nach der Konfirmation hatte ich mit Kirche auch nicht mehr viel zu tun. Das kam erst mit der Geburt des ersten Kindes wieder. Da dachte ich mir, wenn es etwas so Wunderbares im Leben gibt, muss es auch einen Gott geben.“ Da ihr Mann Katholik ist und ihr die katholischen Messen schon immer besser gefielen, konvertierte sie schließlich. Auf einer Fußwallfahrt lernte das Paar dann einen Pastoralreferenten der Gemeinde kennen, der sie auf eine freie Stelle aufmerksam machte, in der damals noch aktiv genutzten Christus-König-Kirche. Nach und nach rutschte Görtz dann in das Hauptamt für die ganze Gemeinde rein. Ein Weg, den sie nie bereut hat. „Besonders der Kontakt mit den vielen Leuten ist mir wichtig. Zum Beispiel die Vorfreude eines Brautpaares mitzuerleben, die den Blumenschmuck für ihre Hochzeit mit mir besprechen“, sagt Görtz.

Dass das Kircheninnere zu den verschiedenen Anlässen auch entsprechend aussieht, zählt für sie zu der wichtigsten Aufgabe ihres Berufs. „Damit die Botschaft der Messe bei den Leuten auch optisch genauso ankommt.“

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